Trauerarbeit

Trauer ist nicht durchwegs schwarz – Buntes Programm einer Trauergruppe

Mit einer Gruppe von trauernden Eltern in den Weihnachtsfeiertagen zum „Krippen-Schauen“ zu gehen, das hätten wir uns noch vor 3 Jahren nicht getraut. Mittelpunkt einer Weihnachtskrippe ist ja immerhin ein Kind. Um dieses Christkind geht es die ganze Weihnachtszeit und gerade für Eltern, die ein Kind verloren haben, ist die Weihnachtszeit natürlich eine besonders sensible und schmerzhafte Zeit im Jahr.

Mittlerweile gibt es unsere „Gruppe für trauernde Eltern nach Unfall, Suizid und Krankheit“ seit drei Jahren und wir sind  inzwischen ein eingeschweißtes Team aus betroffenen Eltern, deren Verlust unterschiedlich lange zurück liegt, und zwei Trauer-Fachfrauen.

Was in einer Trauergruppe alles geschieht, wie die Treffen von Trauernden ablaufen, ist für viele Menschen nur schwer vorstellbar beziehungsweise wird mit falschen Vorstellungen verknüpft. Klar gibt es Tränen, aber eben nicht nur. Es ist ein vielfältiges, ja geradezu buntes Programm, auf das wir am Ende eines gemeinsamen Jahre zurückblicken können, denn es gestaltet sich nach den Themen des Jahreskreises und nach den vielfältigen unterschiedlichen Bedürfnissen der betroffenen Eltern.

Der Heilige Abend – alleine, aber nicht einsam

Die meisten Österreicher feiern den Heiligen Abend im Kreis von 4 bis 6 Personen. 6 Prozent feiern zu zweit.  4 Prozent sind allerdings alleine. Und wer alleine ist, fühlt sich meist einsam. 4 Prozent – das sind rund 265.000 Menschen.

Darunter sind viele Menschen, die vor einem oder zwei Jahren noch zu jenen 6 Prozent gehört haben, die am Weihnachtsabend immerhin zu zweit waren. Dann plötzlich stirbt dieses letzte Familienmitglied, der Partner, die Partnerin beziehungsweise einfach jener Mensch, der für das eigene Leben und das „Fest der Liebe und Familie“ wichtig war. Und dann ist man plötzlich alleine.

Die Dunkelheit der Jahreszeit, das mangelnde Licht macht Trauernden das Leben um Weihnachten zusätzlich schwer. Trauernde ziehen sich oft noch mehr zurück in die Isolation, weil sie Weihnachten ausblenden wollen, um dem Trauerschmerz, der an Weihnachten besonders stark wird, auszuweichen und dadurch das Einsamkeitsgefühl zu reduzieren. Ein völliger Rückzug kann aber fatal sein, weil sich depressive Verstimmungen, Depressionen oder Angststörungen dadurch unter Umständen verstärken.

ASPETOS Weihnachtsbrief

Liebe ASPETOS-Mitglieder und Freunde!

Schon wieder steht Weihnachten vor der Tür. Geht man durch die Straßen, Kaufhäuser und Christkindl-Märkte, dann herrscht die typisch hektische Stimmung unter der Beschallung von weihnachtlicher Musik, die uns zwingen will, fröhlich zu sein, fröhliche Weihnachten vorzubereiten und fröhliche Weihnachten zu wünschen. Fröhliche Menschentrauben bilden sich vor Ständen, die Glühwein- und Gebackenes feilbieten. Jedes Jahr scheint es einen Markt mehr zu geben, weil der Andrang so groß ist. Alle Welt scheint sich auf den Weihnachtsmärkten zu versammeln. Alle Welt?

Männer trauern anders, aber nicht minder tief!

„Männer tun sich mit Gefühlen schwer.“ Das ist eine weit verbreitete Auffassung, so sehen auch wir Frauen die Männer. „Die Männer“ – das sind unsere Partner, unsere Arbeitskollegen und Freunde. Männer und Frauen haben grundsätzlich die selben Gefühle, denn Gefühle sind dem Menschen angeborene lebensnotwendige psychische Kräfte:

Angst warnt und schützt uns. Aggression zeigt, dass wir ein Bedürfnis oder einen Wunsch haben, dem wir nachkommen müssen, dass wir uns wieder wohl fühlen. Trauer macht einen Verlust bewusst und fördert die Bewältigung dieses Verlustes. Wenn wir Trauer zum Ausdruck bringen und uns mit ihr auseinandersetzen, dann findet Bewältigung statt. Etc.

