Ein Bote für den Friedhof

Vor einigen Monaten starb mein Studienfreund. Er lebte in einem anderen Bundesland und ich machte mich auf den Weg zur Beerdigung. Viele unserer Freunde waren dabei. Seine Frau und die Kinder waren berührt, uns zu sehen. Unser gemeinsamer Freundeskreis ist über Österreich, Deutschland, Italien und die Schweiz verstreut. Sogar ein Austauschstudent aus Kanada kam zur Beerdigung.

Dann kam Allerheiligen, und ich hatte das Bedürfnis, meinem Freund einen Blumengruß auf das Grab zu legen und ein Kerzchen anzuzünden. Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, wieder hin zu fahren, und auf virtuellem Weg war mir das zu wenig.

Solche und ähnliche Geschichten gibt es in der Trauer viele. Ein Mann erzählte mir, dass er nicht zum Grab seiner verstorbenen Liebe gehen kann, weil die Kinder aus ihrer ersten Ehe ihn dort nicht  haben wollen.

Eine Frau, die das Grab ihres Kindes lange Jahre liebevoll pflegte und heute nicht mehr aus dem Haus kann, sagte zu mir: „Mir bricht mein Herz noch einmal, wenn ich daran denke, dass das Grab von Sarah nicht so gepflegt und geschmückt ist, wie ich es immer getan habe.“ Auf die Hilfe von Angehörigen kann sie nicht zählen, denn sie ist „alleinig übrig geblieben“, wie sie es nennt.

Eine Familie musste ihr Sternenkind, das während der Schwangerschaft starb, in einem Babygrabfeld beisetzen lassen. Die Familie kann nicht regelmäßig dorthin fahren, denn der Weg ist zu weit und mit den kleinen Kindern nicht regelmäßig machbar. Trotzdem möchten die Eltern und Geschwister das Grab und den von ihnen ausgesuchten Blumenschmuck sehen.

ASPETOS bietet für diese Menschen und ihre Sehnsüchte einen neuen Dienst: den Friedhofsboten.

Unser Trauernetzwerk versucht seit 2010, das Thema „Trauer“ aus dem Tabubereich ans Licht zu holen und ist zugleich auch Erfinder der virtuellen Kerzen und der virtuellen Blumengrüße. Anfangs schüttelten die Menschen den Kopf über unsere Idee. Heute ist es ganz selbstverständlich, dass dieser Dienst auf unterschiedlichsten Seiten in Anspruch genommen wird. Menschen geben ein Zeichen und sind froh, dies auf unkomplizierte Art tun zu können. Die Kondolenzkarten sind wichtig und wurden nicht, wie von manchen befürchtet, ersetzt, sondern ergänzt. Neues ist immer schwer einzuschätzen, und oft haben Menschen Angst, etwas Herkömmliches und Persönliches zu verlieren, indem sie eine neue Idee, eine neue Möglichkeit in Anspruch nehmen. Unsere Intention ist nicht, Altes und Bewährtes zu ersetzen, sondern es zu ergänzen.

Und was soll der Friedhofsbote?

Wir wollen Menschen nicht abhalten, das Grab selber zu besuchen, denn wir wissen, wie wohl ein Grabbesuch Trauernden tun kann. Das Grab kann Ort der neuen Begegnung sein, es kann der Platz sein, an dem der Tod des Verstorbenen noch einmal bewusster und begreifbarer wird. Wir wissen um die Wichtigkeit des Grabbesuchs. Nicht für die Verstorbenen, sondern für die Hinterbliebenen ist diese Tradition bedeutend. Auch das Anzünden der Kerzen zu Hause und am Grab ist für viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig im Trauerprozess. Uns ist es wichtig, Menschen in ihrem Trauerprozess zu unterstützen und ein bisschen zu begleiten. Durch den Friedhofsboten können Sehnsüchte Erfüllung finden, die sonst nicht umsetzbar sein könnten. All die erfüllten Sehnsüchte können den Weg durch die Trauer ein ganz kleines bisschen erleichtern.

Wie die drei Beispiele oben, so gibt es noch viele Gründe mehr, warum Menschen ein Grab nicht besuchen können. Dafür bietet ASPETOS jetzt den Friedhofsboten.

Wie funktioniert der Friedhofsbote?

Der Friedhofsbote liefert innerhalb von 24 Stunden einen realen Blumengruß an das echte Grab und zündet im Namen des Bestellers eine Kerze an. Auf aspetos.com/at/shop/friedhofsbote können Traueranzeigen gratis und unkompliziert erstellt oder gefunden werden, die Blumen ausgesucht und ein kleiner Text oder Gruß angefügt werden. Nachdem die Blumen ans Grab gelegt wurden, bekommen Sie vom Friedhofsboten ein Foto, das Sie für sich behalten oder mit anderen teilen können.

Diesen Dienst nahm ich zu Allerheiligen für meinen Studienfreund in Anspruch. Seine Frau rief mich daraufhin an und bedankte sich von Herzen. So habe ich nicht nur das Foto vom Grab mit dem Blumengruß, sondern auch noch die Stimme der Witwe im Ohr: „Wie schön, dass du an uns denkst, ich hab mich so gefreut über die Blumen an seinem Grab.“ Die schweren Tage der Witwe konnte ich ein bisschen verschönern mit dem Blumengruß auf dem Grab ihres Mannes und meines Freundes.

Von Astrid Bechter-Boss für „Eternity“.