Ein Kommentar zur wachsenden Einsamkeit in unserer Zeit

Bernd Wagner lag zwei Monate auf der Pathologie, weil niemand den Leichnam heim holen wollte. Eine eigentlich unglaubliche und unsagbar traurige Geschichte. Doch leider ist hier ein Trend zu beobachten. Wir kümmern uns immer weniger um unsere Familien, unsere Mitmenschen oder den Kontakt zu anderen. Wir ziehen uns zurück. Mittlerweile gibt es sogar das Reizwort Cocooning für diesen Trend. Wir verpuppen uns in unseren vier Wänden, und geben unserem ständig wachsenden Individualisierungsdrang freien Lauf.

Diese Entwicklung ist sehr bedenklich. Denn gleichzeitig vereinsamen wir. Wir geben unsere sozialen Kontakte zur Familie in jungen Jahren auf und brechen auch viele andere Kontakte, die vorgeblich nicht zu unserem individuellen Leben passen, mit zunehmendem Alter ab. Partnerschaften werden lediglich verschlissen, da auch in einer intimen Beziehung die eigenen Belange die wichtigsten sind. Es macht sich ein für die gesamte Gesellschaft schädlicher Egoismus breit. Wir wollen nicht mehr auf andere eingehen. Schließlich schuften wir den ganzen Tag und da ist es nur recht und billig, wenn wir am Abend unsere Ruhe haben wollen. Partner und Freunde ja, aber dann nur als gleichgeschalte Roboter, die sich unseren eigenen Bedürfnissen und Wünschen anpassen.

Dieser Weg führt und in eine kalte dunkle Zeit. Kommentare in den Leserbriefecken der Republik machen das deutlich. Speziell derzeit kann ich die Entwicklung nicht mehr nachvollziehen. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Unsere Städte zählen zu den sichersten, und trotzdem macht sich Angst breit. Angst vor fremden Kulturen, Angst vor anderen Religionen, Angst das man selbst zur kurz kommen könnte. Diese Angst entlädt sich in Richtung der Schwächsten auf unserem Planeten. Flüchtlinge aus den ärmsten Ländern der Welt werden bei uns als Schmarotzer abgestempelt und Menschen ohne nennenswerte Ausbildung mit einem politischen Lebenslauf, der nur mehr als lächerlich angesehen werden kann, gewinnen ständig an Boden und rutschen in die höchsten Ämter.

Es ist Zeit nachzudenken. Es wird Zeit sich der eigenen Sterblichkeit bewusst zu werden. Es wird Zeit zu erkennen, dass unser Leben auf dieser Welt eines Tages zu Ende gehen wird. Wir kennen den Zeitpunkt nicht und gerade dieser Umstand sollte uns beflügeln ein gutes und positives Leben zu führen. Wir müssen selbst beginnen über uns und andere nachzudenken. Unbeeinflusst von xenophoben Politikern die immer weniger Lösungen aber dafür immer mehr Hass predigen. Schließlich reden uns diese nur zum Munde um den eigenen Machterhalt zu sichern. Unbeeinflusst auch von religiösen Eiferern und unbeeinflusst von Medien, die nicht mehr informieren sondern suggerieren und Sensationen heischen wo keine sind, um Auflagen und damit den finanziellen Gewinn abzusichern.

Wir müssen in uns gehen und nachdenken. Nachdenken, ob unsere Gesellschaft jenseits von Reichtum und Wohlstand, die ist, die wir wollen. Eine Welt in der nicht mehr miteinander gesprochen wird. Eine Welt, in der wir uns selbst, durch unser eigenes Verhalten zur Nummer degradieren. Nehmen wir den Fall des Bernd Wagner als Anstoß. Tun wir das nicht bald, so stehen wir vor einer Zukunft, die mit Sicherheit niemand möchte. Eine Zukunft voll Hass, Ressentiments und Unmenschlichkeit. Und in dieser Zukunft werden wir sehr alleine sein.