Verlassenschaft, Nachlass und Erbe: Die wichtigsten Fakten

Wenn ein Mensch stirbt, stellt sich auch die Frage nach der Verlassenschaft. Bereits zu Lebzeiten kann man die eigene Verlassenschaft regeln, z.B. mit einem Testament oder einem Erbvertrag. Nach dem Tod erhalten Angehörige gemäß einer gesetzlich festgelegten oder einer individuell bestimmten Erbfolge Anteile oder den gesamten Nachlass des/der Verstorbenen. Die Verlassenschaft, früher als Nachlass bezeichnet oder im Volksmund auch kurz Erbe genannt, umfasst das gesamte Vermögen des Erblassers, sowohl das aktive als auch das passive. Die Aktiva bestehen aus Geld, Immobilien und Wertgegenständen, während die Passiva alle Schulden und Verbindlichkeiten des Erblassers umfassen, auch die entstehenden Begräbniskosten.

In Österreich wird automatisch ein Verlassenschaftsverfahren eröffnet, wenn ein Mensch stirbt. Es wird vom zuständigen Bezirksgericht abgewickelt, das auch einen Notar als Gerichtskommissär bestellt. Mit dem Verfahren soll sichergestellt werden, dass sich alle einen genauen Überblick über die Verlassenschaft verschaffen können und diese an die rechtmäßigen Erben übergeben wird. Der Gerichtskommissär ist keine Pflicht. Wenn sich alle Erben einig sind, ist auch die Abwicklung der Verlassenschaft durch einen sogenannten Erbenmachthaber möglich. Dabei handelt es sich um einen Notar oder Rechtsanwalt, der gemeinsam von allen Erben einstimmig bestimmt wird. Er wird von ihnen mit einer Vollmacht ausgestattet, das Verlassenschaftsverfahren direkt mit dem Gericht auf schriftlichem Wege durchzuführen.

 

 

Verlassenschaft ausschlagen

Manchmal kann es sinnvoll sein, eine Verlassenschaft auszuschlagen, um sich vor einer erheblichen finanziellen Belastung zu schützen. Wie schon erwähnt, zählen zur Verlassenschaft nämlich nicht nur alle Aktiva, sondern auch alle Passiva, also auch Schulden, die zu Lebzeiten angehäuft wurden. Außerdem könnte es sein, dass Immobilien, die zur Verlassenschaft gehören, mit Hypotheken belastet sind oder dass Kredite noch abbezahlt werden müssen. Am besten besprechen Sie mit einem auf Erbrecht spezialisierten Anwalt, wann eine Erbausschlagung im Einzelnen sinnvoll ist.

 

Vererbliche Rechte

Im Rahmen der Verlassenschaft gibt es Rechte, die mit dem Tod des Erblassers nicht erlöschen, sondern auf die Erben übergehen. Dazu zählen u.a.:

  • Vermögensrechte aus dem Privatrecht, wie z.B. Vertragsansprüche, Urheberrechte, Patentrechte oder auch Unternehmen
  • Schmerzensgeld- und Schadenersatzansprüche
  • Ansprüche aus Versicherungen (Ablebensversicherung, Unfallversicherung), die keinen Begünstigten haben

 

Finanzamt

Wenn die/der Verstorbene unselbstständig beschäftigt war oder bereits in Pension war bzw. Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Notstandshilfe oder Sozialhilfe/Mindestsicherung bezogen hat, wird das zuständige Finanzamt automatisch vom Arbeitgeber bzw. den sozialen Behörden verständigt. Im Fall einer selbstständigen Berufstätigkeit der/des Verstorbenen ist es für die Hinterbliebenen empfehlenswert, das zuständige Finanzamt unter Vorlage einer Kopie der Urkunde über einen Todesfall umgehend zu verständigen, um eventuelle Vorschreibungen von Steuern zu vermeiden.

Für die Abwicklung noch bestehender steuerlicher Verpflichtungen der/des Verstorbenen (z.B. Einkommensteuererklärung) ist es ratsam, sich Auskünfte vom Finanzamt oder vom Steuerberater einzuholen.

 

Gesetzliche Erbfolge

Ohne Testament oder Erbvertrag, aber auch bei einer ungültigen Verfügung kommt in Österreich die gesetzliche Erbfolge zum Tragen. Im österreichischen Erbrecht werden die Erben in verschiedene Linien, die sogenannten Parentelen, aufgeteilt. Eine Linie besteht immer aus einem Stammhaupt und den Nachkommen. In der ersten Parentel sind das der Ehegatte und die Nachkommen des Erblassers. Die zweite Linie (Eltern des Erblassers und deren Nachkommen, also die Geschwister des Erblassers und seine Nichten und Neffen) ist nur dann erbberechtigt, wenn niemand aus der ersten mehr vorhanden ist. Insgesamt gibt es vier Erblinien.

