Traueranzeige von
Ute Bock

27.06.1942 - † 19.01.2018
Traueranzeige von Ute Bock
Foto: Von Manfred Werner - Tsui - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12846105

Die österreichische Menschenrechtsaktivistin und Flüchtlingshelferin wurde durch ihren Einsatz für Asylwerber und Flüchtlinge bekannt, die sie mit dem in Wien beheimateten Verein „Flüchtlingsprojekt Ute Bock“ mit Wohnraum, Kleidung, Kursen und der Vermittlung von juristischer und medizinischer Hilfe unterstützte. Für ihr soziales Engagement wurde Ute Bock vielfach ausgezeichnet: Im Jahr 2000 wurde sie mit dem UNHCR-Flüchtlingspreis geehrt, 2012 erhielt die das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Bock verstarb am 19. Januar 2018 im Alter von 75 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit im Ute-Bock-Haus in Wien.

Die gelernte Erzieherin war Heimleiterin in Wien und kam zu Beginn der 1990er-Jahre mit dem Flüchtlingsthema in  Berührung, als vermehrt vom Jugoslawienkrieg betroffene Jugendliche sowie junge Menschen aus Afrika in ihre Einrichtung geschickt wurden. Ute Bock bemühte sich schon damals darum, ihnen allen Deutschkurse, Gelegenheitsjobs und Schlafplätze auch außerhalb des überfüllten Heimes zu vermitteln. Für Schlagzeilen sorgte im Herbst 1999 eine Razzia im von ihr betreuten Haus in der Zohmanngasse. Etwa 30 Jugendliche afrikanischer Herkunft wurden wegen des Verdachts auf Drogenhandel festgenommen und Bock wegen Bandenbildung und Drogenhandels angezeigt und zeitweise vom Dienst suspendiert. Die Anklage wurde später fallengelassen, allerdings wurde ihr verboten, weitere afrikanische Asylwerber in der Zohmanngasse unterzubringen.

Im Jahr 2000 ging Bock in Pension und kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt ehrenamtlich ständig um das von ihr initiierte Hilfsprojekt für Flüchtlinge und Asylwerber. Am 21. Mai 2002 wurde der „Ute Bock Verein – Wohn- und Integrationsprojekt“ gegründet. Unterstützt von einem Netzwerk überwiegend ehrenamtlicher Helfer organisierte Bock nun private Wohngemeinschaften und Familienwohnungen, die sie mit Hilfe von Spenden und aus eigener Tasche finanzierte und betreute. In ihrem Wohnprojekt stellte sie bald rund 100 Wohnungen für über 300 Menschen aus mehr als 20 Ländern bereit, die, ohne Unterstützung von staatlicher Seite, ansonsten obdachlos wären.

Bocks Tätigkeit wurde auch in einer Dokumentation festgehalten. Der österreichische Filmemacher Houchang Allahyari begleitete Bock 2008 und 2009 mit der Kamera bei ihrer täglichen Arbeit und brachte das Filmprojekt unter dem Titel „Bock for President“ in die Kinos. 2010 widmete Houchang Allahyari sich erneut dem Leben Ute Bocks. In dem Spielfilm „Die verrückte Welt der Ute Bock“ – u.a. mit Josef Hader, Karl Markovics und Julia Stemberger besetzt – werden die Arbeit Bocks und die Geschichten von Menschen, mit denen sie dabei zusammentrifft gezeigt.

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Ute Bock erstellt und ist der Menschenrechtsaktivistin vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.