Sterbehilfe: Giftcocktail für Bundesliga-Legende

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s.media_pixelio.deDas Drama um den verunglückten niederländischen Prinzen Friso hat vor wenigen Wochen in Österreich die Debatte um die Sterbehilfe neu entfacht (siehe: http://bit.ly/A4xtuM ). Nun werden die Diskussionen über den freiwilligen Abschied und die (aktive) Sterbebegleitung auch an deutschen Stammtischen aufflammen.

Schließlich war es nicht irgendwer, der sich am Montagabend in der Schweiz einen „Giftcocktail“ verabreichen ließ und damit bewusst aktive Sterbehilfe in Anspruch nahm. Es war der 9-fache deutsche Nationalspieler Friedhelm „Timo“ Konietzka, der sich am 24. August 1963 unsterblich machte, als er im Spiel Dortmund gegen Bremen das erste Tor der neu gegründeten Bundesliga schoss.

Konietzka: „Von Qualen erlöst“

Der Schweizer Boulevard-Zeitung „Blick“ zufolge soll der unheilbar Kranke Konietzka – im Beisein von Vertretern der Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit – gegen 19 Uhr „friedlich“ eingeschlafen sein. Zuvor habe der 73-Jährige noch ein Bier getrunken und seine Enkel gesehen. Konietzka hatte Ende 2011 eine Herzattacke überstanden und sich bereits seit langem mit dem Thema Sterbehilfe auseinandergesetzt. Sein Motto: „Wenn einer sterben will, dann möchte er nicht mehr leben. Das muss man akzeptieren“.

Im vergangenen Monat wurde bei Konietzka dann Gallenstein-Krebs diagnostiziert. Nach mehreren Operationen hatte sich Konietzka daraufhin entschieden, nicht mehr gegen die Krankheit ankämpfen zu wollen. In seiner Todesanzeige dankte Konietzka posthum der Sterbehilfeorganisation Exit dafür, dass sie ihn von seinen „Qualen erlöst und auf dem schweren Weg begleitet haben“. Konietzka hatte Exit seit Jahren öffentlich unterstützt und war Botschafter der Organisation.

Sterbehilfe boomt

In der Schweiz ist die (aktive) Sterbehilfe – anders als in Österreich und Deutschland – erlaubt. Und bei den Eidgenossen boomt die Sterbehilfe: Die zwei bekannten Sterbehilfeorganisation Dignitas und Exit haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Menschen in den Tod begleitet als im Jahr davor. Bei Dignitas waren es laut Auskunft der Zürcher Kantonspolizei 144 Menschen (plus 35 Prozent) – davon lediglich 5 Schweizer. Exit begleitete 2011 über 300 Menschen in den Tod (2010: 257).

Die meisten von ihnen litten an Krebs, schreibt die SonntagsZeitung. Das Durchschnittsalter der Sterbenden war mit 79 Jahren so hoch wie nie zuvor. Während Exit seine Dienste nur Bürgern mit Wohnsitz in der Schweiz anbietet, kann Dignitas auch von Nicht-Schweizern in Anspruch genommen werden.

Friedhelm „Timo“ Konietzka

Geboren am 2. August 1938 in Lünen, begann Friedhelm „Timo“ Konietzka seine fußballerische Laufbahn beim VfB 08 Lünen. Später wechselte er zu Borussia Dortmund. Für den BVB und 1860 München bestritt Konietzka insgesamt 100 Bundesligaspiele und schoss 72 Tore. Für die Nationalmannschaft lief er insgesamt 9 Mal auf. Als Trainer des FC Zürich wurde Konietzka dreimal in Folge Schweizer Meister (1974–1976) und erreichte 1977 das Halbfinale des Europapokals der Landesmeister, wo die Mannschaft gegen den FC Liverpool verlor. Weitere Trainerstationen (u.a.): Borussia Dortmund, Bayer Uerdingen, Young Boys Bern und Grasshoppers Zürich. Später betrieb Konietzka zusammen mit seiner Frau Claudia ein Gasthaus am Vierwaldstättersee. Am 12. März 2012 starb Konietzka 73-jährig im schweizerischen Brunnen am Vierwaldstättersee.

Weiterführende Links:

Wikipedia-Artikel Timo Konietzka
http://de.wikipedia.org/wiki/Timo_Konietzka

Blick-Bericht über Sterbehilfe für Konietzka
http://www.blick.ch/sport/fussball/ein-bier-und-nochmal-die-enkel-sehen-id1804580.html

Sterbehilfe boomt
http://www.sonntagszeitung.ch/suche/artikel-detailseite/?newsid=207531

Prinz Friso und Sterbehilfe in Österreich
http://www.aspetos.at/news/index.php/lebensbegleitungsterbebegleitung/874-drama-um-prinz-friso-entfacht-debatte-um-sterbehilfe-in-oesterreich-neu