Trauerarbeit

Online trauern – trauern ohne Schwellenängste

Wenn ich von unserem Trauerforum auf ASPETOS erzähle, dann reagieren Menschen unterschiedlich: Beim Thema „Internet“ scheiden sich auch hier die Geister. Es gibt die, die gleich begeistert sind von den Möglichkeiten und die Skeptiker, die gleich überall ein Problem oder eine Gefahr wittern – etwa, dass Leute keine „realen Kontakte“ mehr suchen und nur mehr online kommunizieren würden oder dass Menschen, die dauernd in einem Trauerforum hängen, auch in ihrer Trauer hängen bleiben.

Trauer – Wechsel der Gefühle

Liebe Leser und Leserinnen,

ich möchte euch gar nicht zutexten mit vielen Worten über diesen nicht enden wollenden Winter und das Übliche, das man in der Woche vor Ostern schreibt. Ich möchte einfach nur einen bewegenden Text zitieren, den unser Mitglied „schnee“ im Trauerforum geschrieben hat.

Es darf gelacht werden!

Fasching ist! Der hat eine wichtige Ventilfunktion – gerade in unserer christlich geprägten Welt, die ja durch mittelalterliches Erbe immer noch dazu neigt, das Leben als ein Jammertal zu sehen.

„Wir sind nur Gast auf Erden

und wandern ohne Ruh

mit mancherlei Beschwerden

der ewigen Heimat zu.

Die Wege sind verlassen,

und oft sind wir allein.

In diesen grauen Gassen,

will niemand bei uns sein,“

schallt es bei Trauerfeiern regelmäßig trist durch die kalten Gotteshäuser. Da ist so ein farbenfroher Fasching zwischendurch schon wichtig.

Tier und Mensch – Liebe überdauert den Tod

Das Verhältnis von Tier und Mensch ist ein ganz besonderes. Das eigene Haustier wird von vielen Menschen wie ein Familienmitglied, von einigen sogar als Partnerersatz behandelt. Der Hund wird in westlichen Gesellschaften gern als der beste Freund des Menschen verstanden. Katzen, Papageien, Meerschweinchen – sie aller erhalten in den meisten Fällen viel Zuneigung und geben auch einiges davon wieder zurück.

Die Trauerkultur im ständigen Wandel

Warum man heute Mut zur Trauer benötigt

Oft scheint es heute, dass Bestattung und Trauer eingespielte und funktionale Abläufe sind. Von aufwendigen Zeremonien wird häufig abgesehen und Bestattungen ohne Feier oder die sogenannten anonymen Begräbnisse gewinnen an Bedeutung, oft ohne die Konsequenzen zu bedenken. Diese haben meist jene Angehörigen zu tragen, die den Verstorbenen am nächsten sind. Nach dem Motto „The show must go on“ dreht sich die Welt rund um uns weiter, ohne dass wir je wirklich Abschied nehmen konnten.

Allerheiligen und Allerseelen – Gemeinsam trauern ohne Zeitvorgabe

Das ASPETOS Team ist auch während der Feiertage für BesucherInnen da

An Allerheiligen und Allerseelen, die jedes Jahr am 1. und 2. November begangen werden, gedenken die Menschen der Verstorbenen. Viele besuchen die Gräber ihrer Ahnen, legen Blumen ab und zünden Kerzen an, um die Erinnerung an geliebte Personen, die von ihnen gegangen sind, wachzuhalten.

Gleichzeitig spendet das Anzünden von Kerzen in der Gemeinschaft – etwa auf dem Friedhof – Trost. Die Menschen wissen, dass sie an diesen Tagen mit ihrer Trauer nicht allein sind. Das Licht erzeugt ein Gefühl der Verbundenheit mit geliebten Menschen und ein Gefühl des inneren Friedens.

Rezepte gegen das Sommerloch in der Trauer

Für Trauernde stellt oft der Sommer ein kaum zu füllendes Loch dar. Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen sind im Urlaub und in der eigenen Freizeit merkt man noch deutlicher als sonst, wenn jemand fehlt. Eisamkeit stellt sich ein. Außerdem neigt man im Urlaub dazu, geregelte Tagesstrukturen zu lockern oder aufzulösen. Diese Tage lösen Angst aus und Betroffene haben oft keine Strategien parat, wie sie diese Zeit gestalten können. Es gibt auch kein Patentrezept für diese Tage, die Bewältigungsstrategien sind abhängig vom Sterbefall, vom jeweiligen sozialen Umfeld und natürlich vom Trauernden selbst.

Kondolieren per SMS – pietätlos?

Wenn ein Verwandter oder guter Bekannter stirbt, trifft uns die Nachricht über seinen oder ihren Tod meist ziemlich unvorbereitet. Entweder lesen wir eine Traueranzeige in der Zeitung, bekommen einen Anruf, in dem man uns über das Ableben der Person informiert, oder wir erfahren die traurige Nachricht durch Zufall – etwa in einem Gespräch.

Heutzutage kommt es außerdem immer öfter vor, dass Todesfälle im Freundes- oder Bekanntenkreis über soziale Netzwerke – wie Facebook – kommuniziert werden. Aber ist das alles nicht ziemlich pietätlos? Auch E-Mail oder SMS, mit denen uns eine solche Nachricht überbracht wird, fühlen sich irgendwie falsch an. Der Bestattermeister Karl Albert Denk sagt: Nein! „Traditionen und Rituale ändern sich“, betont Denk im Interview mit Jetzt.de. Und weiter: „Trauerbewältigung im Web 2.0 ist absolute Geschmackssache“. Denk selbst allerdings würde die Nachricht über den Tod eines geliebten Menschen nicht via Facebook mitteilen.

Neues Facebook-App: „Wenn ich sterbe“

„If I die“  – what will you leave behind?

„Letzte Worte – wir alle hoffen, dass wir die Gelegenheit haben, sie zu sagen. Aber da wir ja normalerweise nicht wissen, wann, wie oder wo wir sterben, ist das ein bisschen schwierig.“ Mit diesen Worten erklärt eine fröhliche Männerstimme den Sinn eines neuen Facebook-Apps: Mit kann man seine letzten Worte aufnehmen und hinterlassen. Diese Nachricht wird erst nach dem eigenen Tod veröffentlicht.

ASPETOS bei ATV: „Jederzeit online trauern“ 650.000 Besucher im Monat zeigen Potenzial der Trauerplattform

In einer Gesellschaft, in der der Tod verleugnet und das Trauern als Schwäche ausgelegt werden, brauchen Menschen, die den Verlust eines geliebten Angehörigen oder Freundes verarbeiten müssen, eine Möglichkeit, ihre Trauer abseits des Alltags ausleben zu können. Die Trauerplattform ASPETOS ermöglicht es ihren Mitgliedern, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu kommen und bei Bedarf professionelle Unterstützung zu bekommen.