Dr. Pernlochner

Loriot ist tot: Lieber Gott, viel Spaß!

Traueranzeige für Vicco von Bülow Der Himmel darf sich auf Unterhaltung freuen, ist sich der Art Directors Club – ein Zusammenschluss von 600 kreativen Deutschen – sicher. In einer Traueranzeige wünscht der Club dem Lieben Gott „viel Spaß“ mit Deutschlands kürzlich verstorbenem bekanntesten Humoristen. „Lieber Gott, viel Spaß!“ lautete daher ganz schlicht die Traueranzeige  für …

Trauern früher und heute: Das Trauerjahr

„Die Gesellschaft gesteht heute immer kürzere Trauerzeiten zu und verlangt schnellstmöglich wieder zu funktionieren“, wird oft festgestellt. Und das stimmt auch. Dieser Wahrnehmung wird häufig die „gute alte Zeit, in der alles besser war„, gegenübergestellt, denn da gab es das „Trauerjahr“, ein Jahr das den Trauernden schützen sollte.

Das „Trauerjahr“ ist auf die Römische Rechtssprechung zurückzuführen und war die Frist, innerhalb deren eine Witwe nicht wieder heiraten durfte. In Deutschland galt nach dem alten Bürgerlichen Gesetzbuch eine Frist von 10 Monaten. Ausnahmen waren möglich, wenn die Witwe durch die Untersuchung einer Hebamme nachweisen konnte, dass sie vom verstorbenen Ehemann nicht schwanger war. Das österreichische Allgemeine bürgerliches Gesetzbuch beschränkte die Frist auf sechs Monate für die nichtschwangere Witwe. Das Frist konnte aber sogar auf drei Monate gekürzt werden, allerdings musste die Witwe dann auf einen eventuellen „Ehegewinn“ aus der früheren Ehe verzichten: Witwen erhielten nämlich nach dem Ableben ihres im Staatsdienst befindlichen Gatten noch ein weiteres Jahr dessen Bezüge.

Memento Mori: Vanitas-Wahn früher und heute

„Mors certa hora incerta“ („Der Tod ist gewiss, seine Stunde ungewiss“) oder „Memento moriendum esse“ („Bedenke, dass du sterben wirst“), – diese Gedanken sind untrennbar mit dem Lebensgefühl des Mittelalters und des Barock verbunden. Moderne „Memento Moris“ kamen allerdings vor ein paar Jahren über die Mode wieder auf: Totenköpfe und Skelette findet man seit einigen Jahren überall. Die Marke „Ed Hardy“ wurde berühmt für ihre Skull-Motive auf T-Shirts, Schuhen und Life-Style-Produkten. So bekam ich von einer Freundin ein Handtuch mit Totenköpfen drauf und auch eine Eiswürfel-Box, mit deren Hilfe man Skull-Eiswürfel (engl. „skull“ = der Schädel) produzieren kann. Mein Kollege überreichte mir im letzten Jahr ein Skelett aus weißer Schokolade im Sarg aus dunkler Schokolade.

Als ich diesen Sommer mit meinen üppig verzierten Ed-Hardy-Schlapfen Richtung Badestrand schlenderte, kam ich an einem Trödler-Stand vorbei, der sofort mein Interesse weckte, war er doch voller antiquarischer Vanitas-Objekte: Da fanden sich kleine Tödlein-Särge, Betschnuren mit geschnitzten Totenköpfen, Elfenbein-Skelette und vieles andere mehr, was den Menschen stets daran erinnern sollte, dass alles schnell vorbei sein kann.

Nachdem ich vor lauter (Neu)Gier meine Finger nicht von einem prunkvollen, höfischen Tödlein-Sarg lassen konnte und ihn beinahe beschädigte, weil mir der Sargdeckel auskam und runterfiel, kam ich mit dem Händler ins Gespräch. Ich fragte ihn, ob er sich denn auf „Memento-Mori-Zeug“ spezialisiert hätte und er meinte: „Eigentlich nicht, aber das makabre Zeug, das findet seit ein paar Jahren wieder reißenden Absatz. Die jungen Leut‘ sind wie wild drauf, und zwar nicht nur die Gruftis und die Emo-Punks. Denk dran, dass heut auf jedem Leiberl ein Totenschädel drauf ist.“ Ach ja, da hat er recht, dachte ich an mein auffälliges Schuhwerk, das er offensichtlich ganz übersehen hatte.