Jedes Gefühl ist an sich gut und hat seine spezifische Funktion für unser Leben.

Neue ASPETOS Allerseelen-Kerzen

Anzünden, gedenken und helfen

Kerzen sichern kostenfreie Dienste und unterstützen Familien in Not

Zu Allerheiligen, am 1. November und Allerseelen, am 2. November gedenken viele Menschen ihrer Verstorbenen, besuchen deren Gräber, legen Blumen ab und zünden Kerzen an. Auch auf unserem Trauerportal ASPETOS kann man der Toten gedenken.

In diesem Jahr haben wir unsere virtuellen Kerzen überarbeitet und stellen nun eine ganze Palette an wunderschönen Jahreskerzen zur Verfügung. Auch die kostenfreie Wochenkerze wurde ganz neu und mit viel Liebe gestaltet. Wir hoffen, Sie finden Gefallen und bitten Sie zumindest einmal im Jahr auch eine der kostenpflichtigen Kerzen zu entzünden. Denn dadurch unterstützen Sie nicht nur österreichische Familien, die durch einen Todesfall in Not geraten sind, sondern Sie helfen uns auch bei der Finanzierung und Weiterentwicklung von ASPETOS.

Erinnerungsstücke – eine Allerseelengeschichte

Bei Burattis ist es urgemütlich, das war mein erster Eindruck. Ich konnte es aber erst nicht so recht festmachen, denn urgemütlich heißt in Tirol ja meist, „eingerichtet im Landhausstil“ oder wie man das nennt. Das ist es aber nicht. Es ist anders gemütlich. Freundlich empfangen mich Evi und Sonja, auf dem Küchentisch mit Blick in den Garten wird Platz gemacht und im Laufe des Abends erfahre ich dann auch, warum es „anders gemütlich“ ist. Evi Buratti haben es die amerikanischen Autos angetan und auch der Rest der Familie scheint ein wenig US-verliebt zu sein. Der „Rest der Familie“ sind die 31jährige Sonja und der 34jährige Gerhard. Evi, die Mutter der beiden, ist 59 Jahre alt und seit August Witwe.

Ihr Hobby will Evi deshalb nicht aufgeben: Sie besitzt einen Cadillac in grün, und einen Buick in dunkelblau als Alltagsfahrzeug. Nicht nur die Ami-Schlitten, sondern auch Country-Musik spielt in der Familie eine Rolle, hat doch der verstorbene Leopold Buratti – von allen Putzi genannt – als Bordmechaniker von Evi fungiert und außerdem Banjo und Gitarre gespielt und das in jungen Jahren sogar in einer Band. Einige seiner Gitarren hängen noch an der Wand über dem Sofa. Und jetzt fällt‘s mir also ein, es ist alles ein bissl wie auf einer Ranch, zumindest könnte ich mir vorstellen, dass es auf einer Ranch so aussieht.

Vorsicht Familie! Familiäre Trauerprobleme

Familie als Auffangnetz – Familie als Konfliktpotential

Unmittelbar nach einem Todesfall rücken Familienmitglieder in der Regel eng zusammen und versprechen füreinander da zu sein. Das Gefühl der Verbundenheit und Harmonie ist gerade in der ersten Zeit wichtig und tröstend. Sehr häufig entstehen aber auch große, teilweise überhöhte Erwartungen an „die Familie“ als Ganzes. Rasch zeigt sich nämlich, dass die einzelnen Familienmitglieder unterschiedlich trauern und auch verschiedene Strategien in der Trauerbewältigung entwickeln.

Auf die anfängliche, Trost spendende Harmonie folgen Enttäuschungen, Unverständnis, Verletzungen und Konflikte. Streitigkeiten oder ungesundes Schweigen vergiften das Familien-Klima nach und nach: Man spricht nicht mehr darüber, um sich gegenseitig nicht zu verletzen. Man weicht Konflikten aus und schlussendlich bleiben die einzelnen Familienmitglieder mit ihrem Schmerz alleine. Die Familie, die eigentlich Auffangnetz sein sollte, entwickelt sich zu einem kränkenden Gefüge: Aus dem Miteinander entsteht Einsamkeit oder sogar ein Gegeneinander.

