Den digitalen Nachlass regeln

Digitales Erbe – oft schwer zugänglich

Seit einigen Jahren haben wir ja fast alle eine Art Zweitexistenz, führen wir gewissermaßen ein paralleles, sekundäres Leben, und zwar im Internet. E-Mail-Adressen, Social-Media-Konten, Online-Banking, E-Commerce – die Profile, die Konten und die dazugehörigen Passwörter sind vielfältig und schon für den Betreffenden oft kaum mehr gänzlich im Kopf zu behalten. Wie sollen dann bitte erst die Angehörigen den Überblick bewahren, wenn ihr geliebter Verwandter im realen Leben stirbt, im virtuellen Leben aber einfach weiterlebt, weil sie keinen Zugriff haben?

Wer in der heutigen Zeit stirbt, hinterlässt oftmals eine ganze Reihe von Internetprofilen und Online-Verträgen, an die die Erben nicht ohne Weiteres herankommen, weil sie die entsprechenden Passwörter nicht kennen. Wir wollen Ihnen in diesem Artikel aufzeigen, wie man zu Lebzeiten für den Todesfall vorsorgen und den digitalen Nachlass regeln kann und wie die Erben mögliche Klippen umschiffen können.

Das Thema „Digitales Erbe“ steht immer prominenter auf der Agenda, denn laut Untersuchungen surfen mehr als drei Viertel der Menschen in Deutschland und Österreich regelmäßig im Internet, neun von zehn Internetnutzern kaufen zumindest gelegentlich auch online ein und über die Hälfte von ihnen hat ein Profil in einem sozialen Netzwerk. Aber gerade mal drei Prozent der Deutschen haben laut einer aktuellen Umfrage von YouGov im Auftrag der DEVK Versicherungen den digitalen Nachlass bereits explizit geregelt.

Wie kann ich selbst meinen digitalen Nachlass regeln?
Sie können jetzt schon entscheiden, was im Ernstfall mit Ihren digitalen Spuren passieren soll. Am besten bestimmen Sie eine Vertrauensperson, der Sie Ihre persönlichen Daten überlassen möchten. Dieser Person können Sie beispielsweise ein Master-Passwort weitergeben, mit dem sich notfalls der oftmals verwendete Passwortmanager öffnen lässt. Auch eine mitgelieferte Anleitung, was mit Ihren Accounts und Daten passieren soll, hilft später sehr. Zur Sicherheit können Sie der Vertrauensperson auch noch eine Vollmacht ausstellen, die Sie im Safe, im Bankschließfach oder beim Notar hinterlegen. Diese Person hat damit die Möglichkeit, direkt das Löschen eines Kontos zu veranlassen.
Was die direkte digitale Nachlassregelung angeht, bieten manche Seiten durchaus auch Möglichkeiten an, einiges im Vorfeld zu regeln. Bei Google zum Beispiel gibt es einen sogenannten Kontoinaktivität-Manager, in dem genau festgelegt werden kann, was mit dem Konto passieren soll und welche Daten eine festgelegte Vertrauensperson herunterladen kann. Auch Facebook bietet die Option, bei den Sicherheitseinstellungen des eigenen Kontos einen Nachlasskontakt einzurichten. Diese Kontaktperson kann einen fixierten Beitrag für das Profil verfassen (z.B. einen Nachruf oder Informationen zu einem Gedenkgottesdienst), auf neue Freundschaftsanfragen reagieren und das Profilbild und das Titelbild aktualisieren. Abgesehen von diesen beiden Global Playern empfiehlt es sich, eine Liste mit allen weiteren wichtigen Online-Konten zu führen und eine andere Person einzuweihen. Die Zugangsdaten sollte man entweder auf einem externen Datenträger oder im Netz aufbewahren, am besten ebenfalls passwortgeschützt.

