Traueranzeige von
Rupert Neudeck

14.05.1939 - † 31.05.2016
Traueranzeige von Rupert Neudeck
Foto: © Grünhelme e.V.
Der Mitbegründer der Hilfsorganisation Cap Anamur / Deutsche Not-Ärzte e.V. (neben Schriftsteller Heinrich Böll) wurde 1979 weltweit bekannt durch die Rettung Tausender vietnamesischer Flüchtlinge im Chinesischen Meer mit dem Schiff Cap Anamur.

Die so genannten Boat People waren damals in der Folge des Vietnamkrieges auf der Flucht, weil sie als Unterstützer der früheren Republik Vietnam von den neuen Machthabern des kommunistischen Nordvietnam bedroht wurden. Die umliegenden Staaten wie Kambodscha, Laos und die Volksrepublik China eigneten sich nicht als Zufluchtsort, so dass mehr als 1,5 Millionen Vietnamesen versuchten, per Boot ins Ausland zu gelangen. Oft kenterten diese baufälligen Schiffe jedoch in den unberechenbaren Monsun-Winden oder wurden von Piraten angegriffen. Insgesamt fanden fast 250.000 Boat People im Südchinesischen Meer den Tod.

Diesem Schicksal wollte der damalige Journalist Rupert Neudeck nicht tatenlos zusehen und gründete mit Gleichgesinnten das private Hilfskomitee „Ein Schiff für Vietnam“. Sie charterten daraufhin den Frachter Cap Anamur und bauten ihn zu einem Hospitalschiff um. Gleichzeitig liefen in ganz Deutschland erste Spendenaktionen an. Mit einem Team aus freiwilligen Technikern, Logistikern, Ärzten und Pflegern an Bord erreichte das Schiff im August 1979 das Südchinesische Meer. Das öffentliche Interesse war damals riesig, so dass sich auch die Bundesregierung human zeigte und bereit war, denjenigen Flüchtlingen Asyl zu gewähren, die direkt von der Cap Anamur aufgenommen wurden. Insgesamt konnten so über 10.000 Bootsflüchtlinge gerettet und nach Deutschland gebracht werden.


Neudeck kannte das Flüchtlingsschicksal aus eigener Erfahrung. Als Kind musste er kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges mit seiner Mutter, seinen drei Brüdern und seiner Schwester aus Danzig fliehen. Die Familie baute sich anschließend im westfälischen Hagen eine neue Existenz auf. Nach Abitur und Studium begann Neudeck 1971 als hauptberuflicher Journalist bei der katholischen Funk-Korrespondenz in Köln. 1977 wurde er Redakteur beim Deutschlandfunk in der Abteilung Politisches Feature.

Sein großes politisches Interesse und sein soziales Engagement führten dann letztendlich zwei Jahre später zur Rettungsaktion mit der Cap Anamur. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Organisation erläuterte Neudeck einmal seine Motivation:  „Ich möchte nie mehr feige sein. Cap Anamur ist das schönste Ergebnis des deutschen Verlangens, niemals wieder feige, sondern immer mutig zu sein.“ Diesen Mut konnte man ihm auch nicht absprechen, als er ab 2003 als Mitbegründer und Vorsitzender des internationalen Friedenskorps Grünhelme e.V. mehrfach nach Israel und in die palästinensischen Autonomiegebiete reiste. Auch dort klagte er viele Missstände an.

Privat war Neudeck seit 1970 mit seiner Frau Christel verheiratet, die ihn stark bei seiner Arbeit unterstützte. Das Ehepaar lebte mit zwei Töchtern und einem Sohn in Troisdorf in Nordrhein-Westfalen. In der Stadtmitte steht an einer Straßenecke auch ein Original-Boot, aus dem er 1982 vietnamesische Flüchtlinge rettete. Neudeck starb am 31. Mai 2016 an den Folgen einer Herzoperation.

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Rupert Neudeck erstellt und ist dem engagierten Journalisten vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.