Erste Schritte in einem Trauerfall

Bestattung – Beerdigung – Beisetzung

Im Volksmund werden die Begriffe Beerdigung, Beisetzung und Bestattung häufig gleichgesetzt. Genau genommen beschreiben sie allerdings unterschiedliche Dinge. Mit dem Wort Beerdigung ist gemeint, dass der oder die Verstorbene in einem Sarg ins Grab hinabgelassen wird, wie bei einer klassischen Erdbestattung. Der Begriff Beisetzung wird dagegen eher im Fall von Feuerbestattungen verwendet, bei denen die sterblichen Überreste – auch Totenasche genannt – nach der Kremation in einer Urne aufbewahrt werden. Der Begriff Bestattung bezieht sich zusätzlich auch auf Rituale wie die Trauerfeier oder die Aufbahrung und ist somit der umfassendste von den dreien.

 

 

Was muss ich alles tun nach einem Trauerfall?

Stirbt ein geliebter Mensch, so steht verständlicherweise zunächst einmal das Gedenken, das Trauern im Vordergrund. Doch leider darf man trotz des Schocks und des Schmerzes die notwendigen bürokratischen Formalitäten nicht außer Acht lassen, die ein Todesfall mit sich bringt. Denn die nächsten Angehörigen eines Verstorbenen sind unmittelbar nach dessen Tod gesetzlich verpflichtet, in vielerlei Hinsicht zu handeln. Doch was genau muss sofort angepackt werden und was hat noch ein wenig Zeit? Was muss nach einem Sterbefall alles beachtet werden?

Wir haben für Sie im Folgenden aufgeführt, was die engsten Angehörigen nach einem Todesfall nacheinander alles in die Wege leiten müssen:

 

Arzt benachrichtigen

Wenn der Tod in den heimischen vier Wänden eingetreten ist, müssen Sie als erstes einen Arzt verständigen, der autorisiert ist zur Totenbeschau. Ist der oder die Angehörige im Krankenhaus oder Pflegeheim verstorben, übernimmt die jeweilige Einrichtung diesen ersten Schritt. Der Arzt muss den Verstorbenen untersuchen, die Todesart (natürlich/unnatürlich), die Todesursache und den Todeszeitpunkt feststellen und wichtige Dokumente (Todesbescheinigung und Leichenbegleitschein) ausfüllen. Die Todesbescheinigung dient der Anzeige des Todesfalls beim Standesamt und ermöglicht dem Bestattungsunternehmen die Durchführung der Bestattung.

 

Persönliche Unterlagen heraussuchen

So schnell wie möglich sollten Sie als enger Angehöriger auch alle relevanten Dokumente und Unterlagen des Verstorbenen griffbereit haben. Zu diesen Schriftstücken zählen der vom Arzt ausgestellte Totenschein, der Organspendeausweis, Verfügungen des Verstorbenen (Wünsche für die Bestattung, Vorsorgevertrag, Testament etc.), sein Personalausweis, die Geburtsurkunde, die Heiratsurkunde sowie die Versicherungsunterlagen. Bei geschiedenen und/oder verwitweten Verstorbenen werden auch das Scheidungsurteil bzw. die Sterbeurkunde des Ehepartners benötigt.

 

Bestattung organisieren

Familienangehörige haben die Pflicht, die ordnungsgemäße Bestattung des Verstorbenen innerhalb der gesetzlichen Frist sicherzustellen. In Österreich muss dies in der Regel zwischen 48 und 96 Stunden nach dem Eintritt des Todes geschehen. Zur Bestattungspflicht gehört die Wahl bzw. die Beauftragung (womöglich besteht schon ein Vorsorgevertrag) eines Bestattungsunternehmens mit dem gewünschten Leistungsumfang, die Entscheidung über die Art und den Ort der Beerdigung und die Wahl der Grabstätte, des Sarges oder der Urne. Die Bestattungspflicht gibt auch vor, wer von den nächsten lebenden (und volljährigen) Angehörigen für die Bestattung zuständig ist. Hier kann man sich an dieser Reihenfolge orientieren: Ehepartner, eingetragene Partner, Lebensgefährten, Verwandte und Verschwägerte einschließlich der Verwandten der eingetragenen Partner, Geschwister und deren Kinder.

