Sonderausstellung über die Ungewissheit des Todes

Sepulkralmuseum Kassel
Sepulkralmuseum Kassel

Das Phänomen des Scheintods spielte bereits in der Antike eine Rolle, aber erst vom 17. bis ins 19. Jahrhundert im Zeitalter der Aufklärung grassierte eine regelrechte Angst, lebendig begraben zu werden und letztlich verzweifelt im Grab aufzuwachen. Diese Problematik regte nicht nur Wissenschaftler und Ärzte zu bizarren Experimenten an, es veranlasste auch skeptische Erfinder zu skurrilen Konstrukten.

Dieses ungewöhnliche Thema hat sich das Museum für Sepulkralkultur in Kassel in seiner neuesten Sonderausstellung „Vita Dubia. Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden“ vorgeknöpft. Ab 8. Oktober bis 16. April 2017 können Besucher in diese Thematik eintauchen. Konzipiert und entwickelt wurde die Ausstellung von Uta Bieger, Volker Böhm und Raik Evert vom Büro für Wissenarchitekturen h neun Berlin.

Historische Entwicklung

In der Ausstellung werden viele Fragen behandelt: Wann ist der Mensch tot? Wie ist die Grenzlinie zwischen Leben und Tod zu definieren? Wie wandelte sich diese Definition in der historischen Entwicklung? Von der Antike bis ins 18. Jahrhundert galten gemeinhin sehr einfache Zeichen als Indizien für den Eintritt des Todes: War etwa kein Herzschlag und kein Puls mehr zu fühlen, blieb eine Flaumfeder bewegungslos auf dem Mund liegen oder beschlug ein Spiegel nicht durch die Atmung, wurde der Betreffende für tot gehalten.

Im Zuge der Aufklärung entbrannte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts geradezu epidemisch eine Furcht der Menschen davor, lebendig begraben zu werden. Neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse und technische Errungenschaften brachten die alten Gewissheiten über die Grenze zwischen Leben und Tod ins Wanken. Es folgte eine weit auch über die Fachkreise hinausgehende gesellschaftliche Diskussion über den Zwischenzustand, den „Scheintod“. Die Angst davor, lebendig begraben zu werden, grassierte.

Eine der Folgen war die Errichtung des ersten Leichenhauses auf dem Jacobskirchhof in Weimar 1792 mit der Inschrift „Vitae dubiae asylum“, Haus des zweifelhaften Lebens. 
Die zutiefst beunruhigende Problematik des Scheintods regte nicht nur Ärzte und Wissenschaftler zu bizarren Experimenten an und veranlasste skeptische Erfinder zum Bau skurriler Rettungsapparate. Es entfachte sich beispielsweise auch eine Debatte darüber, welche Hinrichtungsmethode humaner sei: Köpfen oder Hängen? Gleichzeitig löste die weit verbreitete Verunsicherung einen kreativen Impuls aus. Denn auch Schriftsteller und Dichter beschäftigten sich intensiv mit dem Thema. Besonders faszinierend beschrieb damals Edgar Allen Poe seine Scheintod-Ängste.

Fünf Themenräume

Das Phänomen Scheintod wird in der Sonderausstellung in fünf Themenräumen beleuchtet – vom Beginn der Scheintod-Debatte rund um den Arzt Christoph Wilhelm Hufeland über die damaligen Experimente und Forschungsergebnisse bis hin zu skurrilen Rettungsapparaten und anderen Erfindungen. Die Räume sind facettenreich inszeniert und machen mittels Installationen, Hörstationen, historischen Grafiken/Kupferstichen, Exponaten und Groß-Projektionen das komplexe Phänomen rund um die Scheintod-Debatte erleb- und erfahrbar und werfen – in einem finalen Ausblick – Fragen bis in die heutige Zeit auf.

Museum für Sepulkralkultur
Weinbergstraße 25-27, 34117 Kassel
Di 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr, Do-So 10-17 Uhr

www.sepulkralmuseum.de