Traueranzeige von
Mimi Reinhardt

15.01.1915 - † 08.04.2022
Traueranzeige von Mimi Reinhardt
Foto: privat

Die österreichische Sekretärin jüdischen Glaubens arbeitete für den Industriellen Oskar Schindler und tippte u.a. auf einer Schreibmaschine die berühmt gewordene “Liste der Schindlerjuden”, die etwa 1200 Menschen jüdischen Glaubens im Zweiten Weltkrieg das Leben rettete. Carmen “Mimi” Reinhardt wurde indirekt durch Steven Spielbergs Film “Schindlers Liste” aus dem Jahr 1993 bekannt, obwohl sie in der Romanverfilmung keine explizite Rolle spielt. Sie wurde allerdings von Steven Spielberg zur Filmpremiere eingeladen, schaffte es jedoch nicht daran teilzunehmen, weil sie die Erinnerungen an damals zu sehr aufwühlten. Erst Jahre später konnte sie sich den Film ansehen. 

Mimi Reinhardt wurde am 15. Januar 1915 als Carmen Koppel in Wien geboren. Als Jüdin war sie vor und während der Zweiten Weltkrieges selber von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten betroffen. Sie war im Krakauer Ghetto und im KZ Plaszow, wo sie wegen ihrer guten Stenografiekenntnisse in der Lagerverwaltung arbeiten konnte. Dort lernte sie auch den deutsch-mährischen Industriellen Oskar Schindler kennen, von dem sie bereits wusste, dass er seine jüdischen Arbeiter gut behandelte. So wurde sie die Sekretärin Schindlers. Nachdem Schindler den SS-Lagerkommandanten um weitere Arbeiter gebeten hatte, begann sie die später berühmt gewordene Liste auf einer Schreibmaschine zu schreiben. Die jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Liste sollten im Herbst 1944 ins KZ-Außenlager Brünnwitz verlegt werden, kamen jedoch zunächst nach Auschwitz. Schindler intervenierte daraufhin und schaffte es, “seine” 1200 Juden zu seiner Produktionsstätte nach Brünnwitz zu bekommen. Dort überlebten sie dank seiner Hilfe bis zur Befreiung im Mai 1945. 

Mimi Reinhardt fand nach dem Krieg ihren Sohn in Ungarn und zog mit ihm nach Marokko. Dort lernte sie ihren zweiten Ehemann, den Hoteldirektor Albert Reinhardt, kennen und heiratete ihn. 1957 zog die Familie in die Vereinigten Staaten nach New York. Mimi Reinhardt wanderte 50 Jahre später im Alter von 92 Jahren nach Israel aus, wo ihr Sohn inzwischen lebte. In der Stadt Herzlia bei Tel Aviv starb die Holocaust-Überlebende am 8. April 2022 im hohen Alter von 107 Jahren in einem Seniorenheim.

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Mimi Reinhardt erstellt und ist der Holocaust-Überlebenden vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.