1. muslimischer Friedhof in Vorarlberg

In Österreich gibt es wenige muslimische Friedhöfe, das wird sich im Laufe der Zeit ändern müssen, denn viele Muslime sind hier aufgewachsen und haben als voll integrierte österreichische Staatsbürger auch das Bedürfnis in ihrem Heimatland – also Österreich – ihre letzte Ruhestätte zu finden. Vorarlberg bekommt jetzt seinen ersten muslimischen Friedhof: In Altach sind auf …

Planung der eigenen Trauerfeier kein Tabu mehr:

Ich habe eigentlich alles für meinen Abschied vorbereitet. Nicht, dass ich mich bald aus dieser Welt  verabschieden möchte! Nein, ganz  im Gegenteil, ich will am liebsten gar nicht sterben. Aber ich weiß halt, dass auch ich nicht unsterblich bin und  wie schnell es gehen kann. Darum habe ich alles recht detailliert geplant. Meine Angehörigen werden …

Trauma-Arbeit nach Terror in Norwegen

Immer mehr schreckliche Details wurden in den vergangenen Tagen nach dem Terrorakt von Anders Breivik in Norwegen bekannt. Die sogenannte „Akutphase“ ist vorbei, Norwegen und der Rest der Welt befinden sich im Spannungsfeld zwischen „Reaktionsphase“ und „Bearbeitungsphase“ nach dieser Katastrophe. Der Weg zurück in den Alltag und eine „neue Normalität“ hat begonnen.

Da Terrorakte immer das Ziel haben, eine möglichst große Anzahl von Menschen zu schädigen, bedrohen sie die psychische Stabilität einer großen Gruppe von Menschen, einer Region oder – wie im aktuellen Fall – eines ganzen Landes. Nicht nur unmittelbar Betroffene – also  überlebende Zeugen und Angehörige – reagieren mit Belastungsreaktionen, sondern auch an sich unbeteiligte Personen, da durch diesen – ohne Vorwarnung in eine „heile Welt“ hereinbrechenden – Gewaltakt unser Sicherheitsgefühl stark beeinträchtigt wird. Die Annahme „Terror gibt es nur in fremden Ländern, weit weg von uns, wir hier sind sicher“, entpuppt sich als Illusion. Das Entscheidende an einer Traumatisierung nach einer solchen Katastrophe ist der Verlust der Sicherheit, es kommt zum Gefühl von Hilflosigkeit und zu einer existentiellen Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses.

Terror und Medienkonsum: Umgang mit Kindern

Bei den Anschlägen vom 11. September 2001 war mein Sohn genau 3 Jahre alt. Ich weiß noch, ich saß bei einer Bekannten im Wohnzimmer und unsere Söhne spielten, als das Telefon klingelte. Die Mutter meiner Bekannten schrie in den Hörer: „Schaltet den Fernseher ein!“und dann kam eine für uns unverständliche Begründung, warum wir das tun sollten. Wir schalteten also den Fernseher ein und sahen zwei Bilder parallel nebeneinander, die wir zunächst überhaupt nicht einordnen konnten: Einmal das brennende Pentagon und daneben ein Flugzeug, das in einen Wolkenkratzer raste. Unsere Kinder sahen natürlich zu. Erst allmählich verstanden wir, was da gezeigt wurde, aber ich konnte es einfach nicht glauben. Ich hatte einen echten Schock. Die Szenen wurden wiederholt, ich rief meinen Mann an und wollte einfach nur nach Hause.

Im Auto schaltete ich das Radio ein, um nichts zu verpassen, mein Sohn saß am Rücksitz angegurtet und hörte alles mit. Ich dachte überhaupt nicht an ihn, ich dachte immerzu: „Scheiße, jetzt bricht ein Weltkrieg aus!“ und bekam echt weiche Knie. Zuhause angekommen, drehte ich den Fernseher auf. Die Szenen wurden immer wieder wiederholt, allmählich wurde das Ganze für mich Realität. Mein Sohn kriegte das mit, es war einfach nicht möglich mich auf dem Laufenden zu halten und ihn außen vor zu halten. Ich war auch der Meinung, dass wir unsere Kinder nicht unter einer Schutzglocke aufziehen können, sie werden dadurch auch nicht widerstandsfähiger. Der Meinung bin heute auch noch, aber nachträglich würde ich doch ein wenig vorsichtiger mit dem Medienkonsum umgehen. Andererseits: Im Ausnahmezustand ist man oft unreflektiert.

