Lebenserwartung: Der Süden liegt vorn

Lebenserwartung

Je südlicher man wohnt, desto länger lebt man? Diese zumindest für die Nordhalbkugel gültige Erkenntnis des deutschen Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) legt nahe, dass die geografische Lage einen erkennbaren Einfluss auf die Lebensdauer hat. Aber es sind im Prinzip doch eher sozio-ökonomische Faktoren wie Bildung und Einkommen und die Verbesserung des Gesundheitssystems bzw. der medizinische Fortschritt, die die Lebenserwartung entscheidend beeinflussen. Etwaige meteorologische Vorzüge des Südens erhellen aber immerhin das Gemüt und können damit sicher auch leicht zu einer höheren Lebensdauer beitragen.

Die Lebenserwartung in Deutschland betrug im Jahr 2013 für neugeborene Jungen 78,0 Jahre und für neugeborene Mädchen 82,8 Jahre. Zum Vergleich: In Österreich liegt die Lebenserwartung bei der Geburt bei 79,2 Jahren für Jungen und 84,0 Jahren für Mädchen (Stand: 2014). Innerhalb von Deutschland besonders alt wird man statistisch gesehen in Süddeutschland. Baden-Württemberg ist bei beiden Geschlechtern Spitzenreiter. Schlusslichter sind das Saarland für Mädchen und Sachsen-Anhalt für Jungen. Insgesamt gesehen haben die Ost-West-Unterschiede stark abgenommen. 1995 lag die Lebenserwartung in Ostdeutschland immerhin noch zwei Jahre unter der in Westdeutschland, 2013 sind es nur noch neun Monate. Erstaunlich dabei: Bei den Männern sind die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Ost- und Westdeutschland mit rund 14 Monaten noch deutlich ausgeprägter als bei den Frauen, wo es nur noch zwei Monate sind.

Regional sind die Unterschiede beträchtlich. Statistisch gesehen haben neu geborene Jungen in folgenden Stadt- und Landkreisen die geringste Lebenserwartung: In Pirmasens beträgt sie 73,0 Jahre, in Hof 73,5 Jahre und in Emden 73,6 Jahre. Aussicht auf ein besonders langes Leben haben hingegen neugeborene Jungen in den Kreisen Starnberg (81,3 Jahre), München und Hochtaunuskreis (jeweils 80,9) und Böblingen (80,8). 

Auch für neugeborene Mädchen gilt: Der Süden verspricht besonders viele Lebensjahre. Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald haben Neugeborene mit 85,0 Jahren die höchste Lebenserwartung. Besonders hoch sind die Werte auch in Tübingen und Dresden (jeweils 84,7) sowie in München (84,6). Die niedrigsten Werte weisen hingegen Pirmasens (77,1), Emden (79,4) und Eisenach (79,5) auf.

Auf Ebene der Stadt- und Landkreise konnte die Studie des BBSR allerdings nicht vollständig erklären, wie es zu den regional unterschiedlichen Lebenserwartungen kommt. Dafür sind die Einflüsse offenbar zu komplex und die regionalstatistischen Daten zu begrenzt. Die Analysen zeigen jedoch, dass der Einfluss von sozio-ökonomischen Faktoren auf die regionalen Unterschiede der Lebenserwartung höher ist als z.B. der Grad der Gesundheitsversorgung, gemessen an Zahl der Hausärzte je 100 000 Einwohner.

Die regionale Verteilung von Bildungschancen, von qualifizierter Beschäftigung sowie von ökonomischen Belastungen bzw. sozialer Benachteiligung variieren in ähnlicher Weise wie die regionale Lebenserwartung. Die Lebenserwartung ist in den Regionen höher, in denen der Anteil sozial und ökonomisch schwacher Bevölkerungsgruppen gering und der Arbeitsmarkt günstig und attraktiv für hoch qualifizierte und kreative Arbeitnehmer ist. Dieser Zusammenhang ist für die Gruppe der Männer deutlicher als für Frauen.