Leben & Tod

Vom Sterben lernen

Wenn wir die Natur beobachten, sehen wir, wie bunt und vielfältig sie ist. Gleichzeitig sehen wir, wie alles, was die Natur erschafft, eine begrenzte Lebensspanne hat: Wir können eine Blume beobachten, wie sie aus dem Boden wächst, erblüht, ihre Samen ausstreut, mit der Zeit verwelkt und wieder zu Boden fällt. Doch auch ihre Samen fallen …

Facebook: Wann gibt es mehr Profile von Toten als von Lebenden?

Im November, dem Monat des Gedenkens, mit Allerheiligen, Allerseelen und Totensonntag, setzen sich viele Menschen mit dem Leben und dem Sterben auseinander – auch im Internet. Im Blog What If etwa wird durchgespielt, wann es auf dem sozialen Netzwerk Facebook mehr Profile von Toten als von Lebenden geben wird. Die Antwort, die auf die Komplexität des Themas hindeutet: Das kommt darauf an.

Sterbehilfe-Debatte: Steigt der Druck auf Senioren?

Ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hat in der Schweiz die Debatte um die Sterbehilfe neu entfacht. Die Straßburger Richter hatten die Eidgenossen wegen unklarer Formulierungen in den Rechtsbestimmungen zur Sterbehilfe gerügt und die Politiker des Alpenlandes aufgefordert, die entsprechenden Regelungen zu überprüfen.

Konkret ging es um eine 82-jährige Frau, der die Behörden den Erwerb einer tödlichen Medikamentendosis nicht erlaubt hatten, weil sie zwar schwach aber nicht schwerkrank gewesen sei. Laut dem Gerichtsurteil – mit vier gegen drei Richterstimmen – ist darin ein Verstoß gegen Artikel 8 der Menschenrechtskonvention zu sehen, dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens.

Jennifers Kampf gegen den Krebs

Als Jennifer Merendino im Alter von 36 Jahren erfährt, dass sie Brustkrebs hat, ist sie gerade fünf Monate mit ihrem Mann Angelo verheiratet. Fünf Jahre zuvor hatten sie sich das erste Mal gesehen. Nur knapp vier Jahre nach der ersten Krebsdiagnose, kurz vor Weihnachten 2011, stirbt Jennifer. Sie hat ihren Kampf gegen den Krebs verloren. Aber dank der Möglichkeiten des Internets bleibt sie der Welt auch nach ihrem Ableben erhalten.

Sterbehilfe: Giftcocktail für Bundesliga-Legende

Das Drama um den verunglückten niederländischen Prinzen Friso hat vor wenigen Wochen in Österreich die Debatte um die Sterbehilfe neu entfacht (siehe: http://bit.ly/A4xtuM ). Nun werden die Diskussionen über den freiwilligen Abschied und die (aktive) Sterbebegleitung auch an deutschen Stammtischen aufflammen.

Schließlich war es nicht irgendwer, der sich am Montagabend in der Schweiz einen „Giftcocktail“ verabreichen ließ und damit bewusst aktive Sterbehilfe in Anspruch nahm. Es war der 9-fache deutsche Nationalspieler Friedhelm „Timo“ Konietzka, der sich am 24. August 1963 unsterblich machte, als er im Spiel Dortmund gegen Bremen das erste Tor der neu gegründeten Bundesliga schoss.

Konietzka: „Von Qualen erlöst“

Der Schweizer Boulevard-Zeitung „Blick“ zufolge soll der unheilbar Kranke Konietzka – im Beisein von Vertretern der Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit – gegen 19 Uhr „friedlich“ eingeschlafen sein. Zuvor habe der 73-Jährige noch ein Bier getrunken und seine Enkel gesehen. Konietzka hatte Ende 2011 eine Herzattacke überstanden und sich bereits seit langem mit dem Thema Sterbehilfe auseinandergesetzt. Sein Motto: „Wenn einer sterben will, dann möchte er nicht mehr leben. Das muss man akzeptieren“.

Im vergangenen Monat wurde bei Konietzka dann Gallenstein-Krebs diagnostiziert. Nach mehreren Operationen hatte sich Konietzka daraufhin entschieden, nicht mehr gegen die Krankheit ankämpfen zu wollen. In seiner Todesanzeige dankte Konietzka posthum der Sterbehilfeorganisation Exit dafür, dass sie ihn von seinen „Qualen erlöst und auf dem schweren Weg begleitet haben“. Konietzka hatte Exit seit Jahren öffentlich unterstützt und war Botschafter der Organisation.

Drama um Prinz Friso entfacht Debatte um Sterbehilfe in Österreich neu

Die niederländische Königsfamilie ist derzeit nicht zu beneiden. Sie muss nicht nur den schweren Skiunfall des Prinzen Friso im österreichischen Nobelskiort Lech am Arlberg verkraften – der zweite Sohn von Königin Beatrix ist von einer Lawine verschüttet worden und liegt nun seit Tagen mit massiven Hirnschäden im Koma. Die royale Familie steht zudem vor einer der wohl schwersten Entscheidungen, die auf einen Menschen zukommen können: Sie muss über Leben und Tod richten.

Buchrezension: Wie wollen wir sterben?

Michael de Ridder ist seit 30 Jahren Rettungsstellenleiter in Berlin. In diesem Jahr wurde sein Buch Wie wollen wir sterben veröffentlicht, in dem er über Missstände und Mängel im Rettungsdienst schreibt.

Der Tod wird in unserer Gesellschaft der Fitness, Jugend und Gesundheit weitgehend verbannt. Selbst in Krankenhäusern und Pflegeheimen wird er nur als Hindernis für die pflegerischen Tätigkeiten und Abläufe angesehen. In seinem Buch macht de Ridder nun genau diese Gegenstände zum Thema, übt Kritik an der „Stückgut“-Behandlung mit Schwerkranken und setzt sich für die Würde des Menschen ein.

In seiner Laufbahn als Rettungsstellenleiter erlebt der Autor makabere und niederträchtige Dinge: Schwerkranke, die wie völlig würdelos behandelt werden; Maßnahmen, welche die Arbeit der Pfleger erleichtern, den Patienten aber mehr schaden als nutzen; Wiederbelebungsversuche als Gewissenberuhigung der Sanitäter, jedoch als Qual für den sterbenden Patienten. Im heutigen Rettungswesen ist wichtig Dienstpläne zu erfüllen und Geräte zu benutzen – der Patient werde zunehmend unwichtiger.

De Ridder wirft nicht nur Fragen über die Handlungsweisen seiner Kollegen auf, sondern analysiert auch die aktuelle Situation und die Ursachen, welche die Missstände hervorbringen. So liege es beispielsweise nicht an der Unterfinanzierung des Gesundheitssystems sondern daran, dass Prioritäten völlig falsch gelegt werden.

Entscheidungen darüber, ob weiterbehandelt wird oder ob man jemanden sterben lässt, ist sowohl für Ärzte als auch für die Patienten und ihre Angehörigen eine Gradwanderung. Richtig oder Falsch gibt es hier nicht. Was es aber geben muss, ist eine Sterbekultur, die es den Menschen ermöglicht, in Würde zu sterben.

Mit sterbenden Kindern ueber den Tod sprechen

Gesprächsansätze mit sterbenden Kindern

In unserer Zeit werden Krankheit und Tod oft totgeschwiegen. Die Konfrontation mit unheilbar kranken und sterbenden Kindern löst daher große Verunsicherung aus. Viele wissen nicht, was sie tun sollen oder wie sie sich verhalten sollen. Doch sehr kranke Kinder brauchen auf ihrem schwierigen Weg Beistand, Begleitung und auch Gespräche.

Es ist unumstritten, dass das Kind Gespräche über seine Krankheit und dem weiteren Verlauf der Krankheit braucht und damit auch einen wichtigen Beistand erfährt. Entscheidend ist die Frage, wie ein Gespräch über das bevorstehende Sterben und den Tod gestaltet werden kann. In der Regel wollen lebensbedrohlich erkrankte und sterbende Kinder die Wahrheit über ihre Situation erfahren. Sie suchen in Gesprächen Hilfe, mit der existenziell bedrohlichen Situation umzugehen und neue Ziele für ihre Lebenszeit definieren zu können. Es ist jedoch auch möglich, dass Kinder mit der totalen Ablehnung oder Verzweiflung auf die Konfrontation mit der finalen Realität reagieren. Es muss dem sterbenden Kind auch zugestanden werden nicht über die Lebensbedrohung sprechen zu wollen:

Todesangst sterbender Kinder und Jugendlicher

Laut Erfahrungsberichten von Ärzten und Krankenpflegepersonal beschäftigen sich ernst erkrankte Kinder früher und intensiver mit dem Tod als gesunde Kinder. Auch wird immer wieder über eine besondere Reife und ein intuitives Wissen der Kinder berichtet. 

Kindergartenalter: Vor allem für kleine Kinder mit ca. fünf Jahren bedeutet der Tod „für immer schlafen“  oder „nicht mehr aufwachen“. So können z.B. Narkosen eine große psychische Belastung darstellen. Der kleine Patient befürchtet, nicht mehr aufzuwachen, tot zu sein. Massive Trennungsängste tauchen auf. Sterben heißt „von Mutter und Vater getrennt zu werden“, obwohl sie doch so dringend deren Schutz und Begleitung brauchen.

Ausbau des Palliativkonzeps in Noe

 „Sterben in Würde“ ermöglichen

St. Pölten (OTS/NLK) – Seit 1998 wird in Niederösterreich intensiv am Ausbau des Palliativkonzeptes sowie an der Errichtung stationärer Hospize in Pflegeheimen und der Gründung von mobilen Hospizdiensten gearbeitet. In den vergangenen Jahren wurden in den Landeskliniken Waidhofen an der Thaya, Krems, Lilienfeld und Scheibbs 30 Palliativbetten installiert. In den Landespflegeheimen Melk, Tulln, St. Pölten, Mistelbach, Wiener Neustadt und Horn wurden 36 Hospizbetten eingerichtet. Zudem gibt es Palliativkonsiliardienste, die auch mobil tätig sind.

Im Rahmen der umfangreichen Modernisierungsoffensive an den Spitälern mit verschiedenen Zu- und Umbauten werden nun an den Klinikstandorten Mistelbach, Krems, Hollabrunn, Baden, Wiener Neustadt und im Raum Amstetten 36 weitere Palliativbetten errichtet. Überdies ist die Inbetriebnahme eines Tageshospizes im Landespflegeheim St. Pölten in Planung.

„Wo die heilende Hand aufhört, beginnt die Palliativmedizin. Sie kümmert sich um Menschen mit unheilbaren Krankheiten. Ziel ist es, möglichst viel Lebensqualität und ein „Sterben in Würde“ zu ermöglichen. Gerade in den letzten Lebenswochen ist es wichtig, die Patientinnen und Patienten medizinisch und pflegerisch bestmöglich zu versorgen“, betont dazu Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka.

Ziel der Hospiz- und Palliativbetreuung ist die pflegerische, medizinische und spirituelle Betreuung unheilbar kranker und sterbender PatientInnen sowie deren Angehöriger.