Traueranzeige von
Hans-Jochen Vogel

03.02.1926 - † 26.07.2020
Traueranzeige von Hans-Jochen Vogel
Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F079283-0006 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5472687

Der deutsche Politiker war über viele Jahre einer der führenden Köpfe der SPD und hatte über Parteigrenzen hinweg den gesellschaftlichen Nimbus einer moralischen Instanz. Hans-Jochen Vogel trug in seinem Amt als Oberbürgermeister von München entscheidend dazu bei, dass die Olympischen Spiele 1972 in Deutschland stattfanden. Nach diesem Großereignis bekleidete er in seiner langen politischen Laufbahn noch viele unterschiedliche Ämter.

Mit nur 34 Jahren wurde Hans-Jochen Vogel im Frühjahr 1960 in München als jüngster Oberbürgermeister einer europäischen Millionenstadt ins Amt gewählt. In seine Ära fielen die Planungen für eine Fußgängerzone und für die Schaffung eines S- und U-Bahn-Netzes. Am meisten Strahlkraft nach außen entwickelte jedoch sein Engagement für Olympische Spiele in München – ein Traum, der 1966 bei der entscheidenden Tagung des IOC in Rom in Erfüllung ging. Als schließlich die Sommerspiele im August und September 1972 stattfanden, war nicht mehr Vogel Oberbürgermeister, sondern Georg Kronawitter. Hans-Jochen Vogel verfolgte die Spiele, die auch wegen des Attentats auf israelische Sportler in die Geschichte eingingen, als Zuschauer und Vizepräsident des Organisationskomitees.

1972 wechselte Hans-Jochen Vogel in die Bundespolitik und wurde als bayerischer Landesvorsitzender in das SPD-Präsidium gewählt. Nach der Bundestagswahl 1972 bekleidete er das Amt des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau im zweiten Kabinett Brandt. Nach dem Rücktritt Willy Brandts und der Wahl Helmut Schmidts zum Bundeskanzler übernahm Vogel im Mai 1974 das Amt des Bundesjustizministers. Anfang der 1980er Jahre kehrte nochmals kurzzeitig in die Lokalpolitik zurück und wurde interimsweise für vier Monate Regierender Bürgermeister von Berlin. Vogel ist somit der einzige deutsche Politiker, der in zwei Millionenstädten Stadtoberhaupt war.

Bei der Bundestagswahl 1983 trat Hans-Jochen Vogel als Kanzlerkandidat der SPD an, unterlag jedoch gegen Helmut Kohl. Nach der verlorenen Wahl wurde er Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion für insgesamt acht Jahre. Auch 1987 war es eine verlorene Bundestagswahl, die Bewegung in Vogels Laufbahn brachte: So übernahm er das Amt des SPD-Bundesvorsitzenden von Vorgänger Willy Brandt. Diese Position hatte er bis November 1991 inne. Bis 1994 blieb Vogel schließlich noch als Bundestagsabgeordeter in Berlin, seine aktive politische Laufbahn neigte sich damit aber dem Ende entgegen.

Privat war Hans-Jochen Vogel zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe gingen drei Kinder hervor. 2015 machte der Politiker seine Parkinson-Erkrankung öffentlich. Er lebte zuletzt mit seiner zweiten Ehefrau in München in einer Seniorenresidenz. Vogel starb am 26. Juli 2020 im Alter von 94 Jahren.

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Hans-Jochen Vogel erstellt und ist dem Politiker vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.