Trauernde, die bemitleidenswerte Spezies Mensch

In den Medien finde ich immer wieder Artikel über trauernde Menschen. Einerseits freue ich mich, wenn das Tabuthema Trauer ans Licht gerückt wird. Andererseits habe ich Probleme mit dem Bild, welches da gezeichnet wird. Es schaut fast immer so aus:

Aus dem Blog: ohyouknowthatiddoanythingfo-blog.tumblr.com/

JA, das ist ein Teil der Trauer. Und es ist nicht DIE TRAUER.

Ich treffe selten Menschen an, die in ihrer Opferrolle oder in ihrem Leid verharren.
Trauer ist körperliche, seelische und psychische Arbeit – ohne, dass die Trauer abgearbeitet werden kann. Ein bisschen wie Sisyphos. Und dann sehr langsam ist eine Erleichterung des Steines spürbar – und dann plötzlich wird er wieder untragbar schwer. Dieses Hin und Her, diese scheinbare Unendlichkeit des Schmerzes, die unterschiedlichsten Gefühlseinbrüche, all das, was Trauer mit sich bringt, hat nichts mit Leiden und armen, bemitleidenswerten Menschen zu tun.

Auch wenn ich jeden Trauerschmerz heilsam finde, so haben diese Menschen mein Mitgefühl UND meine Bewunderung.
Viele hören, wie stark sie sind – und doch dürfen sie schwach sein, ohne das MitLEID auf sich zu ziehen. Dieses MitLEID wollen die wenigsten.

Vielmehr brauchen Trauernde den Mut der Anderen zuzuHÖREN, was sie zu sagen haben, auch wenn das unheimlich weh tut (den Hörenden und den Sprechenden). Trauernde brauchen die AusDAUER ihrer Mitmenschen dabeizubleiben, wenn es so endlos ist. Trauernde brauchen das MitGEFÜHL, wenn sie von ihren Gefühlen überschwemmt werden. Trauernde brauchen sehr individuell das, was im MOMENT gerade ein ganz klein bisschen den Stein des Sisyphos erleichtert. Erzählen dürfen, zweifeln dürfen, Klagen dürfen, weinen dürfen, lachen dürfen, Gefühle benennen und leben dürfen, eben in der Trauer mit all ihren Facetten sein zu dürfen. Dafür braucht es ein STARKES UMFELD.
Trauernde brauchen kein MitLEID, sondern die Stärke des Umfelds, damit sie auch ihre Schwäche leben können. Wenn jedoch in den Medien immer wieder auf das Leid aufmerksam gemacht wird, schüren wir das MitLEIDen und das finde ich nicht den passenden Weg.

Können wir als Umfeld stark sein, damit sich Trauernde auch trauen, ihre Ohnmacht, Hilflosigkeit, Traurigkeit, Ängste und auch ihre Freuden mitzuTEILEN?

Vielleicht konnte ich mit diesem Text Ihre Aufmerksamkeit für einen anderen Aspekt der Trauer gewinnen.
Astrid Bechter Boss