Traueranzeige von
Stefan Weber

08.11.1946 - † 07.06.2018
Traueranzeige von Stefan Weber
Von Manfred Werner - User:Tsui - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2832550

Der österreichische Musiker und Komponist war Gründer und Frontmann der Band Drahdiwaberl, die vor allem in den 1980er-Jahren populär war. Mit fünf Alben und zwei Singles konnten sich die anarchistischen Polit-Rocker in den österreichischen Charts platzieren. 2005 wurde Stefan Weber mit dem Amadeus Austrian Music Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Der ausgebildete Lehrer gründete im Mai 1969 die Band Drahdiwaberl, die schnell zu einer der bekanntesten Underground-Gruppen Österreichs wurde. Das Brechen von Tabus und das Hinterfragen vermeintlich spießiger Moral- und Wertvorstellungen war ein prägendes Kernelement der Texte und der Bühnenshows. Fester Bestandteil der rockig-kabarettistischen Auftritte wurden schon bald „Materialschlachten“. Besucher wurden von der Bühne aus mit Lebensmitteln und Bier beworfen und revanchierten sich selbst in umgekehrter Richtung.

In einem Interview mit dem ORF bekannte Stefan Weber einmal: „Es war schon immer mein Ziel, Drahdiwaberl zur extremsten und obszönsten Band zu machen – und ich glaube, das haben wir geschafft!“ Diese Unangepasstheit setzte sich bei ihm auch auf der Theaterbühne fort. 2003 trat er einmal in Wien in der Performance „Schurkenstaat Irak“ auf. Vor dem Konzert konfiszierte die Polizei zwei Schusswaffen, die er als Requisiten mitgebracht hatte, und er erhielt eine Anzeige. Zum Prozess erschien er mit einer Plastiktüte über dem Kopf, hielt ein Plädoyer zur Freiheit der Kunst und wurde letztlich freigesprochen.

In den letzten Jahren hatte sich Stefan Weber aufgrund einer Parkinson-Erkrankung aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Als Erinnerung an den Musiker bleibt in jedem Fall der Film „Weltrevolution“, an dem die Band über Jahre arbeitete. Die Dokumentation über die Entwicklung der wilden Truppe erschien 2011 auf DVD.

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Stefan Weber erstellt und ist dem Musiker vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.