Trauer und Betroffenheit: Terror in Oslo und Amy Winehouse‘ Tod

„Schrecklich, dass der Tod von Amy Winehouse mehr Menschen erschüttert als all die Opfer, die durch ein Attentat in Norwegen ermordet wurden!! Amy Winehouse ist für ihren Tod selbst verantwortlich,  die 98 Opfer wohl nicht!!!“, postete eine meiner Freundinnen auf ihre Facebook-Pinwand und bekam sofort einige „Gefällt mir“-Thumbs-up.

Die Beobachtung meiner Freundin ist richtig und ich gestehe, mir ging es am Wochenende wie wohl vielen: Der Tod von Amy Winehouse machte mich mehr betroffen als die Meldung vom Tod über 90 unschuldiger Opfer nach dem Terrorakt eines Wahnsinnigen auf der norwegischen Ferieninsel Utoya.

Bin ich deshalb unmoralisch oder irgendwie verdreht? Nein, ganz sicher nicht. Wer so reagiert, ist völlig normal, das ist ein Schutzprogramm unserer Psyche: Sie reagiert mit Trauer, nur wenn es sein muss und mit großer Betroffenheit auch nur dann, wenn man sich mit Opfern identifizieren kann, das schützt uns vor zu viel Belastung und vor allem vor Traumatisierung.

Investment: Wetten auf die Todgeweihten

Wer früher stirbt, der bringt mehr Geld

Medizinischer Fortschritt und ein gesünderer Lebensstil erschweren es den Pensionsanbietern immer mehr, die Lebenserwartung vorauszuberechnen. Jedes zusätzliche Jahr an Lebenserwartung erhöht die zukünftigen Pensionsleistungen um bis zu vier Prozent.

Aus diesem Grund haben Pensionsfonds und Rentenversicherungsanbieter Interesse, sich gegen das Geschäftsrisiko der Langlebigkeit ihrer Kunden abzusichern. Ein neues Geschäftsfeld  von Investmentbanken sind nun „Wetten auf die Lebenserwartung“, auch „Second-Hand-Lebensversicherungen“ genannt: Banken bieten Derivate an, die dieses Risiko in Wertpapieren verbriefen. Die Versicherungsprämie beruht darauf, dass die Kunden ein bestimmtes Alter erreichen. Leben diese länger als erwartet, muss der Gegenpart die Kosten für die Versicherung tragen, sterben die Kunden früher, so profitiert er.

Herzbestattung: Hintergründe einer bizarren Habsburger-Tradition

Otto von Habsburg-Lothringen verfügte vor seinem Tod, sein Herz möge in Ungarn beigesetzt werden. Dass das Herz des verhinderten Kaisers zur Hälfte auch für Ungarn geschlagen hat, verwundert nicht, dass allerdings ein Mann des 20. und 21. Jahrhunderts die habsburgische Tradition der vom übrigen Leichnam getrennten „Herzbestattung“ ausdrücklich wünschte, darf heutzutage durchaus bizarr wirken, zumal sie aus thanatologischer Sicht zudem unnötig ist.

Das Herz des Menschen wurde seit Menschengedenken als zentrales und wichtiges Organ erkannt, welches nicht nur für das Leben und den Charakter steht, sondern symbolisch auch für die Liebe. Auf starke Emotionen reagiert auch das vegetative Nervensystem: „Herzklopfen“ ist ein typisches Symptom in emotional aufwühlenden Situationen und Zuständen. Wir spüren es, wenn wir unter Stress sind, wenn wir Angst haben, starke Trauer uns überschwemmt, aber eben auch, wenn wir verliebt sind. Das Konzil von Vienne entschied 1311 zwar, dass die Seele nicht nur im Herzen, sondern im ganzen Körper des Menschen beheimatet ist, dennoch fanden weiterhin Herzbestattungen statt und dieser Brauch erreichte sogar erst im 17. Jahrhundert seinen Höhepunkt.