Bundesverband Trauerbegleitung sensibilisiert Medien

Bundesverband Trauerbegleitung

Das Wort „Selbstmord“ liest man tagtäglich in der Zeitung, hört es im Radio oder sieht es in den Fernsehnachrichten. Es ist omnipräsent, aber zugleich auch ein umstrittener Begriff, weil er dem Geschehenen oft nicht gerecht wird. Der deutsche Bundesverband Trauerbegleitung ruft daher die Medien zu einem sensibleren Umgang mit der Bezeichnung „Selbstmord“ auf.

Hier der Wortlaut der Stellungnahme des Bundesverbandes Trauerbegleitung zur Verwendung des Begriffs „Selbstmord“ in den Medien (Hörfunk / Fernsehen / Print Medien): „Immer wieder wird seitens der Medien im Rahmen von Berichterstattungen in Zusammenhang mit Todesfällen durch Suizid der Terminus „Selbstmord“ bzw. „Selbstmörder“ benutzt. Dieser Begriff wird Menschen in einer solchen extremen, existenziellen und emotional-psychischen Ausnahmesituation in keinster Weise gerecht und er erschwert die Trauer die Angehörigen und Zugehörigen.

Als Fachverband für Trauerbegleitung, der als solcher auch intensiv mit dem Thema „Trauer nach Suizid“ beschäftigt ist und der über seine Mitglieder auch Trauernde nach Suizid begleitet, nehmen wir diese sich regelmäßig wiederholende Situation zum Anlass, Stellung zu beziehen. Wir möchten die Nachrichtenredaktionen und die Öffentlichkeit sensibilisieren im Hinblick auf den verantwortungsvollen Gebrauch eines Begriffes, der für Hinterbliebene nach Suizid eine schwerste Belastung darstellt und deren ohnehin erschwerte Trauer unnötigerweise noch schwieriger werden lässt.

Warum der Begriff unpassend ist

Der Begriff „Mord“, der in der Bezeichnung „Selbstmord“ integriert ist, ist lt. Strafgesetzbuch der schwerste anzunehmende Straftatbestand und setzt eines von mehreren Merkmalen voraus. „Mörder“ ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder aus sonstigen niederen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet. (vgl. § 211, Absatz 2 StGB)

Diese Definition von Mördern hat nicht im Geringsten mit der verzweifelten Situation zu tun, in der sich Menschen in zugespitzten suizidalen Krisen befinden, die sich das Leben nehmen. Und Trauernde nach Suizid sind nicht Hinterbliebene eines Mörders! Wir möchten die Verantwortlichen der Presse eindrücklich bitten, sehr verantwortlich mit ihrer Berichterstattung umzugehen und sich der präventiven Wirkung bewusst zu sein, die eine sensible Berichterstattung in den Medien haben kann.“

www.bv-trauerbegleitung.de