Traueranzeige von
Karl Jaspers

23.02.1883 - † 26.02.1969
Traueranzeige von Karl Jaspers
Foto: Von Unknown (Mondadori Publishers) - http://www.gettyimages.co.uk/search/2/image?phrase=Karl%20Jaspers%20%20mondadori&family=editorial&sort=best&page=1&excludenudity=false, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41222980

Der deutsche Psychiater und Philosoph hat als Arzt grundlegend zur wissenschaftlichen Entwicklung der Psychiatrie beigetragen. Karl Jaspers war unter den ersten deutschen Psychiatern des 20. Jahrhunderts, die die philosophischen Vorannahmen ihrer Disziplin untersuchten und reflektierten. Er gilt auch als herausragender Vertreter der Existenzphilosophie, die er vom Existentialismus Jean-Paul Sartres strikt unterschied. Mit seinen einführenden Schriften zur Philosophie, aber auch mit seinen Schriften zu politischen Fragen wie zur Atombombe, zur Demokratieentwicklung in Deutschland und zur Wiedervereinigung hat er hohe Auflagen erreicht und ist einem breiteren Publikum bekannt geworden.

Jaspers nahm 1902 in Berlin zunächst ein Medizinstudium auf, das er ab 1903 in Göttingen und ab 1906 in Heidelberg weiterführte. Hier wurde er 1908 bei Franz Nissl promoviert, dem Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik, der ihn nach seiner Approbation als Volontärassistent auch weiterbeschäftigte. In dieser Phase lernte Jaspers auch den Soziologen und Ökonomen Max Weber kennen.

Im Dezember 1913 legte Jaspers als gerade Dreißigjähriger mit Unterstützung von Nissl und Weber an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg sein Lehrbuch der „Allgemeinen Psychopathologie“ als Habilitationsschrift vor und konnte sich im Fach Psychologie habilitieren. Mit dieser Schrift hinterließ Jaspers bei seinem Wechsel in die Philosophie der Psychiatrie ein bis heute richtungweisendes Werk, das in der Fachwelt umgehend große Anerkennung fand. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Jaspers Professor in Heidelberg und konzentrierte sich Jaspers auf eine intensive und tiefe Einarbeitung in die Geschichte und Systematik der Philosophie. Zunächst las er über die großen Philosophen und begann ab 1927 mit der Ausarbeitung seines dreibändigen Hauptwerks „Grundriss der Philosophie“.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 erwartete Jaspers von der nationalsozialistischen Bewegung eine Erneuerung der Universität. Mit dem Freiburger Philosophen Martin Heidegger (Mitglied der NSDAP) glaubte er sich in einer Art Kampfgemeinschaft gegen den „Niedergang der Universität“. Zugleich ware er aber mit Gertrud Mayer, einer orthodoxen Deutsch-Jüdin verheiratet. Diese Diskrepanz prägte die 1930er-Jahre für Jaspers. Von den 1933 eingeleiteten Maßnahmen der nationalsozialistischen Machthaber zur Gleichschaltung der Universitäten in Deutschland war Jaspers trotz seiner jüdischen ehelichen Verbindung zunächst kaum betroffen. Da er jedoch nicht bereit war, sich von seiner Frau zu trennen, wurde er Ende September 1937 in den Ruhestand versetzt und ab 1938 mit Publikationsverbot belegt. Mehrere Male dachte er in der Folge an Emigration, blieb aber letztlich bis Kriegsende in Deutschland.

Nach 1945 war Jaspers einer der profiliertesten Wissenschaftler, die zur Neubegründung und Wiedereröffnung der Universität Heidelberg beitrugen. 1948 wechselte er nach Basel. Zwanzig Jahfre nahm er als Reaktion auf die Wahl des ehemaligen NSDAP-Mitglieds Kurt Georg Kiesinger zum deutschen Bundeskanzler sowie die Verabschiedung der Notstandsgesetze 1968 die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Er gab weiterhin immer wieder stark beachtete Stellungnahmen zu Zeitfragen wie auch zu wissenschaftlichen Themen, beispielsweise zur Psychoanalyse, ab. Karl Jaspers starb drei Tage nach seinem 86. Geburtstag, am 26. Februar 1969 in Basel und wurde auf dem Friedhof am Hörnli begraben.


Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des 49. Todestages von Karl Jaspers erstellt und ist dem Philosophen und Psychiater vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.