Der digitale Nachlass ist nicht geregelt. Wie finde ich als Erbe heraus, wo der Verstorbene überall angemeldet war?
Erste Hinweise liefern die E-Mail-Konten. Diese werden oftmals über ein Mailprogramm (Outlook etc.) auf dem PC, Laptop, Tablet oder Smartphone gebündelt abgerufen, das ohne Extra-Passwort geöffnet werden kann. Ist das nicht der Fall, müssten Sie das jeweilige Passwort zu den E-Mail-Adressen entweder bereits kennen oder danach auf dem Gerät, auf einem externen USB-Stick oder einem Papierstück suchen. Notfalls können Sie auch neue Zugangsdaten beim jeweiligen Betreiber über die übliche Funktion „Passwort vergessen“ anfordern, um dann Zugang zum E-Mail-Konto zu erlangen. Über diese E-Mail-Konten können Sie zurückverfolgen, auf welchen Seiten der Verstorbene angemeldet war. Außerdem kommen dort normalerweise auch Rechnungen an, so dass Sie kostenpflichtige Mitgliedschaften oder Abonnements recht leicht entdecken. Ein weiterer Hinweis auf bestehende Online-Verträge können Abbuchungen von Bankkonten sein.

Wie komme ich bei Problemen an die Zugangsdaten zu den Online-Konten?
Obwohl Datenschützer davor warnen, schreiben viele Internetnutzer ihre Passwörter auf einen Zettel oder hinterlegen sie ungeschützt auf dem Computer. Externe Festplatten oder USB-Sticks sind auch immer ein heißer Tipp bei der Suche nach Zugangsdaten. Falls die Passwörter wider Erwarten nirgendwo hinterlassen sind, muss man sich an die Kundendienste der jeweiligen Seitenbetreiber wenden.

Was muss ich genau nachweisen, wenn ich ohne Passwort Zugang bekommen möchte?
Das handhabt jede Seite individuell, nähere Informationen dazu finden sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der jeweiligen Seite. E-Mail-Anbieter wie Web.de und GMX geben erst gegen Vorlage des Erbscheins den Zugriff auf das Konto frei. Yahoo legt sich in diesem Punkt komplett quer. Mithilfe der Sterbeurkunde kann der Erbe aber das dortige Konto immerhin löschen lassen. Ähnlich verhält es sich bei den sozialen Netzwerken. Facebook versetzt die Seite des Verstorbenen gegen Vorlage der entsprechenden Dokumente in einen Gedenkstatus. Sie kann dann nicht mehr verändert werden. Twitter verlangt sogar eine notarielle Beglaubigung und eine Todesanzeige für eine Löschung. Beim Business-Netzwerk Xing erhält man keinen Zugriff auf das Profil des Verstorbenen. Als Angehöriger kann man aber ohne Nachweise den Tod des Verstorbenen anzeigen, so dass das Profil inaktiv geschaltet wird. Nach einer internen Prüfung (der Verstorbene wird mehrfach angeschrieben) wird das Profil nach drei Monaten endgültig gelöscht

Der Verstorbene hatte noch Guthaben auf seinem Paypal-Konto. Wie komme ich da ran?
Um sich Restguthaben vom Online-Bezahlsystem Paypal auszahlen zu lassen, muss der Erbe eine schriftliche Erklärung, die Sterbeurkunde, den Erbschein und einen Ausweis vorlegen. Dann kann das Geld auf ein Bankkonto überwiesen werden.

Wie sieht es mit Geschäften auf eBay aus?
Ein Konto beim Online-Auktionshaus eBay kann nach Vorlage der Sterbeurkunde gesperrt werden. Gibt es noch offene Käufe oder Verkäufe, sind die Erben zur Erfüllung verpflichtet. Hier gilt der Grundsatz: Erben treten in die Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein.

Wie kündige ich laufende Abos von Online-Diensten?
Da die meisten Dienste, die Video- oder Musikstreaming anbieten, monatlich kündbar sind, ist das Auflösen dieser Abos normalerweise relativ unkompliziert. Die Anbieter haben in der Regel kostenlose Kunden-Hotlines, an die man sich wenden kann.