Testament in Österreich - Alles was Sie wissen müssen

Mit einem Testament kann man zu Lebzeiten eine Regelung für den Erbfall treffen. Diese letztwillige Verfügung ist eine einseitige, in Schriftform festgehaltene und jederzeit widerrufbare Willenserklärung des sogenannten Erblassers in Bezug auf sein Vermögen. Das Testament entfaltet erst nach dem Tod des Erblassers seine Wirkung. Liegt keines vor, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Diese Erbfolge entspricht nicht unbedingt den Vorstellungen des Erblassers und kann zu Streitigkeiten unter den Angehörigen führen. Wer dies vermeiden will, muss die Erbfolge durch ein Testament (oder einen Erbvertrag) regeln.

 

 

Erbvertrag als Alternative

Eine weitere recht verbreitete Form der Verfügung von Todes wegen ist der notariell beurkundete Erbvertrag. Der wesentliche Unterschied zum Testament besteht darin, dass der Erblasser sich beim Erbvertrag gegenüber seinem Vertragspartner bindet. Dieser hat in Form einer Anwartschaft also eine gesicherte Position, während man beim Testament keine rechtliche Handhabe hat, einen möglichen Widerruf des Testaments zu verhindern.

 

Formale Vorschriften bei einem Testament

Vor dem Verfassen eines Testaments (Errichtung) muss man sich entscheiden, ob man ein öffentliches notarielles Testament oder ein privates handschriftliches Testament haben möchte.

 

Eigenhändiges Testament

Eine Möglichkeit ist die Errichtung eines Testaments durch eine vollständig eigenhändig  geschriebene und unterschriebene Erklärung. Auf dem Dokument sollten unbedingt der Begriff Testament, die Zeit und der Ort angegeben werden. Die Willenserklärung muss in vollem Umfang vom Erblasser persönlich geschrieben werden, damit anhand der Handschrift seine Identität nachgeprüft werden kann. Am Ende der Urkunde muss schließlich die eigenhändige Unterschrift stehen. Die Signatur hat Abschlussfunktion und soll dem Leser zeigen, dass das Testament an dieser Stelle endet. Eine Unterzeichnung mit Vor- und Nachnamen wird dabei dringend empfohlen.

Ein per Computer verfasstes und ausgedrucktes Testament kann nur dann als gültig angesehen werden, wenn es einem Notar in einem offenen oder auch verschlossenen Umschlag übergeben wird. Dann handelt es sich jedoch um eine Form des öffentlichen Testaments, also streng genommen nicht mehr um ein eigenhändiges Testament.

 

Öffentliches Testament

Ein öffentliches Testament wird in der Weise errichtet, dass der Erblasser einem Notar seinen letzten Willen erklärt oder ein Schriftstück mit der Erklärung übergibt, dass dieses seinen letzten Willen enthalte. Dieses Testament muss nicht unbedingt handschriftlich verfasst sein, ein am Computer erstelltes Dokument ist möglich, solange es eigenhändig unterschrieben ist.

Im Normalfall kommt aber der Notar seiner Pflicht nach, den Erblasser bei der Abfassung des Testaments umfassend zu beraten, so dass sein letzter Wille unmissverständlich und juristisch einwandfrei zum Ausdruck kommt. Das notarielle Testament ist nach der abgeschlossenen Errichtung vom Notar zwingend beim Nachlassgericht in amtliche Verwahrung zu geben. Für seine Dienstleistung verlangt der Notar ein Honorar, das sich nach dem Vermögen des Erblassers zum Zeitpunkt der Beurkundung richtet.

 

Widerruf des Testaments

Der Erblasser ist berechtigt, sein Testament jederzeit ohne Angabe von Gründen zu widerrufen – unabhängig davon, in welcher Form das Testament errichtet worden ist. Der Widerruf ist rechtsgültig, wenn der Erblasser in einer neuen letztwilligen Verfügung (also einem Testament oder einem Erbvertrag) entweder ausdrücklich den Widerruf erklärt oder wenn er darin neue Regelungen trifft, die mit den alten in Widerspruch stehen (konkludenter Widerruf). Aufgrund dieses Vorrangs der jüngeren Verfügung vor der älteren hat die Angabe des Datums der Testamentserrichtung im Testament so eine entscheidende Bedeutung. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass das ältere Testament durch ein nachfolgendes Testament nur in Bezug auf die Passagen aufgehoben wird, bei denen ein Widerspruch festzustellen ist. Daher ist es auch denkbar, dass gleichzeitig mehrere Testamente – soweit sie eben nicht zueinander in Widerspruch stehen – wirksam sind.

Ein Testament kann vom Erblasser auch dadurch widerrufen werden, indem er/sie das bestehende Testament selbst verändert (und dann möglichst neu unter Angabe von Ort und Zeit unterschreibt) oder es ganz vernichtet. Die Wirksamkeit des Testaments bleibt daher unberührt, wenn die Testamentsurkunde ohne Willen und Zutun des Erblassers vernichtet wird oder verloren geht.

Ein öffentliches Testament kann auch dadurch widerrufen werden, dass der Erblasser es aus der amtlichen Verwahrung zurückbeordert.

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