Leben nach dem Tod – der Glaube der Juden

Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Das Leben auf der Erde ist das höchste Gut. So beschreibt es das Judentum und unterscheidet sich dabei grundlegend von allen anderen Kulturkreisen und Glaubensrichtungen.

Olam Haba
Schließlich bietet sich ja nur während des irdischen Daseins die einmalige Gelegenheit, jeden Augenblick sinnvoll, rechtschaffen, gerecht und gewinnbringend zu nutzen. Aber auch der Glaube an „Olam Haba“, die kommende Welt, gehört zu dem Glauben der jüdischen Religion. Gläubige Juden sind stets darauf bedacht, ihre 613 Gebote tatsächlich zu erfüllen. Sie leben ihren Glauben. Die Aufträge, die der Schöpfer ihnen erteilt, gilt es zu erfüllen.

Die Thora
Die Thora beschreibt die Vorstellung von einer heiligen, untadeligen und gerechten Gesellschaft. Ein gläubiger Jude versucht diese Gesellschaftsform wahr werden zu lassen und arbeitet unentwegt daran. Er lebt ausschließlich in der Gegenwart. Die Wunschvorstellung eines fernen Jenseits passt aus dieser Sicht nicht in das irdische Leben. Im pharisäischen Judentum wird die irdische Welt als eine Art Vorzimmer für die zukünftige Welt betrachtet. Gott hat sie den Menschenkindern gegeben, damit sie sich dort auf das Jenseits vorbereiten können. So sind beispielsweise nur jene brav, die stets Gutes tun und Reue empfinden. Jegliche Versäumnisse können im Jenseits nicht mehr nachgeholt werden. Wer aber dorthin kommt, kann mit einem wunderbaren Dasein rechnen. Ein Augenblick in der jenseitigen Welt soll tausendmal schöner sein, als alle diesseitigen Freuden.

Der Tod nimmt Licht und Leben
Der Tod wird als eine große Ungerechtigkeit oder Katastrophe angesehen, da der Mensch immer unerledigte Dinge zurücklassen muss. Sein einziger Vorteil besteht darin, dass er auch allen anderen Ungerechtigkeiten wie zum Beispiel Armut und Krankheit ein Ende setzt. Trotzdem ist der Tod ein großes Übel. Er nimmt Licht und Leben! Auch im Judentum wird die Frage nach dem Sinn irdischen Leids gestellt. Wie kann es sein, dass ein guter und gerechter Gott eine Welt erhält, in der immer ein derart ungerechtes Ende für uns vorgesehen ist. Nach dem jüdischen Glauben werde wir nach unserem Tod in das Jenseits gerufen. Erst trennen wir uns von allen materiellen Gütern und Titeln. Diese Dinge haben im Jenseits keinerlei Bedeutung mehr. Dann trennen wir uns von unserer Familie und von unseren Freunden. Sie begleiten uns nur noch bis zu unserem Grab. Das Einzige, das uns dann noch bleibt, sind unsere guten Taten. Sie sind unsere Fürsprecher, sobald wir vor unseren Schöpfer treten. Von ihm werden wir dann anhand unserer Taten gemessen. Wer stets gut und rechtschaffen war, wird belohnt. Diejenigen, die schlecht waren, erhalten im Jenseits ihre gerechte Strafe.

Der Messias und die kommende Welt
Im jüdischen Glauben wird die Ankunft eines Messias erwartet. Er soll uns von unseren Sünden reinwaschen und alle Seelen erlösen. Es handelt sich dabei um zwei unterschiedliche Zeitabschnitte. Wesentlich dabei ist, das „Olam Haba“, welches die kommende Welt – keinen bestimmten Ort -sondern eine besondere Ära beschreibt. Es wird zwar weiterhin ein irdisches Leben geben, aber Krankheiten, Schmerzen, Kriege, Verbrechen und Plagerei sind nicht mehr vorhanden. Alles wird ganz leicht und die Hauptaufgabe der Menschheit wird darin bestehen, die endgültige geistige Reife zu erlangen.
Nach dieser Vorstellung wird die Welt, wie wir sie kennen, zerstört. Im Folgenden wird sie über einen Zeitraum von 1000 Jahren in einer Art Ruhezustand verweilen und dann zu neuem Leben erweckt. Auch der Mensch wird neu erschaffen. Körper und Seele leben vollkommen in Harmonie und Einklang. Eingrenzungen jeglicher Art werden nicht mehr vorhanden sein. Die Schöpfung wird ihr höchstes Ziel erreicht haben und jede Realität wird mit Gott vereint sein. Das ist „Olam Haba“!