Die Bahai-Religionsgemeinschaft stellt sich vor

News2_beschau

images/stories/47001_r_by_bardewyk_pixelio.de.jpgWas ist die Bahá’í-Religion?

Bahá’í (persisch بهائي‎ bahā’ī, DMG bahāʾī, Bahai-Transkription Bahá’í) nennen sich die Mitglieder einer weltweit verbreiteten Religion (auch als Bahaismus oder Bahaitum bekannt), die im 19. Jahrhundert von dem aus Persien stammenden Baha’u’llah gestiftet wurde. Sie lehrt einen abrahamitischen Monotheismus eigener Prägung, in dessen Mittelpunkt der Glaube an einen transzendenten Gott, die mystische Einheit der Religionen und der Glaube an die Einheit der Menschheit steht. Die Bahai vertreten eine handlungsorientierte Ethik, die sich einer humanitären Vision des sozialen Fortschritts verpflichtet. (www.wikipedia.org)

Nach dem Wiener Religionswissenschaftler Johann Figl ist die Bahá’í-Religion „religions­wissenschaftlich betrachtet eine eigenständige Religion“, und zwar die „jüngste Offenba­rungs­religion in der Linie von Judentum, Christentum und Islam.“ (Johann Figl, Die Mitte der Religionen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993)

In Österreich gehört die Bahá’í-Religionsgemeinschaft Österreich seit 1998 zu den staatlich eingetra­genen, religiösen Bekenntnisgemeinschaften.

Der Bahá’í-Glaube ist eine Weltreligion mit der Absicht, alle Völker und Menschen in einer universalen Gemeinschaft – einem gemeinsamen Glauben zu vereinen. Bahá’í sind die Anhänger Bahá’u’lláhs (1817-1892), von dem sie überzeugt sind, dass er der Verheißene aller Religionen ist.

Die Traditionen fast aller Völker enthalten die Verheißung einer friedlichen und harmonischen Zukunft auf Erden und des Wohl­ergehens der Menschheit. Bahá’í glauben, dass Bahá’u’lláh jener Verheißene ist, dessen Lehren die Menschheit befä­hi­gen werden, eine neue Welt der Einheit in der Vielfalt aufzubauen.

Bahá’u’lláhs Lehren sind im Kern in völliger Übereinstimmung mit den Lehren jedes anderen, ihm vorangegangenen Religionsstifters, insbesondere mit den Lehren Christi, aber sie beziehen sich auf den heutigen Zustand der Menschheit, auf die Nöte unserer Zeit.

 

Lehren Bahá’u’lláhs über Gott und das Verhältnis zwischen Gott und Mensch

Gott ist in seinem Wesen unergründlich und der Schöpfer aller Dinge. Die Ursache der Erschaffung des Menschen ist die Liebe Gottes, die das ganze Sein unablässig umfasst, und die Menschheit durch Seinen ewigen Bund erreicht. Dieser besagt, dass Gott den Menschen niemals allein oder ohne Führung lässt. Jedes Mal, wenn sich die Menschheit von Gott abwendet und Seine Lehren vergisst, erscheint ein Bote Gottes und macht die Menschen erneut mit dem Willen Gottes vertraut. Bahá’u’lláh erklärt, dass „die Werke und das Handeln aller Manifestationen (Boten) Gottes … von Gott bestimmt und eine Widerspiegelung Seines Willens und Seiner Absicht sind“. „Wer sie erkennt, hat Gott erkannt und wer auf ihren Ruf hört, hat auf die Stimme Gottes gehört“. (Bahá’u’lláh, Ährenlese 24.1 und 21:1, Bahá’í-Verlag Hofheim-Langenhain 1980) Zu den Manifestationen Gottes zählen Krishna, Moses, Zarathustra, Buddha, Jesus, Mohammed, der Báb und Bahá’u’lláh.

Durch ein Bild ausgedrückt: Ohne Sonne könnte kein Leben auf der Erde existieren. Die Sonne ist die Quelle aller Wärme und allen Lichts. Die Sonne steigt jedoch selbst nicht zur Erde herab, und auch wir können uns ihr nicht nähern ohne zu verbrennen. In einem gut polierten Spiegel aber kann man das Abbild der Sonne sehen. Die Manifestationen Gottes sind wie vollkommene Spiegel, die das Licht Gottes in all Seiner Pracht reflektieren. Alle diese Spiegel reflektieren dasselbe Licht. Alle Manifesta­tionen verkünden die gleichen, ewigen Grundwahrheiten, entsprechend der jeweiligen Auffassungs­gabe der Menschheit.

Neben diesen ewigen Grundwahrheiten verkündet jeder Gottesbote auch veränderliche Regeln, entsprechend den sozialen Umständen und Bedürfnissen des Zeitalters, in dem er erscheint. Die Manifestationen „gleichen Ärzten, deren Aufgabe es ist, das Wohlergehen der Welt und ihrer Völker zu fördern“. Sie verschreiben jeweils die Arznei, die dem jeweiligen Stadium der Krankheit am besten entspricht.

Das Ziel aller Religionen – die wie eine nie endende Kette aufeinander folgen – ist, eine „ständig fortschreitende Kultur voranzutragen“. (Bahá’u’lláh, Ährenlese 34:6 und 109:2, Bahá’í-Verlag Hofheim-Langenhain 1980)

 

 

Die Lehren Baha’u’lláhs über das Leben nach dem Tod

Die Seele als die innere Wirklichkeit des Menschen, ist das, was den Menschen ausmacht. Sie ist unsterblich, „ein Zeichen Gottes, … dessen Wirklichkeit die gelehrtesten Menschen nicht zu begreifen vermögen, und dessen Geheimnis kein noch so scharfer Verstand je zu enträtseln hoffen kann.“ Die Seele ist „erhaben über alle Gebrechlichkeit des Leibes und des Verstandes“ und doch kann ein Gebrechen des Körpers ein Hindernis für die Seele sein, „ihre innere Kraft und Stärke zu zeigen“. (Bahá’u’lláh, Ährenlese 82:1 und 80:2 Bahá’í-Verlag Hofheim-Langenhain 1980)

Nach dem körperlichen Tod lebt die menschliche Seele bis in alle Ewigkeit weiter, vergleichbar mit einem Vogel, der seinen Käfig verlässt, wenn dieser zerbricht. Die Seele befindet sich aber nicht im Körper, sie ist keine Verbindung von Elementen und unterliegt keinen natürlichen Zerfalls­prozessen. Die Seele behält ihre Individualität und ihr Bewusstsein nach dem Tod bei und vermag mit anderen Seelen in Verbindung zu treten.

So schmerzhaft das momentane Abschiednehmen für die Angehörigen auch häufig ist, für den Verstorbenen selbst beginnt eine neue, umfassende Entwicklung auf der nächsten Daseinsstufe.

In den Bahá’í-Schriften wird das Leben der Seele im Körper immer wieder mit dem Leben des ungeborenen Kindes im Mutterleib verglichen.

  1. So wie sich das Ungeborene eine Welt außerhalb der Begrenzungen des Mutterleibs nicht vorstellen kann, so können auch wir uns nicht die nächste Welt vorstellen.
  2. So wie bei der Geburt das Kind aus einer beengten Welt tritt, so verlässt der Mensch nach seinem körperlichen Tod eine körperlich eng begrenzte Welt und tritt in eine geistige Welt.
  3. So wie das Ungeborene im Mutterleib alles entwickelt, was es zum späteren Überleben braucht, so muss auch der Mensch während seines körperlichen Lebens  seine geistigen Potenziale für ein Leben nach dem körperlichen Tod entwickeln.
  4. Die Notwendigkeit und Bedeutung der jeweiligen Errungenschaften zeigt sich erst in der jeweils nachfolgenden Welt.
  5. So wie Entwicklungsmängel im Mutterleib zu körperlichen Behinderungen führen können, kann ein Mangel an geistig-spirituellem Wachstum während des irdischen Lebens zu Einschränkungen in der nächsten Welt führen.
  6. Da ein Kind im Mutterleib der Welt „draußen“ nahe ist, unterliegt es den Einflüssen von außen (zB. hört es Geräusche oder spürt Berührungen), auch wenn es sie nicht verstehen kann. Ebenso sind auch wir der nächsten, geistigen Welt unvorstellbar nahe und werden von ihr beeinflusst.
  7. Unsere Entwicklung als Ungeborenes und als Mensch im irdischen Leben verläuft durch verschiedene Entwicklungsstadien. Diese Entwicklung hört mit dem Tod nicht auf.
  8. So wie der Mensch nach der Geburt nicht mehr in den Mutterleib zurückkehrt, so steht eine körperliche Wiedergeburt in diese materielle Welt im Widerspruch zur göttlichen Ordnung.

Ein bedeutender Unterschied zwischen der Entwicklung eines Kindes im Mutterleib und der Seele im Körper ist, dass der Mensch in seinem körperlichen Leben Einfluss auf die Entwicklung seiner Seele und die Entfaltung ihrer verborgenen Eigenschaften nehmen kann und daher für sie verantwortlich ist. Das körperliche Leben ist ein Geschenk des Schöpfers, eine notwendige Wachstumszeit, die der Vorbereitung auf das jenseitige Leben dient.

Abdu’l Bahá, der Sohn Bahá‘u’lláhs, sagt über Freude und Schmerz: „Kein menschliches Wesen bleibt von diesen beiden Einflüssen unberührt, doch alle Sorge und der Kummer, denen wir begegnen, kommen aus der Welt des Stoffes, die geistige Welt hingegen schenkt nur Freude. Leiden wir, so ist es das Ergebnis stofflicher Dinge, und alle Heimsuchungen und Störungen kommen aus dieser Welt der Täuschung. … Wenn unsere Gedanken mit der Bitternis dieser Welt erfüllt sind, lasst uns unsere Augen auf die Süße von Gottes Mitleid richten, und Er wird himmlische Ruhe senden. Wenn wir auch in der stofflichen Welt gefangen sind, so kann sich doch unser Geist in die Himmel erheben, und wir werden tatsächlich frei sein. Wenn sich unsere Tage dem Ende nähern, lasst uns der ewigen Welten gedenken, und wir werden voller Freude sein.“ (Abdu’l-Baha, Kap. 35, Ansprachen In Paris)