Tipps für Trauernde

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Man lernt mit dem Verlust umzugehenIn Ihrem Umfeld ist jemand gestorben, der Ihnen etwas bedeutet. Ein solches Ereignis geht nicht spurlos vorbei und es ist notwendig, sich damit auseinanderzu setzen. Die Erfahrung von vielen Menschen in einer ähnlichen Situation zeigt, dass die Trauer von der Stärke her abnimmt und die Durchhänger weniger werden, dass es jedoch nie mehr wird wie früher. Man lernt mit dem Verlust und der Trauer umzugehen und zu leben.
Auf derartige Ereignisse, welche auch traumatische Ereignisse genannt werden, kann es in der Zeit
danach zu unterschiedlichen Reaktionen kommen:

– Ungewolltes Wiedererleben – in Gedanken, belastenden Erinnerungen, Emotionen beim
Erinnern, Träume, plötzliche Bilder, Gerüche, Geräusche, …
– Vermeidung – von Personen, Orten, Dingen, Situationen, die an das Ereignis erinnern, Probleme
über bestimmte Erlebnisse zu sprechen, Rückzug von anderen Menschen, …
– Erregung – Aggressionen, Ängstlichkeit, Nervosität, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, …

Derartige Reaktionen sind nach so einem Ereignis normal! Es sind „normale Reaktionen auf ein unnormales Erlebnis“ und sie vergehen meist nach einiger Zeit, wenn man das Geschehen angemessen verarbeitet. Scheuen Sie sich nicht davor, ein strukturiertes, angeleitetes Gespräch über das Ereignis mit einer Fachperson zu führen, die individuelle Fragen beantworten und Vorfälle während dem Geschehen erklären kann. Durch ein Gesprech mit einem Experten/einer Expertin können Sie Belastungsreaktionen besser abfangen und reduzieren.

Am Anfang werden Sie möglicherweise gefühlstaub sein und nicht oder nur schwer weinen können. Das liegt an dem Zustand des Schocks und der Betäubung der ersten Trauerphase (Vgl. Kapitel „Trauer, was ist das?“). Das ist ein psychischer Schutz, der grade am Beginn des Verarbeitungsprozesses wichtig ist. Nach einigen Stunden oder Tagen legt sich diese Gefühlstaubheit für gewöhnlich und starke Gefühle können aufbrechen. Lassen Sie diese Gefühle immer dann zu, wenn Sie sie spüren. Trauer muss raus: Weinen Sie, wenn Sie das Bedürfnis danach haben.

Sie sollten versuchen, sich in nächster Zeit keinem zusätzlichen Stress auszusetzen, sondern alles das tun, was Ihnen bewusst gut tut, was sie wirklich gern tun wollen!

Wenn Sie sonst auch Sport betreiben, körperlich aktiv sind oder sich schon bisher mit Entspannungs-Techniken beschäftigt haben, so hilft Ihnen dies jetzt ganz besonders Stresshormone abzubauen.

Versuchen Sie den normalen Alltag wieder herzustellen und all das zu machen, was sie auch vor dem Vorfall taten.

Vermehrter Alkoholkonsum löst Depressionen aus oder verstärkt die depressive Symptomatik. Trinken Sie nach Möglichkeit keinen Alkohol, zumindest aber achten Sie darauf, dass Sie nicht mehr trinken als gewöhnlich! Wenn Sie das alleine nicht schaffen, scheuen Sie sich nicht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn Sie das Gefühl haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren und dass Ihr Leben und Ihre Reaktionen unkontrollierbar geworden sind, dann machen Sie sich einen Tagesplan, den Sie die nächsten 2 Wochen strikt einhalten: Stehen Sie immer zur selben Zeit auf und gehen Sie zur selben Zeit schlafen, essen Sie 3 mal am Tag zu fixen Zeiten. Wenn Sie keinen Appetit haben, essen Sie wenigstens ein paar Bissen! Sie werden bald bemerken, dass Sie durch die Strukturiertheit des Alltags wieder ruhiger werden und Kontrolle bekommen.

Vermeiden Sie ihr soziales Netz (Freunde, Bekannte, …) nicht, auch wenn es momentan
durch Fragen, Interesse, Mitleid, usw. womöglich belastend ist.

Reden über das Vorgefallene hilft! Sprechen Sie mit Personen, denen Sie Vertrauen, über das, was Sie erlebt haben, über den Verlust und über das, was dieser Verlust für Sie bedeutet.

Sollten, aus welchem Grund auch immer, Schuldgefühle auftreten, verwechseln sie dies nicht mit
Schuld! Man kann Schuldgefühle haben, ohne schuld zu sein. Trauernde haben nach einem Verlust fast immer das Gefühl, für die verstorbene Person zu wenig getan zu haben oder etwas nicht gesagt zu haben!

Wenn Sie Schuldgefühle haben, weil Sie sich jetzt denken, dass Sie den Todesfall verhindern hätten können, wenn Sie sich anders verhalten hätten, dann versuchen Sie sich klar zu werden, was Sie zum Zeitpunkt des Geschehens tatsächlich wussten und tun konnten. Bei Bedarf reden Sie darüber mit einer psychologischen Fachkraft.

Sollten Sie sich über längere Zeit durch Reaktionen (Schlafstörungen, Reizbarkeit, plötzliche
Erinnerungen usw.) in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen, scheuen Sie sich nicht
psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn die Schlafstörungen länger als 3 Wochen anhalten und nicht besser werden, dann suchen Sie eine psychiatrische Ambulanz oder einen niedergelassenen Psychiater auf. Der Facharzt wird Ihnen nach eingehender Untersuchung ein Medikament verschreiben, das Sie wieder schlafen lässt, ohne dass Sie davon abhängig werden und ohne, dass der Verarbeitungsprozess medikamentös blockiert wird.

Die Verarbeitung eines derartigen Geschehens braucht einfach einige Zeit, weil Sie
a) das Geschehene anerkennen und realisieren müssen
b) das Geschehene emotional akzeptieren müssen und
c) Sie das Geschehene in ihr Leben integrieren müssen.

Ein hilfreiches Bild für den Verarbeitungsprozess:

Stellen Sie sich das, was Sie erlebt haben, den Verlust vor wie ein Monster. Das Monster bricht in Ihr Leben ein. Sie kennen es nicht, Sie wollen es nicht in Ihrem Leben haben und trotzdem ist es da. Sie können jetzt versuchen, dieses Monster zu vergessen oder es zu verleugnen (das wären so genannte „passive Bewältigungsstrategien“). Wenn Sie sich passiv verhalten, dann wird das Monster trotzdem da bleiben, aber Sie lernen es nicht kennen. Ein Monster, dem ich nicht ins Gesicht schaue und das ich nicht kenne, wird unkontrollierbar bleiben und mich immer hinterrücks überfallen. Versuchen Sie daher, das Monster bewusst in Ihr Leben zu integrieren, lernen Sie es kennen, schauen Sie es sich genau an, beschäftigen Sie sich damit (das sind „aktive Bewältigungsstrategien“). Sagen Sie: Ich hab dich nicht eingeladen, aber jetzt bist du da, versuchen wir das Beste draus zu machen. Das tut zwar weh, aber Sie werden das Monster kontrollieren lernen.

Dr. Christine Pernlochner-Kügler und Dr. Markus Ploner