Kriseninterventionsteams: Was machen die eigentlich?

Wiener Pompfüneberer
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Foto: Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK)/ Siegfried Weinert

Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten, plötzliche Todesfälle nach akuter Erkrankung oder Suizid, der Verlust der Lebensgrundlage bei Naturkatastrophen oder Bränden sind traumatische Ereignisse, bei denen das Kriseninterventionsteam – kurz KIT genannt – zum Einsatz kommt.

Was macht das KIT, was ist seine Aufgabe?

Ein traumatisches Ereignis ist ein tiefer Einschnitt im Leben eines Menschen, dabei wird die Psyche der Betroffenen verletzt. Traumatisiert können überlebende Opfer, Angehörige, aber auch Zeugen und die professionellen Einsatzkräfte der Feuerwehr, Polizei, der Rettung oder der Bestatter selbst werden. Niemand ist davor gefeit. Krisenintervention ist psychische „Erste Hilfe“ in der Akutsituation, ein Rettungsdienst für die Seele also.

Wenn jemand plötzlich verstirbt, gibt es eine Reihe von Einsatzkräften, die gerufen werden: Der Notarzt, die Rettungskräfte, die Polizei, die Bestatter. Sie alle erfüllen ihre Aufgaben am Einsatzort und verlassen ihn, wenn sie ihren Dienst getan haben. Das Kriseninterventionsteam ist dazu da Menschen während und kurz nach außergewöhnlichen belastenden Ereignissen nicht alleine zu lassen und so lange bei ihnen zu bleiben bis weitere Schritte geklärt sind und das Auffangnetz sichergestellt ist. Ein traumatisches Ereignis versetzt Betroffene zunächst in einen Schockzustand, alles erscheint unwirklich, wie im Film, die Wahrnehmung und das Gefühlsleben verändern sich plötzlich gravierend, man kann nicht mehr klar denken und reagiert entweder wie betäubt oder mit extremer ungesteuerter Aktivität. Menschen sind in einem Ausnahmezustand, sie sind ihren Belastungsreaktionen hilflos ausgeliefert und fühlen sich auch hilflos und niedergeschlagen. Es ist wichtig, dass hier jemand ausschließlich für die Betroffenen da ist und diese nicht alleine lässt. Ziel der Krisenintervention ist es, die Bewältigungsmöglichkeiten der Personen zu aktivieren. Bei suizidgefährdeten Personen dient die Krisenintervention der kurzfristigen Stabilisierung und Zuführung zu weiteren Hilfseinrichtungen. Nach einem Todesfall hilft das KIT den Abschied vom Verstorbenen und die Anerkennung des Todes zu ermöglichen. Das unterstützt erfahrungsgemäß die ersten Schritte in einen gesunden Trauerprozess und das Wiedergewinnen der Handlungsfähigkeit.

Krisenintervention ist keine Therapie! Es ist eine kurzfristige Akutbetreuung noch mitten im Einsatzgeschehen bzw. kurz danach – sie schließt sozusagen das „Fenster“ zwischen dem traumatischen Ereignis und professioneller psychosozialer Nachbetreuung durch Notfallpsychologen, Psychotherapeuten und/oder Fachärzten für Psychiatrie.

Ins Leben gerufen wurde die Krisenintervention des Österreichischen Roten Kreuzes im Jahr 1999 nach der Lawinenkatastrophe in Galtür. Hier wurde bewusst, dass es nach einem solchen Ereignis mehr braucht als die Bergung von Toten und Verletzten durch Einsatzkräfte. Hier wurde auch klar, dass auch Hilfskräfte in extremen Einsätzen Hilfe brauchen. 1999 war auf tragische Art und Weise das Geburtsjahr der Notfallpsychologie und der Krisenintervention in Österreich. Derzeit stehen österreichweit rund 1.000 psychologisch geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung.

In den einzelnen Bundesländern werden jährlich zwischen 500 und 1000 Einsätze durch KIT-Teams betreut. Das KIT ist 24 Stunden erreichbar, mehrere Teams haben Bereitschaft. Ein Team besteht aus 2 psychologisch geschulten ehrenamtlichen Helfern (geschulten Laien, Psychologen, Sozialarbeitern, Sanitätern etc.), die  nach Alarmierung über die Einsatzzentralen der Rettung, der Feuerwehr, der Polizei oder über die Katastrophenschutzbehörde an den jeweiligen Einsatzort gerufen werden und vor Ort psychologische Erste Hilfe leisten. Sie sind an Unfallorten und in Krankenhäusern im Einsatz, sie unterstützen die Polizei beim Überbringen schlechter Nachrichten und betreuen Schulklassen, wenn ein Mitschüler plötzlich verstorben ist oder ein anderes schlimmes Ereignis die Lehrer einer Schule überfordert.

Wie wird man „KITler“ bzw. „KITlerin“?

Wer das Mindestalter von 25 Jahren erreicht hat und unbescholten ist, kann sich beim Österreichischen Roten Kreuz für die KIT-Ausbildung anmelden. Im Rahmen eines Auswahltages wird  festgestellt, ob die betreffende Person geeignet ist. Voraussetzungen sind Einfühlungsvermögen und psychische Belastbarkeit. Berufliche Erfahrung im sozialen Bereich ist von Vorteil, aber keine Voraussetzung.

Quellen:
http://www.roteskreuz.at
Hausmann, C.: Handbuch Notfallpsychologie und Traumabewältigung. Grundlagen, Interventionen, Versorgungsstandards (Facultas) Wien, 2003.

Foto:
Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK) –
Siegfried Weinert (Journalist) Emergency and
Public Health Consulter