 

Arbeitgeber, Ämter und Versicherungen informieren

Wichtig ist es auch, den Arbeitgeber des Verstorbenen zeitnah zu informieren. Selbiges gilt auch für den eigenen Arbeitgeber. Denn beim Tod von nahen Angehörigen (Eltern, Geschwister, Kinder) haben viele Angestellte Anspruch auf Sonderurlaub. Darüber hinaus müssen Sie schnellstmöglich das Sozial- und das Finanzamt sowie die Versicherungsgesellschaften kontaktieren, mit denen der oder die Verstorbene Verträge abgeschlossen hat. Die meisten Versicherungsverträge enthalten sehr kurze Fristen. Daher sollten Sie unmittelbar nach dem Tod eruieren, welche Versicherungen bestehen und informiert werden müssen. Wenn der Todesfall zu spät gemeldet wird, kann es passieren, dass der Versicherungsanspruch verloren geht und die Versicherung sich weigert, der Versicherungssumme auszuzahlen.

So müssen z.B. die Sterbegeldversicherung und die Lebensversicherung unverzüglich informiert werden, da sie unter Umständen die Todesursache überprüfen lassen wollen. Handelt es sich um einen Unfalltod, muss die Unfallversicherung im Normalfall innerhalb von 48 Stunden benachrichtigt werden. Bei anderen Versicherungsformen kann man sich dagegen einige Tage Zeit lassen, um den Verstorbenen beispielsweise bei der Kranken- oder Pflegeversicherung abzumelden.

 

Sterbeurkunde beantragen

Bei Todesfällen ist die Sterbeurkunde ein sehr wichtiges Dokument, das man bei verschiedenen Stellen benötigt, z.B. bei Banken, Versicherungen oder beim Nachlassgericht zur Erstellung des Erbscheins. Daher sollte man sich von der Sterbeurkunde fünf bis zehn Original-Exemplare erstellen lassen. Beantragt werden muss sie innerhalb von drei Tagen nach dem Tod beim Standesamt, in dessen Bezirk der Angehörige verstorben ist. Zur Beantragung benötigt man einige Unterlagen wie den Personalausweis des Verstorbenen, seine Geburtsurkunde, den Totenschein und – abhängig vom Familienstand – die Heiratsurkunde, das Scheidungsurteil oder die Sterbeurkunde des bereits verstorbenen Ehepartners. Falls die benötigten Dokumente nicht komplett vorhanden sind, können Sie oder der von Ihnen beauftragte Bestatter auch eine Abschrift aus dem Familienbuch beim zuständigen Standesamt besorgen.

 

 

Nachlassabwicklung über das Verlassenschaftsgericht

Die Themen Nachlass und Erbe stehen natürlich auch weit oben auf der Agenda. Das automatisch eröffnete Verlassenschaftsverfahren bildet die Basis des österreichischen Erbrechts. So läuft es ab: Das Verlassenschaftsgericht beauftragt einen örtlich zuständigen Notar, sich um Nachlass und Erbe zu kümmern. In seiner Funktion als sogenannter Gerichtskommissär übernimmt er die Aufgabe eines Testamentsvollstreckers und wickelt die Erbschaft ab. Er fertigt ein Nachlassverzeichnis (Aufstellung der Aktiva und Passiva) an, holt hierfür Auskünfte von Banken und Behörden ein und macht Grundbuchabfragen. Zudem ermittelt er die (möglichen) Erben und klärt mit diesen, ob sie die Erbschaft annehmen wollen oder nicht. Dazu geben die Erben eine Erbantrittserklärung ab. Ist unklar, ob der Nachlass überschuldet ist, können die Erben die Erbschaft auch „bedingt antreten“. Von Erbenseite ist es überaus ratsam, für das oftmals komplizierte Verfahren einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen.

Erst wenn der Notar mit der Abwicklung des Nachlasses fertig ist und wenn mögliche Erbstreitigkeiten geklärt sind, wird das Vermögen an die Erben übertragen. Dazu muss das Verlassenschaftsgericht mit dem sogenannten „Einantwortungsbeschluss“ formell festlegen, welchen Personen das Nachlassvermögen zusteht. Dieses Dokument wird vom Bezirksgericht ausgestellt und persönlich zugestellt. Es dient dem Erbberechtigten als Nachweis für seine Erbenstellung und ermöglicht ihm bei allen Ämtern und Behörden, aber auch bei Bank- und Kreditinstituten den Zugang zum Vermögen des Verstorbenen.

