Trauer und Behinderung

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images/stories/News/179385_r_k_by_viktor-schwabenland_pixelio.de.jpg“Sie verstehen es eh nicht!” Trauer und Behinderung

Menschen mit geistiger Behinderung haben besondere Bedürfnisse, – vor allem natürlich dann, wenn sie einen wichtigen Menschen durch den Tod verlieren. Das Thema “Trauer und Behinderung” ist allerdings kaum untersucht, Fachbücher dazu, lassen sich an einer Hand abzählen. In den Betreuungseinrichtungen ist das Thema neu, wird aber vermehrt diskutiert.

Familien “vergessen” ihre behinderten Mitglieder häufig, wenn ein Familienmitglied stirbt und so werden Behinderte aus den Trauerritualen und den Trauerfeierlichkeiten ausgeschlossen. Häufig wird ihnen gar nicht mitgeteilt, wenn jemand gestorben ist. “Sie verstehen es eh nicht!”, heißt es dann. Oder: “Wir wollen sie damit nicht belasten.” Egal wie schwer eingeschränkt geistig behinderte Menschen sind, sie leben nicht im Vakuum. Wenn eine wichtige Bezugsperson stirbt, dann ändert sich etwas in ihrem Leben: “Niemand kümmert sich mehr um die Fahrmöglichkeit, um Mutter im Krankenhaus zu besuchen. Plötzlich ist ein neuer Mitarbeiter da und niemand spricht mehr vom früheren, der plötzlich verschwunden ist. Großmutter schickt keine Geschenke mehr oder kommt nicht mehr zu Besuch …
Und damit erfährt der Mensch einen Verlust und zwar einen Verlust, den er nicht versteht, weil er unerklärbar ist.”

Der Ausschluss von den Trauerfeierlichkeiten der Familie unterstreicht das Gefühl behinderter Menschen anders zu sein und nicht dazuzugehören. Sie erleben außerdem, dass der Tod ein Tabuthema ist und nicht darüber gesprochen werden darf. Damit bleiben sie mit ihrer Angst und Trauer alleine. Gefühle werden blockiert und pathologische Trauer wird begünstigt.Trauer ist keine Krankheit, Trauer ist eine angeborene Reaktion des Menschen, um Verlusterlebnisse zu bewältigen.Das heißt, dass wir durch die Trauer hindurch müssen, um gesund aus ihr hervorzugehen. Das gilt für alle Menschen, auch für Behinderte.

Buchtipp:

Charlene Luchterhand/Nancy Murphy: Wenn Menschen mit geistiger Behinderung trauern.  Juventa Verlag (Weinheim) 2007. 2. Auflage. 120 Seiten. ISBN 978-3-7799-2027-4. 14,90 EUR.

Dr. Christine Pernlochner-Kügler