Traueranzeige von
Roman Herzog

05.04.1934 - † 10.01.2017
Traueranzeige von Roman Herzog
Foto: Von User: Zeitblom - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=682402

Roman Herzog, der gelernte Jurist und langjährige Richter und Präsident des Bundesverfassungsgerichts, war von 1994 bis 1999 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. In dieser Position bleibt vor allem seine Berliner Rede 1997 in Erinnerung, in der er für einen „Ruck durch Deutschland“ und mehr Reformbereitschaft in Gesellschaft und Politik warb. „Wir müssen Abschied nehmen von lieb gewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen“, erklärte Herzog damals. Der gebürtige Landshuter wechselte in seinem Berufsleben immer wieder von der Exekutive zur Judikative und umgekehrt. So war er von 1978 bis 1980 Kultusminister und von 1980 bis 1983 Innenminister des Landes Baden-Württemberg.

Herzogs juristische Laufbahn begann 1953 mit dem Studium der Rechtswissenschaften in München, wo er auch promovierte und habilitierte. 1965 wechselte er zur Freien Universität Berlin, von 1969 bis 1972 war er an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in tätig. In dieser Zeit trat er auch der CDU bei. Von 1978 bis 1983 war er Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises von CDU und CSU. In dieser Zeit gehörte er ab 1979 auch dem Bundesvorstand der CDU an. Parallel dazu bekleidete er sein erstes Ministeramt in Baden-Württemberg.

1983 legte Herzog sein Landtagsmandats und das Ministeramt nieder und wurde zum Vizepräsidenten und Vorsitzenden des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts ernannt. Ende 1987 wurde Herzog Präsident der höchsten deutschen Gerichtsinstanz. Er übte dieses Amt bis zum 30. Juni 1994 aus. Am 1. Juli 1994 wechselte er wieder in die Politik und trat er sein Amt als Bundespräsident an, in das er am 23. Mai 1994 im dritten Wahlgang gewählt worden war. In den letzten Jahren war es ruhiger um Herzog geworden. Aufruhr erzeugte 2008 noch einmal ein Interview Herzogs mit der Bild-Zeitung, in dem er sagte: „Ich fürchte, wir sehen gerade die Vorboten einer Rentnerdemokratie: Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern.“

Herzog starb am 10. Januar 2017 in Bad Mergentheim. Zur genauen Todesursache wurde zunächst nichts bekannt. Der amtierende deutsche Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Herzog als „markante Persönlichkeit“ mit „vorwärtsstrebendem Mut“ und nannte ihn einen „freiheitsliebenden, kritischen Geist“ und einen „Mann der klaren Worte“. Er habe „das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet".

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Roman Herzog erstellt und ist dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.