 

Verträge kündigen

Die meisten Verträge enden nicht automatisch mit dem Todesfall. Sie müssen also von Angehörigen gekündigt werden, nachdem sie sich einen Überblick verschafft haben. Hierzu zählen der Mietvertrag, Verträge für Energie und Wasser, Rundfunkgebühren und sämtliche Verträge mit Telekommunikationsunternehmen, aber auch Vereinsmitgliedschaften oder Abonnements.

Nach dem Tod des Mieters bekommen sowohl der Vermieter als auch die Erben ein besonderes Kündigungsrecht unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungstermine und der gesetzlichen Kündigungsfrist. Fällt der Mietvertrag unter das Mietrechtsgesetz (MRG), treten nach dem Tod des Hauptmieters folgende Personen in den bestehenden Mietvertrag ein: Verwandte in gerader Linie (Kinder, Enkel, Eltern), Ehepartner, Wahlkinder, Geschwister und Lebensgefährten. Voraussetzung: Sie müssen zum Zeitpunkt des Todes mit dem Hauptmieter im gemeinsamen Haushalt gelebt haben. Außerdem müssen sie ein dringendes Wohnbedürfnis nachweisen. Wenn sie nicht in den Vertrag eintreten wollen, müssen sie das binnen 14 Tagen nach dem Tod des Hauptmieters kundtun. Das spielt auch bei einer eventuellen Haftung eine Rolle: Denn mit dem Eintritt in den Mietvertrag übernehmen sie die Verantwortung für den Mietzins und die Verbindlichkeiten, die womöglich während der Mietzeit des Verstorbenen entstanden sind.

 

Zimmer im Pflegeheim ausräumen

Lebte der oder die Verstorbene vor dem Tod in einem Pflegeheim, muss das Zimmer innerhalb weniger Tage geräumt werden. Die genauen Fristen dazu finden Sie im Vertrag mit dem Pflegeheim, der grundsätzlich mit dem Sterbetag endet. Details sollten Sie am besten mit der Pflegeheimleitung absprechen.

 

Antrag auf Hinterbliebenenpension

Stirbt der Ehepartner, der Vater oder die Mutter, brechen plötzlich oft auch finanzielle Unterhaltsleistungen weg. Die Rentenversicherung fängt diese finanziellen Einbußen teilweise mit der Hinterbliebenenpension auf. Diese wird aber nicht automatisch ausgezahlt, sondern muss innerhalb von sechs Monaten nach dem Tod beantragt werden. Verwitwete Ehepartner können einen Antrag auf Witwenpension stellen. Auch für einen geschiedenen Ehepartner kann ein Pensionsanspruch bestehen, wenn zum Zeitpunkt des Todes eine Verpflichtung zur Unterhaltsleistung bestanden hat oder tatsächlich Zahlungen ohne gesetzliche oder vertragliche Verpflichtung geleistet wurden. Kinder erhalten auf Antrag eine Halbwaisenpension, wenn ein Elternteil verstorben ist, eine Vollwaisenpension, wenn beide Elternteile verstorben sind. Anspruch auf Waisenpension haben eheliche und uneheliche Kinder, Adoptivkinder und Stiefkinder des oder der Verstorbenen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.

 

Bestattung planen

Dieser Punkt ist besonders aufwändig und sollte daher in enger Abstimmung mit dem Bestatter durchgesprochen werden. Erste Frage: Welche Art der Bestattung ist gewünscht und wie soll sie ausgerichtet werden? Wollen Sie im engsten Familienkreis Abschied nehmen oder auch Freunde und entfernte Verwandte einladen, die den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten? Dann müssen natürlich auch Ort und Termin der Bestattung abgeklärt werden. Ebenso die Frage, ob eine Aufbahrung und/oder eine Trauerfeier stattfinden soll. Falls es eine Trauerfeier geben soll, müssen Sie im Vorfeld entscheiden, ob Sie einen professionellen Trauerredner wünschen oder die Rede lieber selber halten wollen. Zu guter Letzt müssen Sie sich auch noch um die Veröffentlichung einer Todesanzeige (am besten online und in der Zeitung) kümmern, um die Auswahl des Blumenschmucks, die Einladung der Trauergäste und um die Organisation des Leichenschmauses. 

(interner Link: https://aspetos.com/de/post/der-leichenschmaus-jetzt-aber-ernsthaft/644)

 

Friedhof und Grab bestimmen

Grundsätzlich kann man den Friedhof frei wählen. Ein gesetzlicher Anspruch auf ein Grab besteht aber nur in der Stadt oder Gemeinde, in der die oder der Verstorbene gemeldet war. Möglicherweise wissen Sie auch von einem expliziten Wunsch des Verstorbenen? Dieser sollte natürlich möglichst berücksichtigt werden. Für das Grab müssen Sie dann entsprechende Nutzungsrechte erwerben und einen Termin für die Bestattung mit dem Friedhofsträger bzw. der Grabstättenverwaltung festlegen.

