Ostern – eine Reflexion des Glaubens

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Die Bedeutung und der Hintergrund des Osterfestes ist in der heutigen Zeit nicht mehr ganz so geläufig wie früher. Darum wollen wir an dieser Stelle mögliche Wissenslücken schließen und uns dem Thema Ostern mit persönlichen Gedanken dazu annähern.

Ostern geht auf das jüdische Pascha-Fest zurück, das in fast allen Ländern dieser Erde Ostern auch seinen Namen gibt. Deutschland und der angelsächsische Raum machen in der Namensgebung eine Ausnahme. Ostern oder Easter bedeuten „vom Osten her“. Im Altgermanischen stand „Austro/Ausro“ für Morgenröte, die ja von Osten her aufzieht.

An drei Tagen wird des Leidens Jesu gedacht, seines Todes am Kreuz und seiner Auferstehung.

Als ich zum ersten Mal das englische Wort Good Friday für Karfreitag hörte, machte ich ganz persönlich eine neue, vertiefende Glaubenserfahrung. Good Friday gegen Karfreitag. Hier das Schwere, Beklagenswerte, unsagbarer Schmerz. Etymologisch entstanden aus dem althochdeutschen kara oder chara: Wehklage, Trauer. Dort das viel leichtere „good“. Das Sterben und der Tod Jesu werden von seinem schier unglaublichen Ende her betont, der Auferstehung, einer Existenz in neuem Sein. Gloria in excelsis et in terra.

Neu ist die Erkenntnis unter Historikern und Theologen nicht, dass Jesus so naiv gewesen wäre, nicht zu wissen, auf welch grausame Weise er bei seinem Lebenswandel stürbe. War dieser doch reinste Provokation für das, was in der Passion ihm durch das offizielle Rom und Judentum widerfuhr. Er nannte Gott Väterchen. Redet also derart vertraut mit Gott, dass es exklusiver nicht geht. Natürlich stellt er sich in direkte Beziehung zu ihm. Ungeheuerlich, Gotteslästerung! In dessen Namen tritt er schließlich auf, stellt die öffentliche Ordnung in Frage, wendet sich in für seine Zeit hochrevolutionäre Weise den Frauen zu und klammert Geächtete nicht aus. „Wer ist dieser?“, fragen die Pharisäer und hören schließlich nur allzu gern als der Mob schreit: „Ans Kreuz mit ihm“. Ein Störenfried weniger. Gerichtet von Pontius Pilatus und dreifach verworfen durch die damaligen öffentlichen Autoritäten: den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten. Mal sehen, ob Engel ihm das Kreuz ersparen. Die Engel kommen nicht. Er Voll-Macht Gottes schreit angstvoll seine Qual hinaus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Auch wenn er es besser wusste, am Kreuz sterben wollte Jesus nicht. Er wollte, dass das Reich Gottes schon jetzt auf Erden begänne mit einem tiefen Glauben an den, der er liebend Vater nennt. Ein Reich, in dem das Gute das Böse besiegt. Gerechtigkeit und Friede herrscht mit Hoffnung und Trost, wenn die Seele sich quält. Seine Gleichnisse von Mut, Vertrauen und Zuversicht sprechen Bände.

Unter dem Kreuz Jesu stehen seine Mutter, Maria Magdalena und andere Frauen (!). Zudem einige Jünger. Kein großer Kreis. Manche machten sich gleich auf und davon. Es ist die Stunde größten Leids. So wie es uns überschüttet beim Tod eines geliebten Menschen, wenn auch weniger dramatisch und brutal. Obwohl – wie oft zeigt er sich unbarmherzig und rücksichtslos. Immer nimmt er die Zurückgebliebenen mit hinein in die Dimension des Sterbens von Ohnmacht, Trauer, Wut, Verlassenheit, Schwäche, Schuld und Lähmung jeglicher Aktion.

Jesus steigt nicht vom Kreuz. Gott hält sich offensichtlich zurück. Offensichtlich oder scheinbar? Jedenfalls kann von großer Zumutung des Gottesglaubens gesprochen werden angesichts des Kreuzes und angesichts dessen, was unserer Erde, dem Kosmos, ehemals Sitz des Heiligen und der Götter, inzwischen angetan wird. Wo erklingt denn noch das anfangs erwähnte Gloria. Im Himmel? Vielleicht. Aber auf Erden?

Vom Himmel können wir nur spekulieren. Aber unsere Spekulation ist begründet. Sie ist keinesfalls wie das Setzen auf Zahl beim Spiel, in der Hoffnung, dass sie käme und dadurch ein Gewinn mit dessen Ausschüttung die Erfüllung lang gehegter Wünsche einherginge. Unser Glaubensgrund steht in Jesus. Er ist, was uns trägt. Seine Existenz führt uns zu Gott. Böses hin oder her. An Jesus scheiden sich die Geister. Mehr als durch Wunder zieht er die Menschen heute durch seine Lehre und die Konsequenz seines Lebens und Sterbens in den Bann.

Frauen (!) bezeugen als Erste das leere Grab. Erst danach erfahren die Jünger das Wunder der Auferstehung, „sehen“, „erkennen“ ihn, weil er das Brot mit ihnen bricht wie zu Lebzeiten. Jetzt knickt der zweifelnde Thomas ein: „Mein Herr und mein Gott“ und jetzt dürfen wir mit der Auferstehung Jesu unsere eigene Auferstehung verbinden. Auferstehen bedeutet, dass der Tod nicht das Ende ist. Versichert sind wir durch Jesus Christus. Die von ihm gegebene Police ist keine Mogelpackung, weil unterschrieben mit seinem Blut. „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“ spricht er sterbend einem Mitgekreuztigten zu. Nur Voll-Macht Gottes kann er so ein Versprechen machen: Tod ist Übergang zu neuem Leben. Wohl auch kaum ein Trick seiner Jünger. Ihr Bekenntnis zum auferstandenen Christus konnte ja ebenfalls ihren sicheren Tod bedeuten. Sie MUSSTEN davon reden, dass der Tod besiegt, sein Stachel genommen ist, weil sie es erfahren haben. In innerster Tiefe, dort wo Glauben sicheres Wissen ist. Deswegen feiern wir Ostern und singen laut das am Karfreitag verstummte Gloria. Deswegen glauben wir Christen an die Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben, denn: „Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem lebt Gott und er bleibt in Gott“. 1. Johannesbrief Kapitel 4 Vers 15 (1Jh.4.15)