25 Jahre Museum für Sepulkralkultur

Hut ab und Gratulation! Vergangene Woche feierte das Museum für Sepulkralkultur in Kassel das erste Vierteljahrhundert seines Bestehens. Das Haus wurde 1992 eröffnet, mit der Zielsetzung, die Geschichte des Todes aufzuarbeiten und den gesellschaftlichen Wandel der Abschieds- und Bestattungskultur durch die Zeiten medial in einem Museumsumfeld zu dokumentieren. Zeitgenössische Entwicklungen sowie andere Kulturen und verschiedene Weltanschauungen bzw. deren Umgang mit dem Tod stehen dabei immer noch besonders im Fokus und werden auf wissenschaftlichem Fundament für ein breit gefächertes Publikum erläutert. Die aktuelle Sonderausstellung heißt „Vita Dubia“, läuft noch bis 16. April 2017 und beschäftigt sich mit der Ungewissheit des Todes und der Angst, lebendig begraben zu werden.

Das Museum entstand 1992 auf Initiative der deutschen Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal und unter Federführung des Gründers Dr. Hans-Kurt Boehlke, um Menschen die Berührungsängste zu nehmen. Man verfolgte damals schon bewusst einen modernen Ansatz für die Vermittlung der Sepulkralkultur. Bis dahin gab es überhaupt noch kein Museum, das sich dauerhaft dem Themenkomplex Sterben, Tod, Bestatten und Erinnern verschrieben hatte.

Nach nunmehr 25 Jahren hat sich das Sepulkralmuseum zu einer international anerkannten, unabhängigen Kultureinrichtung entwickelt mit einer Vielzahl von Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Das Herzstück des Hauses ist die Schausammlung: Särge und Leichenwagen, Trauerkleidung und Grabsteine, aber auch Kunst, Fotografie und vieles mehr sind dort zu sehen. Im Frühjahr 2014 wurde sie erweitert: Ein eigener Bereich befasst sich seitdem mit den Bestattungsriten verschiedener Religionen.

Das Museum entwickelt sich immer weiter

Daran erkennt man auch schon, dass sich die Zielrichtung des Museums im Laufe der Jahre entwickelte und veränderte. In der Anfangsphase war noch viel deutlicher als heute zu spüren, dass die Themen Sterben, Tod und Trauer viele Menschen verunsichern. Der derzeitige kommissarische Leiter Gerold Eppler erinnert sich: „Damals kamen beispielsweise Kommentare wie ‚Da geht’s doch nur ums Sterben, das sehe ich mir nicht an’.“

In den ersten Jahren war die Ausrichtung auch eher volkskundlich und themenbezogen. Ausgestellt wurden bis ins Jahr 2000 kulturgeschichtliche Zeugnisse der Bestattungs- und Trauerkultur, jedoch nicht direkte Zeugnisse des Sterbens und des Todes, auch keine Toten (weder in Abbildungen noch als Mumien). Die Übernahme der Ausstellung „Last minute“ 2000/2001 aus der Schweiz war dann eine Art Zäsur, da hier erstmals der Versuch unternommen wurde, mittels inszenierter Raumbilder mit zahlreichen Hör- und Videostationen Sterben, Bestatten und Trauern emotional erfahrbar zu machen. Die Ausstellung führte mitten in die Gegenwart und regte zur persönlichen Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Tod an.

Auch die Ausstellung „Noch mal leben“ im Jahr 2005 war für die Besucherinnen und Besucher sehr bewegend und hat sie in unmittelbarer Weise mit der unausweichlichen Realität konfrontiert. Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta hatten im Vorfeld unheilbar Kranke gebeten, sie in ihren letzten Tagen und Wochen in einem Hospiz begleiten zu dürfen. Die Ausstellung berichtete dann von den Erfahrungen, Ängsten und Hoffnungen der Sterbenden und ließ sie noch einmal zu Wort kommen. Alle waren einverstanden, sich kurz vor und unmittelbar nach dem Tod porträtieren zu lassen.

Trotz anfänglicher Skepsis erfuhren beide Ausstellungen eine überwältigende Resonanz, die auch als Folge einer sich wandelnden gesellschaftlichen Einstellung zu Sterben, Tod und Trauer zu verstehen war. Dieser Wandel macht es nun nach 25 Jahren auch notwendig, die Schausammlung komplett zu überarbeiten. In der Neukonzeption soll dem Publikum das facettenreiche Verhältnis des Menschen zum Tod vermittelt werden, das sich u.a. durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, demographische Entwicklungen und die Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen sukzessiv in den letzten Jahren veränderte. Die aktuellen ethischen, soziologischen, medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen im Umgang mit Sterben und Tod sollen verstärkt in die neuen Ausstellungsbereiche einfließen. Geplant ist, sie interaktiv für die unterschiedlichen Besuchergruppen verschiedenen Alters oder unterschiedlicher Herkunft  zu präsentieren. Auch die Rolle der Medien, ihre Berichte über Todesfälle, aber auch der Wandel der Gedenkkultur, sollen künftig stärker thematisiert werden. Ein Rahmenkonzept für die Neufassung ist derzeit in Arbeit.

Museum für Sepulkralkultur

Weinbergstr. 25–27

34117 Kassel

www.sepulkralmuseum.de