Bestattungsrituale im Bahá’i-Glauben

Einige Erläuterungen und Auszüge aus den Bahá’i Schriften

Beziehung des Menschen zu Gott für die Bahá’i

Gott, der Schöpfer alles Erschaffenen und Spender des Lebens ist für den Menschen in Seinem Wesen unfassbar. Durch Seine Offenbarer, die Manifestationen Gottes, lernen wir Gott kennen und durch Sie erkennen wir Ihn. Die Manifestation Gottes für dieses Zeitalter ist Bahá’u’lláh. Für die Bahá’í die Herrlichkeit Gottes.

„Verhüllt in Meinem unausdenkbaren Wesen und in der Urewigkeit Meines Seins wusste Ich um Meine Liebe zu dir. Darum erschuf Ich dich, prägte dir Mein Ebenbild ein und offenbarte dir Meine Schönheit.“ Bahá’u’lláh

„Ich liebte es dich zu erschaffen, also erschuf Ich dich. Nun liebe du Mich, damit Ich deinen Namen nenne und deine Seele mit dem Geiste des Lebens erfülle.“ Bahá’u’lláh

Zum Menschenbild der Bahá’i

Das Wesen eines jeden Menschen ist seine mit Vernunft begabte und unsterbliche Seele. Die Seele hat ihren Ursprung in den geistigen Welten Gottes. Sie ist erhaben über die Materie und die physische Welt. Seele und Körper stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander. Die Beziehung der Seele zum Körper ist ähnlich wie jene des Lichts der Sonne zu einem Spiegel, welcher das Sonnenlicht reflektiert.

„Wisse wahrlich, dass die Seele ein Zeichen Gottes ist, ein himmlischer Edelstein, dessen Wirklichkeit die gelehrtesten Menschen nicht zu begreifen vermögen und dessen Geheimnis kein noch so scharfer Verstand je zu enträtseln hoffen kann. Wenn sie Gott treu ist, wird sie Sein Licht widerstrahlen und schließlich zu Ihm zurückkehren. Nach ihrer Trennung vom Leibe wird sie weiter fortschreiten, bis sie die Gegenwart Gottes erreicht. Sie wird so lange bestehen wie das Reich Gottes. Sie wird die Zeichen Gottes und Seine Eigenschaften offenbaren, Seine Gnade und Huld enthüllen.“ ‘Abdu’l-Bahá

Zur Bedeutung des Todes für die Bahá’i

Der Tod bietet jedem vertrauenden Gläubigen den Kelch dar, der in Wahrheit Leben ist. Er schenkt Freude und ist ein Bote des Frohsinns. Er verleiht die Gabe ewigen Lebens.“ Bahá’u’lláh

„Den Tod machte Ich dir zum Boten der Freude. Warum bist du traurig?” Bahá’u’lláh

„Du bist Mein Licht und Mein Licht verlöscht nie. Warum fürchtest du dein Verlöschen?“ Bahá’u’lláh

„Du bist Meine Herrlichkeit und Meine Herrlichkeit schwindet nicht. So bleibe in deiner Liebe zu Mir, damit du Mich im Reiche der Herrlichkeit findest.“ Bahá’u’lláh

„Frohlocke vor Herzensfreude…und wandle in Meinen Gesetzen aus Liebe zu Mir.“ Bahá’u’lláh

„Wohin kann ein Liebender gehen außer ins Land des Geliebten? Und welcher Sucher fände Ruhe fern der Sehnsucht seines Herzens? Für den aufrichtig Liebenden ist Vereinigung Leben und Trennung Tod. Seine Brust kennt keine Geduld, sein Herz keinen Frieden. Tausend Leben gäbe er hin, um zur Wohnstatt seines Geliebten zu eilen.“ Bahá’u’lláh

Zu den Vorschriften für die Bestattung

In den Bahá’í-Schriften ist vorgesehen,

a) dass dem Leichnam jedes Bahá‘í, der über 15 Jahre alt ist, ein gravierter Ring üblicherweise an den Finger gesteckt wird mit der Inschrift: „Von Gott kam ich und zu Ihm kehre ich zurück, losgelöst von allem außer Ihm, und halte mich fest an Seinem Namen, der Barmherzige, der Mitleidvolle“;
b) dass der Leichnam in Tücher aus Seide oder Baumwolle gewickelt werden soll
c) dass die Toten in Särgen bestattet werden und dass diese aus Kristall, aus Stein oder aus feinem, haltbaren Holz gefertigt sein sollen;
d) dass aus Ehrfurcht vor dem Leib des Menschen, der „durch die unsterbliche Seele geadelt“ war, eine Feuerbestattung ausgeschlossen ist;
e) dass der Leichnam nicht mehr als eine Wegstunde aus der Stadt zu seiner Ruhestätte gebracht werden darf, unabhängig vom Transportmittel, und dass das Begräbnis frühestmöglich stattfinden soll;
f) dass am Begräbnis für jede verstorbene Person über 15 Jahren das Bahá‘íTotengebet zu sprechen ist;
g) dass der Leichnam in Richtung des Schreins von Bahá’u’lláh bestattet wird.

Neben den Angehörigen sind die gewählten Bahá’í-Institutionen – der nächstgelegene Örtliche Geistige Rat bzw der Nationale Geistige Rat der Bahá‘í des Landes – für die Einhaltung dieser Vorschriften und die Durchführung der Beerdigung zuständig.

Aspetos bedankt sich bei: “Der Nationale Geistige Rat der Bahá’i in Österreich” für diesen Text.