 

Erbfolge bei eingetragener Partnerschaft

Eingetragene Partner sind Ehepartnern bei der gesetzlichen Erbfolge gleichgestellt. Sie haben darüber hinaus das Recht, bis auf Weiteres in der gemeinsam bewohnten Wohnung oder dem Haus zu bleiben. Dieses sogenannte Vorvermächtnis tritt mit dem Tod des Erblassers automatisch in Kraft. Geschiedene Partnerinnen und Partner haben dagegen kein gesetzliches Erbrecht. Sie können allerdings, wenn gewünscht, im Testament bedacht werden.

Auch Lebenspartner und unverheiratet zusammenlebende Paare haben kein gegenseitiges Erbrecht. Bei einem Todesfall geht der hinterbliebene Partner leer aus und erhält nichts, nicht einmal einen Pflichtteil. Wenn ein Lebensgefährte möchte, dass dem Partner nach dem eigenen Tod etwas aus der Verlassenschaft zukommt, muss dies ausdrücklich im Testament stehen.

 

Ehegatten-Erbrecht

Im Ehegatten-Erbrecht ist der gesetzliche Erbteil so geregelt, dass dem Ehegatten gegenüber den Nachkommen des Verstorbenen ein Drittel des Erbes zusteht. Gegenüber den Eltern des Verstorbenen sind es sogar zwei Drittel. Wenn es keine Eltern, Kinder oder Nachkommen von Kindern gibt, erhält der Ehegatte das gesamte Erbe.

 

 

Kann jemand von der Erbfolge ausgeschlossen sein?

Das ist in besonderen und begründeten Fällen durchaus möglich. Ausgeschlossen von der gesetzlichen Erbfolge sind Personen, die für erbunwürdig erklärt worden sind. Gründe dafür können strafbare Handlungen gegen den Erblasser (z.B. Testamentsfälschung oder vorsätzliche Tötung) oder gegen die Verlassenschaft sein. Seit der Reform des österreichischen Erbrechts können nicht nur strafbare Handlungen am Erblasser zur Erbunwürdigkeit führen, sondern auch solche an dessen nahen Angehörigen.

 

Pflichtteil des Erbes

Für Ehegatten, Kinder und Eltern sieht das österreichische Erbrecht einen Mindestanteil am Erbe vor. Man spricht vom Pflichtteil, der sich aus dem Umfang der Verlassenschaft des Verstorbenen berechnet. Grundsätzlich besteht dieser Anspruch in der „Höhe der Hälfte des Wertes“ bezogen auf den gesetzlichen Erbteil. Gerichtet ist er immer auf einen oder mehrere Erben und bezieht sich lediglich auf reine Geldforderungen. Pflichtteilsberechtigte Personen haben somit keinen Anspruch auf bestimmte Gegenstände oder einzelne Vermögenswerte, die sich in der Erbmasse befinden.

 

Verlassenschaftsverfahren

Auf den Tod einer Person folgt in Österreich vor Gericht automatisch ein Verlassenschaftsverfahren.  Dabei handelt es sich um ein Gerichtsverfahren, das die Vermögensangelegenheiten eines Verstorbenen regelt und von Notaren durchgeführt wird, die vom Bezirksgericht beauftragt wurden.  Alternativ können auch sogenannte Erbenmachthaber mit Vollmacht das Verfahren durchführen. Mit dem Verlassenschaftsverfahren soll sichergestellt werden, dass die Vermögenswerte des Verstorbenen an die rechtmäßigen Erben gehen, dass dabei nicht die Rechte Minderjähriger verletzt werden und der letzte Wille des Verstorbenen auch tatsächlich ausgeführt wird.

 

Ablauf des Verfahrens

Zunächst einmal meldet das Standesamt dem zuständigen Bezirksgericht den Todesfall, das wiederum das Verlassenschaftsverfahren einleitet. Nach der Datenerfassung geht es um die Suche nach erbberechtigten Verwandten bzw. einem Testament oder Erbvertrag. Um die rechtmäßigen Erben und den Vermögensstand zu ermitteln, wird vom Gericht ein Gerichtskommissär (Notar) bestellt. Alle potenziellen Erben und Angehörigen werden frühestens zwei bis drei Wochen nach dem Todesfall vom Gerichtskommissär eingeladen, um Details zur Verlassenschaft zu besprechen.