 

Häufige Fragen

Wie lange wird die Rente nach dem Tod noch bezahlt?

Die gesetzliche Rente, die der oder die Verstorbene erhalten hat, wird bis zum Ende des Todesmonats gezahlt. Das gilt auch für Rentenzahlungen aus der Unfallversicherung und für Bezüge aus der Hinterbliebenenversorgung von Beamten. Danach erlischt der Rentenanspruch. Das auf dem Konto des Verstorbenen eingehende Geld geht in die Erbmasse ein, kann also zur Deckung entstehender Kosten genutzt werden.

Was passiert mit der Rente, wenn man stirbt?

Stirbt ein Mensch in fortgeschrittenem Alter, wenn er bereits Rente bezieht, so erlischt sein Rentenanspruch im Monat seines Todes. Das gilt auch für Rentenzahlungen aus der Unfallversicherung und für Bezüge aus der Hinterbliebenenversorgung von Beamten. Hinterbliebene Ehe- oder Lebenspartner haben jedoch einen Anspruch auf Witwen- bzw. Witwerrente.

Wer darf das Bankkonto nach dem Tod auflösen?

Prinzipiell haben nur Bevollmächtigte und Erben Zugriff auf das Bankkonto eines verstorbenen Menschen. Sobald eine Bank vom Tod eines alleinigen Kontoinhabers erfährt, wird das Konto in ein sogenanntes Nachlasskonto umgewandelt. Das heißt, zu Lebzeiten erteilte Daueraufträge und Lastschriften werden bis auf Widerruf weiterhin ausgeführt. Daher ist es wichtig, dass entweder die Erben mit Erbschein oder per Testament mit Eröffnungsprotokoll oder eine bevollmächtigte Person mit einer über den Tod hinaus geltenden Vollmacht schnell handeln.

Was muss man nach einem Todesfall alles kündigen?

Je nachdem, ob der/die Verstorbene allein gelebt hat oder nicht, müssen diverse Verträge geprüft, gegebenenfalls gekündigt oder zumindest abgeändert werden. Dazu zählen der Mietvertrag, die Strom- und Wasserversorgung, Telefon & Internet, sämtliche Versicherungen, das Arbeitsverhältnis und Mitgliedschaften bei Vereinen. Zudem müssen weitere Stellen wie die Rentenversicherung, das Finanzamt, Banken und die GEZ informiert werden.

Wer muss die Wohnung eines Verstorbenen räumen?

Die Erben übernehmen auch die Pflichten aus einem Mietvertrag. Sie haben einen Monat Zeit, um dem Vermieter den Tod des Hauptmieters mitzuteilen, und können dann ein Sonderkündigungsrecht geltend machen. Demzufolge dürfen sie das Mietverhältnis außerordentlich unter Berücksichtigung der gesetzlichen Frist von drei Monaten kündigen. In diesem Zeitraum müssen die Erben dann die Wohnung oder das Haus räumen und auch für mögliche Schönheitsreparaturen aufkommen.

Wie lange muss die Miete nach dem Todesfall weitergezahlt werden?

Sobald der Mietvertrag gekündigt ist, gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von drei Monaten. Entsprechend sind nach dem Todesfall für die Wohnung oder das Haus also noch mindestens drei Monate Miete an den Vermieter zu bezahlen – entweder aus dem Nachlass oder von den Erben direkt.

Welche Vollmachten benötigt man im Todesfall?

Ohne eine Vollmacht, die auch nach dem Tod weiter gilt, liegt der Nachlass so lange auf Eis, bis ein Erbschein vorliegt. Dies kann einige Wochen dauern. Daher sollten Kontoinhaber womöglich schon zu Lebzeiten bei ihrer Bank eine Vollmacht für eine Vertrauensperson aufsetzen. Auch eine notarielle Vorsorgevollmacht, die über den Tod hinaus gültig ist und Bankgeschäfte ausdrücklich erlaubt, ist eine Option. Damit fällt es Hinterbliebenen leichter, z.B.Verträge zu kündigen, Daueraufträge zu löschen und für die aktuellen Bestattungskosten aufzukommen.

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