Ausstellung über Tod und Bestattung in Mittelalter und Neuzeit

Plakatmotiv zur Ausstellung "Der letzte Weg"
Plakatmotiv zur Ausstellung „Der letzte Weg“

Wer sie noch nicht gesehen hat, kann das noch bis 13. November nachholen! Die Rede ist von der Ausstellung „Der letzte Weg – Tod und Bestattung in Mittelalter und Neuzeit“ im Diözesanmuseum der sehenswerten nordbayerischen Stadt Bamberg. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Museumsleitung mit dem Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg.

Tod und Bestattung ist zwar kein einfaches, unbeschwertes Thema, aber dafür hochinteressant, gleichermaßen angsteinflößend und widerstrebend wie elementar und substantiell. Abgesehen davon, dass es ausnahmslos alle Menschen betrifft, ist das Thema auch immer wieder Gegenstand kulturwissenschaftlicher Forschung, vornehmlich der Europäischen Ethnologie, da Sterberiten und Bestattungsbräuche ein bedeutender Ausdruck jeder Kultur sind.

Aber auch für die Archäologie als Wissenschaft zählen Gräber und Bestattungen, neben den Siedlungs- und Hortfunden, zu den wichtigsten Quellen. Anders als die Siedlung, die meist aus mehreren Schichten und Phasen besteht, ist das Grab zu einem bestimmten Zeitpunkt entstanden, was ihm die Bezeichnung „geschlossener“ Fund einbringt. Grabbau und Grabbeigaben verraten eine Menge zur vergangenen Kultur, zur sozialen Schichtung, über die Religion und die Jenseitsvorstellungen der Bestatteten.

Vom Begrabenwerden bis zu den Bestattungsbräuchen

Die Bamberger Ausstellung bringt viel Licht in vergangene Verhaltensweisen. Sie ist in zwei Sektionen untergliedert: Die erste befasst sich mit dem Kranksein und Dahinsiechen, mit dem Sterben in spiritueller und physischer Hinsicht, mit der Aufbahrung und dem Begrabenwerden. Eine szenische Darstellung visualisiert dabei eine (geschönte) Situation im Sarg, weitere Exponate sind Versehgarnituren, Särge, Urnen und Fotografien aufgebahrter Personen.

Die zweite Sektion stellt die Bestattungsbräuche im Laufe des Mittelalters und der Neuzeit dar. Im Frühmittelalter hatte sich zwar das Christentum schon durchgesetzt, dennoch ließ man vorerst nicht davon ab, die Verstorbenen nach alter Sitte fürs Jenseits auszustatten und mit Nahrung und Getränken zu versehen. Ab dem 8./9. Jahrhundert hatte sich der Verzicht auf Beigaben dann völlig durchgesetzt, bzw. die Einsicht etabliert, dass nicht der irdische Stand, sondern gute Taten und Redlichkeit ausschlaggebend für den Rang im Jenseits sind.

In der frühen Neuzeit kam dann wieder eine Beigabensitte auf. In katholischen Gräbern fanden sich nun vermehrt Rosenkränze und religiös konnotierte Objekte, in protestantischen persönliche und teils tabuisierte Gegenstände, die für die Hinterbliebenen keinen Wert mehr hatten, wie etwa der Esslöffel des Verstorbenen, dessen Medizinfläschchen oder auch die Waschschüssel, mit der die Totenwaschung vollzogen worden war.

Hochinteressante Exponate

Hauptexponate dieser zweiten Abteilung sind die Darstellung der originalen Bestattung eines schwerbewaffneten Mannes aus der Zeit um 600 n. Chr., ein Goldblattkreuz aus der gleichen Zeit von demselben Gräberfeld, zahlreiche Grabbeigaben aus Bestattungen des neuzeitlichen Friedhofs Breunsdorf/Sachsen, der wegen des Braunkohletagebaus vollständig ausgegraben wurde, sowie eine große Sammlung außergewöhnlicher Sterbebilder.

Das Hauptexponat, das auch der Auslöser für die Themenwahl und die Ausstellung war, ist die Nachstellung einer Grabungssituation des Domkranzes am Ostchor des Bamberger Domes. Dort hatten Archäologen des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Herbst 2013 überraschend einen Friedhof entdeckt, der genau an die Ostapsis des Doms anschloss. Nur 30 Zentimeter unter den Bodenplatten waren sie auf einen Bestattungshorizont mit fünf bis sechs Belegungsphasen gestoßen. In der Ausstellung ist die aufgefundene Situation originalgetreu auf einer Fläche von 2,50 x 1,70 Metern nachgestaltet.

Die facettenreiche Ausstellung umfasst zahlreiche Exponate vom 6. bis 21. Jahrhundert, von archäologischen Funden des Früh- und Hochmittelalters über volksreligiöse Objekte, Grafiken und Gemälde der Barockzeit bis hin zu Exponaten, die die Trauerkultur am kaiserlichen Hof der Habsburger in Wien im 18. Jahrhundert vor Augen führen, etwa eine von Kaiserin Maria Theresia angefertigte Trauerkasel. Der Bogen zur Gegenwart wird über die Verehrung des Bruders Konrad von Parzham und den aus dem Erzbistum Bamberg stammenden, 1976 in Brasilien ermordeten Salesianerpater Rudolf Lunkenbein bis hin zum Gemälde „Gräber“ von Markus Lüpertz geschlagen.

Zur Ausstellung gibt es auch ein Begleitprogramm mit wissenschaftlichen Vorträgen und kulturellen Beiträgen wie Lesungen und szenischen Aufführungen. Außerdem veranstaltet der Lehrstuhl eine internationale Fachtagung zur Archäologie neuzeitlicher Bestattungskultur vom 28. bis 30. Oktober 2016.

Diözesanmuseum Bamberg
Domplatz 5, 96049 Bamberg
Öffnungszeiten der Ausstellung: Di-So 10-17 Uhr
www.dioezesanmuseum-bamberg.de