Traueranzeige von
Pierre Brice

06.02.1929 - † 06.06.2015
Traueranzeige von Pierre Brice
Foto: Elke Wetzig - Eigenes Werk. Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1657641

Der französische Schauspieler hatte eine Paraderolle, die ihn im deutschsprachigen Raum berühmt machte: die des Winnetou in der Karl-May-Verfilmungen der 1960er-Jahre. Später verkörperte Pierre Brice, der eigentlich Pierre Louis Baron Le Bris hieß, den Indianerhäuptling auch auf deutschen Freilichtbühnen höchst erfolgreich.

Der Durchbruch als Schauspieler gelang Pierre Brice 1962 mit dem spanischen Film „Los Atracadores“, für den er bei den Berliner Filmfestspielen als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde. In den Festivaltagen lernte er den deutschen Filmproduzenten Horst Wendlandt kennen, der ihm kurz darauf die Rolle des Apachen-Häuptlings Winnetou in seiner Karl-May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee“ anbot.

Von 1962 bis 1968 spielte Brice die Rolle in insgesamt elf Karl-May-Filmen, siebenmal an der Seite des US-Amerikaners Lex Barker, mit dem er später auch eng befreundet war. Drei Filme drehte er mit Stewart Granger und einen mit Rod Cameron. Dies machte ihn in Deutschland zum Star. Zu seinem Kultstatus trug die Jugendzeitschrift  „Bravo“ mit ihrer regelmäßigen Berichterstattung von den Dreharbeiten zu jedem Film wesentlich bei. Pierre Brice in der Figur des Winnetou wurde damals zum Idol einer ganzen Generation und bekam von der Zeitschrift ein Dutzend „Otto“-Auszeichnungen. Darüber hinaus erhielt er auch fünf „Bambis“.

Nach der Erfolgswelle mit den Karl-May-Verfilmungen war es eher schwer für Brice, mit anderen Rollen Fuß zu fassen. 1975 spielte er in der italienisch-französischen Komödie „Die Puppe des Gangsters“ an der Seite von Marcello Mastroianni und Sophia Loren. Zwischendurch war er immer wieder in Paris auf der Theaterbühne zu sehen und absolvierte einige Fernsehauftritte.

Nachdem erfolgversprechende Rollen Mangelware blieben, nutzte Bruce die Gelegenheit, die ihm eine damals sich noch im Aufbau befindende Freilichtbühne im Sauerland bot, dort erneut die Winnetou-Rolle zu spielen. Schlagartig war mit der Indianerrolle der Erfolg wieder da und Pierre Brice in aller Munde. Er verkörperte Winnetou von 1976 bis 1980 sowie 1982 bis 1986 bei den Karl-May-Festspielen in Elspe. 1988 engagierte ihn die Festivalleitung der konkurrierenden Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Dort konnte er bis 1991 die Rolle des Winnetou nach eigenen Ideen recht frei interpretieren, bevor er mit 62 Jahren das Lederkostüm endgültig ablegte.

Nach den Kinoerfolgen und Bühnenauftritten als Winnetou spielte Brice auch immer wieder in Boulevard-Theaterkomödien mit oder in Fernsehproduktionen wie „Ein Schloß am Wörthersee“ oder „Das Traumschiff“. 1997 ließ dann das ZDF Winnetou für die Fernsehproduktion „Winnetous Rückkehr“ gewissermaßen wiederauferstehen. Dieses Projekt erhielt allerdings vernichtende Kritiken aus Karl-May-Fankreisen.

Neben seiner schauspielerischen Laufbahn versuchte sich Brice auch immer wieder als Sänger und brachte es insgesamt auf mehr als ein Dutzend Veröffentlichungen. Sein größter Erfolg war die Single „Ich steh‘ allein“, mit der er im Jahr 1965 bis auf Platz 9 in Deutschland und Platz 8 in Österreich kam. Brice war außerdem sehr engagiert im sozialen Bereich, u.a. war er UNICEF-Botschafter. Spektakulär war im Jahr 1995 sein Hilfskonvoi nach Bosnien, den er persönlich anführte und der ihn durch teilweise noch umkämpftes Gebiet führte. 1992 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und 2007 wurde er zum französischen Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Privat lebte Brice mit seiner aus dem bayerischen Amberg stammenden Frau Hella 30 Jahre lang im Jagdschlösschen Domaine des Moinets in der Picardie nördlich von Paris. Die beiden waren seit 1976 liiert und seit 1981 verheiratet. Am Abend des 5. Juni 2015 wurde Pierre Brice mit hohem Fieber in ein Krankenhaus bei Paris eingeliefert, wo er am Morgen des 6. Juni 2015 im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Nach einer Trauerfeier am 18. Juni 2015 in der Münchner Michaelskirche wurde er am folgenden Tag auf dem Gemeindefriedhof von Gräfelfing bei München beerdigt.



Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Pierre Brice erstellt und ist dem Schauspieler vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.