Traueranzeige von
Kurt Georg Kiesinger

06.04.1904 - † 09.03.1988
Traueranzeige von Kurt Georg Kiesinger
Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F024017-0001 / Gathmann, Jens / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5453367

Kurt Georg Kiesinger war ein deutscher Politiker und von 1966 bis 1969 dritter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde am 06. April 1904 in Albstadt-Ebingen als Sohn von Christian und Domenika Kiesinger geboren. Im späteren Leben bezeichnete er sich gerne als "evangelischen Katholiken", weil sein Vater evangelisch war, seine Mutter katholisch getauft wurde und er deshalb von beiden Konfessionen beeinflusst wurde.

Im Jahr 1925 fing er an, Geschichte und Philosophie an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen zu studieren, im Jahr darauf wechselte er aber zur Uni in Berlin, wo er Rechts- und Staatswissenschaften studierte. An beiden Universitäten war er Mitglied einer Studentenverbindung. Nach Abschluss seines Studiums und seiner Doktorarbeit 1931, arbeitete Kiesinger in Berlin als Rechtsanwalt.

1933 trat Kiesinger der NSDAP bei, die Gefährlichkeit dieser Partei wurde ihm aber wahrscheinlich erst nach den politischen Morden innerhalb des Röhm-Putsches 1934 bewusst. Das war wohl auch der Grund warum er sich aus Nationalsozialistischen Bunden und Staatsdiensten fern hielt. Er bevorzugte die Arbeit als Rechtsanwalt und Repetitor.

Um den Dienst an der Waffe zu entgehen, entschied er 1940 eine Stelle im Reichsaußenministerium anzunehmen. Hier war er stellvertretender Leiter der "Rundfunkpolitischen Abteilung", wo es seine Aufgabe war, den ausländischen Rundfunk zu überwachen und zu beeinflussen. Kiesinger war bis 1945 Mitglied der NSDAP. In den nächsten Jahren wurde Kiesinger kritisiert (die Kritik hält bis heute an), der Machtergreifung der Nationalsozialisten zugestimmt zu haben und diese durch seine Karriere als Staatsdiener unterstützt zu haben. Kiesingers "Rechtfertigung" war, dass er die Ziele der NSDAP wie das Ende wirtschaftlicher Not nicht als verwerflich angesehen habe und dass er den Judenhass nicht geteilt habe. Ein Protokoll der SS, das 1966 auftauchte, spiegelte auch wieder, dass Kiesinger Aktionen gegen Juden, während seiner Tätigkeit im Reichsaußenministerium, gehemmt und verhindert hatte.

Da Kiesinger mit einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienst Reichsführer-SS verwechselt wurde, musste er die Jahre 1945 und 1946 in Haft verbringen. Durch ein Schwurkammergericht wurde er 1948 all seiner Anschuldigungen bezüglich seiner NSDAP-Vergangenheit entlastet. Nach dem Freispruch war er wieder als Rechtsanwalt tätig.

Ab 1949 kam Kiesingers politische Karriere ins Rollen, er war von 1949-1959 und von 1969-1980 Mitglied des Deutschen Bundestags. Während den ersten Legislaturperioden in seinem Wahlkreis erreichte er Rekordergebnisse von über 70%. Von 1954-1959 war er Vorsitzender des Bundestagsausschusses für auswärtige Angelegenheiten.

Schon bald wurde Kiesinger "Häuptling Silberzunge" genannt, diesen Spitznamen verdankt er seiner hohen Wortgewandtheit. Als Unterstützer Adenauers nahm er an vielen Redeschlachten um die Außenpolitik Adenauers teil. Da Adenauer ihn nicht zum Minister ernannte, war das ein Grund für Kiesinger 1958 nach Stuttgart zu gehen, als Ministerpräsident.

Zwischen 1954 und 1959 war er u.a. Mitglied des Europaparlaments, Vorsitzender der EVP-Fraktion und Ministerpräsident von Baden-Württemberg (sogar bis 1966). Bis 1960 war Kiesinger Leiter einer Koalition aus CDU, SPD, FDP/DVP und BHE, von 1960 bis 1966 Leiter einer CDU-FDP-Koalition. Als er zusammen mit der SPD eine große Koalition bildete, wurde er am 1.Dezember 1966 zum Bundeskanzler ernannt. Nicht immer lief intern alles reibungslos ab, aber Kiesinger schaffte es trotzdem alle angekündigten und versprochenen Vorhaben (Notstandsgesetze, BAföG...) in seiner Amtszeit umzusetzen.

Aufgrund der Wahlergebnisse 1969 konnte die SPD zusammen mit der FDP eine Koalition bilden. Jeder Versuch Kiesingers, die FDP von diesem Zusammenschluss abzuhalten schlug fehl, schließlich kündigte er an, dass die CDU versuche, die FDP aus den Landtagen zu verdrängen. Damit schädigte er sein Ansehen erheblich und die CDU musste erstmals in die Opposition. Bis 1971 blieb Kiesinger CDU Bundesvorsitzender. Nach der achten Legislaturperiode zog sich Kiesinger aus der Politik zurück. Danach wollte er seine Memoiren verfassen, davon wurde aber nur der erste Teil, welcher sich mit der Zeit bis 1958 beschäftige, fertig.

Kurt Georg Kiesinger starb am 9. März 1988 in Tübingen, hier wurde er auch begraben.

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des 29. Todestages von Kurt Georg Kiesinger erstellt und ist dem Politiker vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.