Trauern früher und heute: Familie, Kirche, Dorf

 „Früher wurden Trauernde von der Familie, von der Dorfgemeinschaft und von der Kirche aufgefangen – heute fühlen sich immer mehr Menschen in ihrer Trauer alleingelassen“, wird oft behauptet.

Ob Trauernden früher tatsächlich so viel besser von ihren Familien aufgefangen wurden?

Menschen weichen Trauernden grundsätzlich gerne aus, diese sind nämlich anstrengend: Es geht ihnen nicht gut, sie erzählen immer dieselben Geschichten von ihren Verstorbenen, sie verklären ihre Verstorbenen nicht selten … und viele Menschen wissen einfach nicht, wie sie sich Trauernden gegenüber verhalten sollen. Diese Unsicherheit erzeugt Angst und Sprachlosigkeit und dann weicht man eben aus. Das war früher nicht anders!

Das Trauerjahr war außerdem mit strengen Regeln verbunden und erzeugte großen moralischen Druck und gesellschaftliche Erwartungen, die mit den Bedürfnissen des einzelnen selten übereinstimmten. Da der Trauernde aber eingebunden war in Großfamilie, Religions- und Dorfgemeinschaft ist die Vereinsamung, die wir heute feststellen, nicht so krass aufgefallen. Tatsache ist aber: Man kann auch in einer Gemeinschaft einsam und Außenseiter sein. Die strengen moralischen Vorschriften, die es im Trauerjahr gab und die Sprachlosigkeit waren guter Nährboden für Vereinsamung in der Gemeinschaft.

Trauern früher und heute: Das Trauerjahr

„Die Gesellschaft gesteht heute immer kürzere Trauerzeiten zu und verlangt schnellstmöglich wieder zu funktionieren“, wird oft festgestellt. Und das stimmt auch. Dieser Wahrnehmung wird häufig die „gute alte Zeit, in der alles besser war„, gegenübergestellt, denn da gab es das „Trauerjahr“, ein Jahr das den Trauernden schützen sollte.

Das „Trauerjahr“ ist auf die Römische Rechtssprechung zurückzuführen und war die Frist, innerhalb deren eine Witwe nicht wieder heiraten durfte. In Deutschland galt nach dem alten Bürgerlichen Gesetzbuch eine Frist von 10 Monaten. Ausnahmen waren möglich, wenn die Witwe durch die Untersuchung einer Hebamme nachweisen konnte, dass sie vom verstorbenen Ehemann nicht schwanger war. Das österreichische Allgemeine bürgerliches Gesetzbuch beschränkte die Frist auf sechs Monate für die nichtschwangere Witwe. Das Frist konnte aber sogar auf drei Monate gekürzt werden, allerdings musste die Witwe dann auf einen eventuellen „Ehegewinn“ aus der früheren Ehe verzichten: Witwen erhielten nämlich nach dem Ableben ihres im Staatsdienst befindlichen Gatten noch ein weiteres Jahr dessen Bezüge.

Trauma-Arbeit nach Terror in Norwegen

Immer mehr schreckliche Details wurden in den vergangenen Tagen nach dem Terrorakt von Anders Breivik in Norwegen bekannt. Die sogenannte „Akutphase“ ist vorbei, Norwegen und der Rest der Welt befinden sich im Spannungsfeld zwischen „Reaktionsphase“ und „Bearbeitungsphase“ nach dieser Katastrophe. Der Weg zurück in den Alltag und eine „neue Normalität“ hat begonnen.

Da Terrorakte immer das Ziel haben, eine möglichst große Anzahl von Menschen zu schädigen, bedrohen sie die psychische Stabilität einer großen Gruppe von Menschen, einer Region oder – wie im aktuellen Fall – eines ganzen Landes. Nicht nur unmittelbar Betroffene – also  überlebende Zeugen und Angehörige – reagieren mit Belastungsreaktionen, sondern auch an sich unbeteiligte Personen, da durch diesen – ohne Vorwarnung in eine „heile Welt“ hereinbrechenden – Gewaltakt unser Sicherheitsgefühl stark beeinträchtigt wird. Die Annahme „Terror gibt es nur in fremden Ländern, weit weg von uns, wir hier sind sicher“, entpuppt sich als Illusion. Das Entscheidende an einer Traumatisierung nach einer solchen Katastrophe ist der Verlust der Sicherheit, es kommt zum Gefühl von Hilflosigkeit und zu einer existentiellen Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses.