Ein Drittel vermeidbare Sterbefälle

Technischer Fortschritt und laufend zunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse verlängern bekanntermaßen unser Leben, wenn man sich die durchschnittlichen Zahlen ansieht. Aber hätten Sie gedacht, dass auch in diesem Jahrzehnt im Prinzip jeder dritte Sterbefall in der EU mit dem medizinischen Kenntnisstand und den technischen Möglichkeiten von heute hätte vermieden werden können? Zu genau dieser Erkenntnis gelangte jetzt das Europäische Statistikamt Eurostat bei der Auswertung der EU-weiten Sterbefälle des Jahres 2013.

Von den etwa 1,7 Millionen Sterbefällen von Menschen unter 75 Jahren in der EU im Jahr 2013 hätten demnach etwa 577.000 (das entspricht 33,7%) vermieden werden können, wobei prinzipiell in allen Ländern mehr Männer als Frauen zur Kategorie „vermeidbare Sterbefälle“ zählten. In Deutschland (31,4%) und Österreich (32,4%) liegen die entsprechenden Zahlen etwas unter dem EU-Durchschnitt. Ganze vorne liegt Frankreich mit nur 23,8% vermeidbaren Sterbefällen, Schlusslicht ist Rumänien mit 49,4%. Herzinfarkte (184.800 Sterbefälle) und Schlaganfälle (93.900 Sterbefälle) machten zusammen fast die Hälfte (48%) aller vermeidbaren Todesursachen bei Personen unter 75 Jahren aus. Danach folgten Darmkrebs (67.000 oder 12%), Brustkrebs (50.800 oder 9%), Bluthochdruckerkrankungen (28.700 oder 5%) sowie Lungenentzündungen (24.100 oder 4%).

Die Untersuchung der vermeidbaren Mortalität basiert auf der Vorstellung, dass bestimmte Sterbefälle (bei gewissen Altersgruppen bzw. Krankheiten) zum jeweiligen Zeitpunkt nicht eingetreten wären, wenn rechtzeitige und wirksame Gesundheitsversorgung vorhanden gewesen wäre. Die dabei ermittelten Zahlen liefern zugleich auch gewisse Hinweise auf die Qualität und die Leistungsfähigkeit der Gesundheitspolitik eines Landes.

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