Traueranzeige von
Artur Brauner

01.08.1918 - † 07.07.2019
Traueranzeige von Artur Brauner
Von © JCS, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38414927

Der deutsche Filmproduzent mit polnischen Wurzeln war in seiner langen Laufbahn für mehr als 300 Filme verantwortlich, darunter „Der brave Soldat Schwejk“ mit Heinz Rühmann, einige Karl-May-Romanverfilmungen und die „Dr. Mabuse“-Reihe der 1960er-Jahre. Das persönliche Lebensthema von Artur Brauner waren stets Leinwandproduktionen, die sich mit der NS-Zeit auseinandersetzten, wie z.B. „Die weiße Rose“ (1982). Für „Hitlerjunge Salomon“ wurde er 1992 mit dem Golden Globe als bester nichtenglischsprachiger Film ausgezeichnet. Zwanzig Jahre zuvor hatte der Produzent seinen einzigen Oscar geholt, für „Der Garten der Finzi Contini“ als bester fremdsprachiger Film.

Artur Brauner und seine jüdische Familie wurden von den Nazis während der Besetzung Polens verfolgt. Während viele Verwandte im KZ starben, schaffte er es damals, in der Sowjetunion unterzutauchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Brauner nach West-Berlin und gründete die Central Cinema Compagnie (CCC-Film). 1949 baute er seine eigenen Studios in Berlin-Haselhorst auf, wo im Laufe der Jahre über 500 Filme entstanden. In den 1950er- und 60er-Jahren setzte Brauner vor allem auf Unterhaltungsfilme, die dem damaligen Publikumsgeschmack entsprachen, wie z.B. die Karl-May-Filme „Durchs wilde Kurdistan“, „Im Reiche des silbernen Löwen“ oder „Old Shatterhand“.

Das Anfang der 1970er-Jahre in Deutschland einsetzende Kinosterben traf die CCC-Studios empfindlich. Auch der Publikumsgeschmack hatte sich gewandelt, woraufhin Brauners Filmproduktion in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Eine neue Strategie war gefragt. Artur Brauner setzte auch aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen zusehends auf Filme, die sich mit dem NS-Regime auseinandersetzten. Im Mittelpunkt standen dabei häufig Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, z.B. in „Die weiße Rose“, „Eine Liebe in Deutschland“ und „Hitlerjunge Salomon“.

Artur Brauner engagierte sich auch gesellschaftlich und gründete 1991 eine nach ihm benannte Stiftung. Die Organisation fördert die Verständigung zwischen Juden und Christen sowie die Toleranz zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturkreise, Hautfarben und gesellschaftlicher Herkunft. Sie unterstützt Filmproduzenten, die sich diesen Themen widmen, mit dem jährlich vergebenen Artur-Brauner-Filmpreis in Höhe von 25.000 Euro.

Privat war Artur Brauner seit 1946 mit seiner Ehefrau Maria verheiratet, bis diese im August 2017 verstarb. Nach einem Schwächeanfall Anfang Juli traf auch Artur Brauner dieses Schicksal im hohen Alter von 100 Jahren, nur knapp vier Wochen vor seinem 101. Geburtstag.  

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Artur Brauner erstellt und ist dem Filmproduzenten vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.