Thanatologie

Lektionen für Bestatter – Das BAZ Muennerstadt

In Münnerstadt, das ist ein Ort mit 7000 Einwohnern nördlich von Würzburg, wurde im Feber 2005 das Bundesausbildungszentrum der Bestatter (BAZ Bestatter) eröffnet. Auf einem 5000qm großen Gelände befinden sich das Ausbildungszentrum, ein Gästehaus und der Lehrfriedhof.

Praktischer Unterricht findet am Lehrfriedhof und in den Praxisräumen statt. In den beiden Hygieneräumen werden die hygienische Versorgung Verstorbener und thanatopraktische Tätigkeiten gelehrt. Für das Erlernen der handwerklichen Tätigkeiten des Bestatters wurden ein Werk- und Lötraum, ein Lagerbereich und ein Schulungs- und Ausbildungsraum für Grabmachertechnik und Materialkunde eingerichtet. Im IT-Forum wird der Einsatz von Hard- und Software für den Bestattungsbereich sowie moderne Medien und Internetanwendungen gelehrt und geübt.

Pro Jahr nehmen ca. 500 Lehrlinge an ein- bis zweiwöchigen Schulungsmaßnahmen teil. Darüber hinaus wird die Fortbildung zum Bestattermeister sowie zum Kremationstechniker angeboten. Das Schulungsangebot wird durch internationale Fortbildungen und Seminare ergänzt, die schon von chinesischen und russischen Bestattern Besucht wurden. 

Leichen im Keller von Palermo

Was haben die Mafia und die Kapuziner gemeinsam? Wer Palermo hört, der denkt an die Mafia  und wer an Leichen im Keller von Palermo hört, dem fällt natürlich auch die Mafia  ein – oder eben die Kapuziner. Die Piazza Cappuccini ist nämlich nicht für ihren Cappuccino berühmt, wie man meinen könnte, sondern für eine weitläufige Gruftanlage voller Mumien unter dem Kapuzinerkloster.

Das erste sizilianische Kapuzinerkloster wurde 1534 vor den Toren von Palermo erbaut. Die Kapuziner errichteten auch eine unterirdische Grabkammer, welche 1599 aus Platzgründen erweitert werden musste. Als die Mönche die Überreste ihrer 40 verstorbenen Mitbrüder in das neue Grabgewölbe unter dem Hauptaltar umbetten wollten, entdeckten sie nicht wie erwartet Skelette, sondern natürliche Trockenmumien. Auf Geheiß des Abtes wurden die Mumien der Ordensbrüder entlang der Wand des Kellers als „Memento Mori“ aufgestellt. Damit wurde der Grundstein zu einer Tradition gelegt, der die Kapuziner-Katakomben von Palermo weltweit berühmt machen sollte.

Organspende: So tot wie möglich und so lebendig wie nötig

„Wie bringt man Menschen dazu, Organe zu spenden? An Ideen mangelt es den Briten dazu nicht: Im Januar stellten sie ein neues Konzept vor, wonach Führerscheinneulinge beim Antrag gleich gefragt werden sollen, ob sie zu einer Organspende bereit sind. Jetzt sorgt ein weiterer Vorschlag des Nuffield Council erneut für Diskussionen: Der nationale Gesundheitsdienst solle, so die Idee der britischen Organisation zur Erörterung bioethischer Fragen, die Kosten für Bestattungen übernehmen“, berichtet der Online-Spiegel.

Die Bestattungskosten werden aber nur für Spender übernommen, welchen post mortem – also nach ihrem „Hirntod“ – Organe entnommen werden. Wer zu Lebzeiten ein Organ spendet, soll seine Beisetzung später selbst bezahlen.

John Harris, Bioethik-Professor an der Universität Manchester, findet das Bestattungsangebot für die postmortale Organspende „makaber“. Seiner Ansicht nach würden sich mehr Menschen zur Organspende bereit erklären, wenn man ihnen mehr direkte Anreize – Bargeld etwa – bieten würde: „Wir sollten uns nicht zu sehr an die Idee klammern, dass Altruismus und Belohnung einander zwangsläufig ausschließen. Es ist nicht falsch zu versuchen, die Menschen dahingehend zu beeinflussen, dass sie etwas Gutes tun.

Memento Mori: Vanitas-Wahn früher und heute

„Mors certa hora incerta“ („Der Tod ist gewiss, seine Stunde ungewiss“) oder „Memento moriendum esse“ („Bedenke, dass du sterben wirst“), – diese Gedanken sind untrennbar mit dem Lebensgefühl des Mittelalters und des Barock verbunden. Moderne „Memento Moris“ kamen allerdings vor ein paar Jahren über die Mode wieder auf: Totenköpfe und Skelette findet man seit einigen Jahren überall. Die Marke „Ed Hardy“ wurde berühmt für ihre Skull-Motive auf T-Shirts, Schuhen und Life-Style-Produkten. So bekam ich von einer Freundin ein Handtuch mit Totenköpfen drauf und auch eine Eiswürfel-Box, mit deren Hilfe man Skull-Eiswürfel (engl. „skull“ = der Schädel) produzieren kann. Mein Kollege überreichte mir im letzten Jahr ein Skelett aus weißer Schokolade im Sarg aus dunkler Schokolade.

Als ich diesen Sommer mit meinen üppig verzierten Ed-Hardy-Schlapfen Richtung Badestrand schlenderte, kam ich an einem Trödler-Stand vorbei, der sofort mein Interesse weckte, war er doch voller antiquarischer Vanitas-Objekte: Da fanden sich kleine Tödlein-Särge, Betschnuren mit geschnitzten Totenköpfen, Elfenbein-Skelette und vieles andere mehr, was den Menschen stets daran erinnern sollte, dass alles schnell vorbei sein kann.

Nachdem ich vor lauter (Neu)Gier meine Finger nicht von einem prunkvollen, höfischen Tödlein-Sarg lassen konnte und ihn beinahe beschädigte, weil mir der Sargdeckel auskam und runterfiel, kam ich mit dem Händler ins Gespräch. Ich fragte ihn, ob er sich denn auf „Memento-Mori-Zeug“ spezialisiert hätte und er meinte: „Eigentlich nicht, aber das makabre Zeug, das findet seit ein paar Jahren wieder reißenden Absatz. Die jungen Leut‘ sind wie wild drauf, und zwar nicht nur die Gruftis und die Emo-Punks. Denk dran, dass heut auf jedem Leiberl ein Totenschädel drauf ist.“ Ach ja, da hat er recht, dachte ich an mein auffälliges Schuhwerk, das er offensichtlich ganz übersehen hatte.

Herzbestattung: Hintergründe einer bizarren Habsburger-Tradition

Otto von Habsburg-Lothringen verfügte vor seinem Tod, sein Herz möge in Ungarn beigesetzt werden. Dass das Herz des verhinderten Kaisers zur Hälfte auch für Ungarn geschlagen hat, verwundert nicht, dass allerdings ein Mann des 20. und 21. Jahrhunderts die habsburgische Tradition der vom übrigen Leichnam getrennten „Herzbestattung“ ausdrücklich wünschte, darf heutzutage durchaus bizarr wirken, zumal sie aus thanatologischer Sicht zudem unnötig ist.

Das Herz des Menschen wurde seit Menschengedenken als zentrales und wichtiges Organ erkannt, welches nicht nur für das Leben und den Charakter steht, sondern symbolisch auch für die Liebe. Auf starke Emotionen reagiert auch das vegetative Nervensystem: „Herzklopfen“ ist ein typisches Symptom in emotional aufwühlenden Situationen und Zuständen. Wir spüren es, wenn wir unter Stress sind, wenn wir Angst haben, starke Trauer uns überschwemmt, aber eben auch, wenn wir verliebt sind. Das Konzil von Vienne entschied 1311 zwar, dass die Seele nicht nur im Herzen, sondern im ganzen Körper des Menschen beheimatet ist, dennoch fanden weiterhin Herzbestattungen statt und dieser Brauch erreichte sogar erst im 17. Jahrhundert seinen Höhepunkt.

Gibt es den Scheintod heute noch?

Mobiltelefone werden Verstorbenen häufig als Sargbeigabe mitgegeben. Das Handy im Sarg hat aber nicht den Zweck einer modernen Sargglocke zur Rettung von Scheintoten, sondern es ist ein Ausdruck des „In-Verbindung-Bleibens“ mit dem verstorbenen Menschen.

Die Angst vor dem Scheintod gibt es in der heutigen Bevölkerung allerdings tatsächlich noch, sie ist jedoch gänzlich unbegründet: Das moderne medizinische Knowhow im Zusammenwirken mit unserem Sprengelarzt-System verhindern es, dass Menschen zu früh zur Bestattung freigegeben werden.

Wenn ein Mensch verstorben ist, muss umgehend auch der Sprengelarzt verständigt werden und zwar auch dann, wenn ein Notarzt die Reanimationsmaßnahmen abbricht und den Tod feststellt. Der Sprengelarzt ist Kontrollorgan und hat die Aufgabe durch die Totenbeschau noch einmal zu überprüfen, ob der Tod sicher eingetreten ist und den Tod amtlich zu bescheinigen. Er gibt den Verstorbenen dann entweder zur Bestattung frei oder veranlasst – wenn erforderlich – eine Obduktion.

Pestilenz – Eine kleine Geschichte des Gestanks

Gestank wurde schon immer mit Krankheit, dem Bösen und dem Tod in Zusammenhang gebracht. Krankheiten – so glaubte man lange Zeit – werden durch Gestank verursacht und übertragen.  Seit der Antike bis zur Erforschung der Mikroorganismen um 1880 durch Luis Pasteur wurde den schlechten Gerüchen ein direkter Einfluß auf Gesundheit und Lebenserwartung zugeschrieben und „stinkende Orte“ wie Kloaken, Massengräber, Abortgruben, Sümpfe und Gase (Miasmen), die aus dem Erdinneren, „der Hölle“ oder dem Körper austraten, wurden als Ursachen für tödliche Krankheiten gesehen.

Zunächst vermutete man eine „atmosphärische Hybris“ – ein Ungleichgewicht in der Luft sozusagen – als Ursache für Krankheit. Lukrez (ca. 97-55 v. Chr.), beeinflusst von Hippokrates‘ Atmosphären­lehre und Epikurs Atomenlehre, nahm sogar an, dass die Luft Krankheits- und Todesatome enthalte, die, wenn sie an einer Stelle gehäuft auftreten, Leiden und Tod verursachen.

Nahtoderlebnisse durch Kohlendioxid

Slowenische Forscher der Universität Maribor glauben das Rätsel um Nahtoterfahrungen gelöst zu haben: Laut einer Studie, welche von Critical Care Medicine veröffentlicht wurde, ist die Ursache für diese Erlebnisse ein erhöhter Kohlendioxidgehalt (CO2) im Blut. – Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass eingeatmetes Kohlendioxid zu Halluzinationen führt.

Für die Untersuchung wurden 52 Herzinfarkt-Patienten in drei großen Kliniken herangezogen. Ungeachtet ihres unterschiedlichen Alters, Bildungsstandes und verschiedener religiöser Ansichten berichteten elf Probanden über das bekannte „Licht am Ende eines dunklen Tunnels“ oder das Verlassen des eigenen Körpers. Während man bei ihnen kein Absterben von Gehirnzellen feststellen konnte, – dies diente bislang als Erklärung für Nahtoterfahrungen – wurde eine erhöhte Kohlendioxid-Menge im Blut festgestellt. Nun soll geklärt werden, ob die höheren CO2-Werte auf den Herzstillstand selbst zurückzuführen sind oder nicht.

„RuheSoft“ – Software zur Berechnung der Verwesungsdauer

Osnabrück. Um die Verwesungsdauer von Leichen auf Friedhöfen besser berechnen zu können, entwickeln Forscher der Hochschule Osnabrück eine neue Software. Das Programm mit dem Namen „RuheSoft“ solle die Verwesungszeiten abhängig von den lokalen Gegebenheiten voraussagen, teilte die Hochschule mit. Damit könne die Friedhofsplanung erleichtert werden. In Deutschland werden Gräber in der Regel nach 25 Jahren …

Wenn der Tod den Kreißsaal betritt …

„Es läutet an der Kreißsaaltüre, die diensthabende Hebamme öffnet sie und vor ihr steht eine aufgeregte Frau mit ihrem Partner. Der Termin der Geburt ist sehr nahe, doch sie spürt ihr Kind nicht mehr. Schon kreisen die Gedanken der Hebamme, doch das lässt sie sich nicht anmerken und spricht dem Paar gut zu. Sie begleitet die werdenden Eltern in den Kreißsaal. Die Schwangere legt sich auf das Gebärbett zur CTG Kontrolle. Die Hebamme setzt den Herzstempel des CTG`s an. Doch man hört keine Herzschläge, die Hebamme sucht am ganzen Bauch. Die Spannung im Kreißsaal baut sich auf. Für die betreuende Hebamme ist es schon Gewissheit. Dieses Kind lebt nicht mehr. Zur Sicherheit wird ein Ultraschall gemacht, doch auch der Arzt findet keine Herzaktionen. Nun ist es die traurige Wahrheit, die in der Luft schwebt. Dieses Kind ist tot, noch bevor es die Möglichkeit hat, das Licht der Welt zu erblicken. Der Schock sitzt tief.“

Anna-Katharina Ertl ist Absolventin des Bachelor-Studienganges für Hebammen an der FH Gesundheit in Innsbruck und hat sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel „Wenn der Tod den Kreißsaal betritt“  ausführlich mit diesem Tabu-Thema auseinandergesetzt. Sie geht darin der Frage nach, welche Kompetenzen Hebammen benötigen, um Eltern in dieser Ausnahmesituation gut begleiten zu können und welche Selbstkompetenzen Hebammen brauchen, um mit Totgeburten selbst fertig zu werden.