Stellt sich im Verfahren heraus, dass die Erbfolge umstritten ist, müssen erst alle Erbschaftsansprüche endgültig geklärt werden, bevor das Nachlassvermögen verteilt werden kann. Wenn wertvolle Sachen aus dem Nachlass veräußert werden sollten, dürfen die Angehörigen nicht eigenmächtig darüber verfügen.

Die Erbschaft kann letzten Endes gar nicht, unbedingt oder bedingt durch den Erben angetreten werden. Der Notar hat dabei die Aufgabe, ein Protokoll über die jeweilige Entscheidung der Erben zu erstellen. Jedes Verlassenschaftsverfahren endet mit der sogenannten Einantwortung der Verlassenschaft, also mit einem Gerichtsbeschluss des Abhandlungsgerichts.

 

Testament

Ein Testament ermöglicht die Festlegung einer individuellen Erbfolge sowie die Benennung einzelner Vermächtnisnehmer im Rahmen des österreichischen Erbrechts. Es weicht meist vom Standard der gesetzlichen Erbfolge ab, insbesondere wenn ein bestimmter Erbe vorrangig erben soll oder einzelne Erben von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollen. 

Das selbstständig aufgesetzte Testament muss komplett handschriftlich verfasst und unterschrieben sein. Dabei sollten bestimmte Angaben des Erblassers wie die folgenden nicht fehlen:

  • Eindeutige Überschrift zur Kennzeichnung des Dokuments als Testament
  • Datum und Ort der Erstellung
  • Name
  • Adresse
  • Geburtsdatum
  • Festlegung der Erbfolge
  • Bestimmung von Vermächtnisnehmern
  • Unterschrift des Verfügenden

Die gewünschten Regelungen und Vermächtnisse sollten in einem eigenhändigen Testament möglichst eindeutig und unmissverständlich formuliert werden. Nennen Sie Ihre Verfügungen also deutlich beim Namen, so besteht später beim Verlassenschaftsverfahren eine klare Entscheidungsgrundlage. Wer hier lieber professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, sollte zum Rechtsanwalt oder Notar gehen und dort den letzten Willen entweder mündlich erklären oder bereits schriftlich festgehalten übergeben. Der Notar oder Anwalt unterstützt Sie bei der Testamentserstellung und hilft, Unklarheiten bei einzelnen Formulierungen zu beseitigen.

Eine offizielle Registrierung beim Testamentregister ist hilfreich, um den letzten Willen zu schützen. Grundsätzlich kann man den Aufbewahrungsort des Testaments jedoch frei wählen. Es sollte auf jeden Fall an einem gut zugänglichen Ort aufbewahrt werden, der nahestehenden Angehörigen ebenfalls bekannt ist.

 

Nachlass im Erbvertrag regeln

Eine Alternative zum Testament ist der Erbvertrag. Darin können ebenfalls Regelungen zum Erbe getroffen werden. Ein Erbvertrag steht über der gesetzlichen Erbfolge und regelt den Umgang mit dem verbleibenden Vermögen des Erblassers im Falle seines Todes. Ehepaare können sich gegenseitig mittels Erbvertrag einen Teil ihres Vermögens vermachen. Da ein Erbvertrag ein zweiseitiges Rechtsgeschäft ist, bedarf es zur Änderung oder zum Widerruf des Einvernehmens der Vertragsparteien. Nur verheiratete oder eingetragene Partner und Verlobte können einen Erbvertrag abschließen. Bei Letzteren wird dieser erst dann wirksam, wenn es auch wirklich zur Eheschließung kommt. In einem Erbvertrag kann auch ein spezielles Vermächtnis eingetragen werden. Dabei werden ein besonderer Gegenstand, Bargeld, Wohnungseigentum oder Aktien einer Person zugesprochen.

Ähnliche Artikel

Verlassenschaft, Nachlass und Erbe: Die wichtigsten Fakten

Verlassenschaft, Nachlass und Erbe: Die wichtigsten Fakten

Wenn ein Mensch stirbt, stellt sich auch die Frage nach der Verlassenschaft. ...
Friedhofszwang

Friedhofszwang

Der Friedhofszwang (manchmal auch als Friedhofspflicht bezeichnet) schreibt v...
Friedhofsgärtnerei

Friedhofsgärtnerei

Friedhofsgärtnereien sind Gartenbaufirmen, die sich auf das Pflanzen und die ...
 
089 4132 73 780 Erste Hilfe im Trauerfall – 24h erreichbar