Das Gemeinschaftsgrab liegt im Trend

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Gemeinschaftsgrabanlagen prägen das Bild
von immer mehr Friedhöfen. Das ansprechend gestaltete
Gemeinschaftsgrab ohne Pflegeaufwand für Angehörige
erfüllt die Bedürfnisse einer mobilen Gesellschaft,
in der familiäre Bind
ungen nachlassen.

Königswinter, 26.09.2017 – Pflegefreie Gräber sind schon länger im Kommen.
Urnenwände, Rasengräber, Baumbestattungen oder auch Seebestattungen
erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. In diesen Trend reiht sich die Idee
des Gemeinschaftsgrabes ein. Es gibt zahlreiche und verschiedene
Gestaltungsmöglichkeiten und unterschiedliche Namen dafür. Gemeinsam
ist den Konzepten, dass es sich um Grabfelder handelt. Sie sind einheitlich
und oft parkartig gestaltet. Die Pflege der Grabstellen ist in den Kosten für
das Grab enthalten. Ausgeführt wird sie meist von Friedhofsgärtnern. Die
dort Bestatteten müssen in der Regel zu Lebzeiten in keiner Verbindung
zueinander gestanden haben.

Mein letzter Garten

Den Erfolg der Gemeinschaftsgrabidee zeigt der „Memoriam-Garten“ des
Bundes Deutscher Friedhofsgärtner. Das 2009 zum ersten Mal vorgestellte
Konzept wurde  bereits 75 Mal in ganz Deutschland umgesetzt. Auch
regional zeigt sich die positive Resonanz. So hat die Genossenschaft Kölner
Friedhofsgärtner innerhalb Kölns 14 und im Umland fünf
„Bestattungsgärten“ eingerichtet. Weitere sind geplant. Vorbildcharakter für
viele Friedhofsverwaltungen hat der Karlsruher Hauptfriedhof, auf dem
bereits 2003 „Mein letzter Garten“ eröffnet wurde. Durch die Hilfe von
Landschaftsarchitekten wurde  „Mein letzter Garten“ besonders und hat
mittlerweile  eine ganze Reihe verschiedener Anlagen mit
unterschiedlichen Themensetzungen.

Grabfeld für Rosenliebhaber, HSV- oder Schalke-Fans

Im Unterschied zur anonymen Beisetzung werden beim Gemeinschaftsgrab
die Namen der Verstorbenen genannt. Manchmal sind es individuelle, oft
aber eher einfach gehaltene Grabzeichen. Auch ein gemeinschaftliches
Grabmal ist möglich. Diesen Anlagen liegen oft eine besondere gärtnerische
Gestaltung zugrunde.  Es gibt auch thematische Ausrichtungen. Zum
Beispiel beim Grabfeld „Vier Jahreszeiten“ in Karlsruhe oder dem
„Rosengarten“ in Hamburg-Ohlsdorf. Manchmal ist die Thematik so speziell,
dass sie sich nur an kleine Gruppen wendet. In Gelsenkirchen und
Hamburg wurden Grabfelder für Schalke- bzw. HSV-Fans eingerichtet. Die
Gestaltung greift die Vereinsfarben und natürlich die Fußballsymbolik auf.

Das Gemeinschaftsgrab, eine sinnvolle Alternative?

Christoph Keldenich, Vorsitzender von Aeternitas e.V.,
der Verbraucherinitiative Bestattungskultur, sieht im Gemeinschaftsgrab
eine sinnvolle Alternative zur anonymen Beisetzung.

„Es stellt eine Lösung dar gerade für Menschen, deren Gräber keine Angehörigen
pflegen können, insbesondere wegen der veränderten Familienstrukturen und der
zunehmenden Mobilität der Bürger“,
 sagt er.

Dennoch gebe es einen namentlich gekennzeichneten, ansprechend
gestalteten Ort zum Trauern. Und wo Freundeskreise, Vereine oder andere
soziale Gemeinschaften zunehmend familiäre Bindungen ersetzen, verliere
das klassische Familiengrab an Relevanz.

Nach einem Text von Alexander Helbach für Aeternitas e.V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur