Seebestattung in Deutschland möglich?

Was versteht man unter einer Seebestattung?

Wollen Sie so begraben werden wie die berühmten Seefahrer Sir Francis Drake und James Cook? Dann könnte eine Seebestattung für Sie das Richtige sein. Sie haben eine lange Tradition. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele Verstorbene auf Schiffen auf hoher See bestattet, vor allem um dem Ausbruch von Seuchen vorzubeugen. Damals wurde der Leichnam auch einfach so dem Meer übergeben und nicht, wie heutzutage, vorher eingeäschert. Heute wird nur noch die Asche der/des Verstorbenen in einer abbaubaren Bio-Urne beigesetzt – entweder im offenen Meer, auf einem See oder einem Fluss. Geblieben sind immerhin die seemännischen Zeremonien, die die Bestattung begleiten.

In Österreich lässt sich diese ungewöhnliche Bestattungsart seit 2007 mit einer entsprechenden Genehmigung auf der Donau in Niederösterreich in die Tat umsetzen. Interessenten können zwischen einer anonymen Flussbestattung, einer Beisetzung auf einer kleinen überdachten Fähre oder einer feierlichen Schiffsbestattung wählen. In Deutschland, wo Seebestattungen seit 1934 offiziell möglich sind, bieten sich dafür Nord- und Ostsee an. Theoretisch sind aber auch Orte im Mittelmeer oder im Atlantik denkbar. Wichtig ist auf jeden Fall eine Willenserklärung des/der Verstorbenen, aus der hervorgeht, dass die letzte Ruhestätte das Meer sein soll.

Die See- oder Flussbestattung wird in letzter Zeit immer beliebter in der Bevölkerung. Ein verbreitetes Motiv für die Seebestattung ist die allgemeine Vorstellung großer Freiheit und Grenzenlosigkeit. Die Asche der/des Verstorbenen kann theoretisch in alle Weltmeere gelangen. Dank des fließenden Wassers hat man theoretisch die Möglichkeit, an jeder Küste dem Verstorbenen zu gedenken – ein schöner, tröstlicher Gedanke. Diese Vorstellung mag zwar romantisch sein, entspricht aber nicht ganz den wahren Gegebenheiten. Die abbaubare Bio-Urne löst sich nach recht kurzer Zeit auf, wenn sie mit der Asche am Meeresgrund liegt. Nach und nach vermischt sich die Asche mit dem Sand am Meeresboden, so dass die sterblichen Überreste größtenteils als Sediment an dieser Stelle liegen bleiben.

Natürlich kann bei einer Seebestattung auch eine Trauerfeier stattfinden, allerdings aus Kapazitätsgründen eher im kleinen Kreis. Die Hinterbliebenen können das Herablassen der mit Gewichten beschwerten und vollständig wasserlöslichen Bio-Urne (z.B. aus Anhydrit, Tonolith, Halit oder Pappmaché) live auf dem Schiff verfolgen und den Verstorbenen mit Blumen und Blütenblättern verabschieden. In diesem Fall spricht man von einer „begleiteten Seebestattung“. Wenn keine Angehörigen zugegen sind, ist die Rede von einer „stillen Seebestattung“. Hierbei werden meist auch mehrere Urnen dem Meer übergeben.

 

Wir helfen Ihnen!

kostenlos und unverbindlich

 

Pro und Contra einer Seebestattung

Hatte der oder die Verstorbene stets eine Affinität zu Wasser? Dann könnte eine Seebestattung genau die passende Option sein.

Als kleine Orientierungshilfe haben wir für Sie die Vor- und Nachteile einer Seebestattung zusammengefasst.

Was spricht für eine Seebestattung?

Naturnahe Bestattungsart

Seine letzte Ruhe in den ewigen Tiefen des Meeres zu finden, diese Vorstellung finden viele Menschen beruhigend und angenehm. Ein Gefühl der Freiheit und Grenzenlosigkeit paart sich dabei dem Gefühl, in den Schoß der Natur zurückzukehren. 

Frei wählbares Seegebiet

Während man auf einem städtischen Friedhof in der Auswahl der Grabstelle eingeschränkt ist, kann man den Abfahrtshafen und das Seegebiet für die Bestattung relativ frei wählen.

Keine Grabpflege

Die Grabpflege übernimmt gewissermaßen das Meer. Den Angehörigen entstehen auf diese Weise keine Folgekosten.

Geringe Kosten

Begleitete oder unbegleitete Seebestattungen gehören zu den preiswertesten Bestattungsarten. Sie sparen sich nicht nur die Friedhofsgebühren, sondern auch die Kosten für einen hochwertigen Sarg und einen Grabstein.

Mehr Zeit bis zur Beisetzung

Der Zeitraum zwischen Todesfall und Beisetzung ist bei Seebestattungen länger als bei Erdbestattungen. Durch den zusätzlichen Prozess der Einäscherung und die damit verbundene, gesetzlich vorgeschriebene zweite Leichenschau dauert es länger, bis Ihr Bestatter die Urne erhält. In der belastenden Trauerphase mit vielen Stressfaktoren kommt dies vielen Hinterbliebenen durchaus entgegen.

Was spricht gegen eine Seebestattung?

Kein physisches Grab

Die Grabstelle auf dem Grund des Meeres ist für Besucher unerreichbar. Beim Herablassen der Urne werden lediglich die Koordinaten ins Logbuch eingetragen, von einer festen letzten Ruhestätte kann aber keine Rede sein. Manche Angehörige finden es belastend, wenn sie keinen physischen Ort zum Trauern haben. Die Seebestattung ist zugleich auch die anonymste Form der Bestattung

Langer Anfahrtsweg

Trauergäste aus küstenfernen Regionen müssen gegebenenfalls lange Anfahrtswege auf sich nehmen, um an der Seebestattung persönlich teilnehmen zu können. Auch bei Flussbestattungen, die nur in Niederösterreich an der Donau möglich sind, kann die Anfahrt womöglich etwas aufwändiger sein.

 

Wir helfen Ihnen!

kostenlos und unverbindlich

 

Wie verläuft eine Seebestattung?

Zunächst einmal muss auch hier der Tod zweifelsfrei festgestellt und eine Leichenschau (Totenbeschau) durchgeführt werden. Erst dann können Sie eine Seebestattung beim Bestatter in Auftrag geben und einen Abfahrtshafen bzw. ein Seegebiet auswählen. Nach der Einäscherung des Verstorbenen in einem Krematorium und dem Einfüllen der Asche in eine Aschekapsel, die wiederum in eine biologisch abbaubare Urne gegeben wird, kümmert sich Ihr Bestatter um die Überführung der Urne zum Abfahrtsort. Im Innenraum des Schiffes wird die Urne aufgestellt zum persönlichen Abschied nehmen. Anschließend fährt das Schiff in ein Seegebiet, in dem weder Fischerei noch Wassersport erlaubt sind. Bei Flussbestattungen steuert das Boot die Mitte des Flusses in einem naturnahen Bereich an. An Bord können Sie eine individuelle Trauerfeier organisieren, auf Wunsch oft auch mit einer Trauerrede des Kapitäns in Marineuniform. Anschließend wird die Seeglocke geläutet und die beschwerte Urne an einem Schiffstau vom Heck des Schiffes aus herabgelassen. Die Angehörigen verstreuen währenddessen Blütenblätter und Blumen auf der Meeresoberfläche, begleitet von traditionellen Seemannsliedern oder anderer gewünschter Musik. Zu guter Letzt dreht das Schiff noch eine finale Ehrenrunde, die Mannschaft verabschiedet sich mit Signaltönen und kehrt dann zum Heimathafen zurück.

Ein Sonderfall sind Seebestattungen in Abwesenheit der Angehörigen, also ohne Begleitung. In diesem Fall spricht man von einer stillen Beisetzung. Wenn Sie sich dafür entscheiden, kann eine Trauerfeier natürlich im Vorfeld auch im Krematorium oder im Bestattungsinstitut erfolgen.

 

Wie teuer ist eine Seebestattung?

Die Kosten einer Seebestattung sind zunächst mit denen einer Feuerbestattung deckungsgleich. Neben den Aufwendungen für die Überführung, die Kühlung und die hygienische Versorgung des Leichnams zählen dazu auch die Kosten für die Kremation, den Verbrennungssarg und diverse Behördengänge. Darüber hinaus können die Kosten einer See- oder Flussbestattung stark variieren, je nachdem welche Art und welche Rahmenbedingungen Sie gewählt haben. Im Normalfall sind Seebestattungen jedoch günstiger als traditionelle Bestattungen, da insbesondere der Kostenfaktor Grabstelle (Liegegebühren, Grabpflege etc.) entfällt. Bei seriösen Anbietern kosten stille (anonyme) Beisetzungen 1.000 bis 3.000 Euro. Aufwändigere Varianten mit kompletter Trauerfeier und Fahrt an Bord liegen bei 1.500 bis 4.500 Euro.

Wir helfen Ihnen!

kostenlos und unverbindlich

Ähnliche Artikel

Wie viel kostet ein Sarg?

Wie viel kostet ein Sarg?

Diese Frage lässt sich natürlich nicht so pauschal beantworten. Die einfachst...
Was kostet ein Grabstein?

Was kostet ein Grabstein?

 So ein Grabstein kann ein ziemlicher Brocken sein, auch in finanzieller...
Bestattungsvorsorgevertrag

Bestattungsvorsorgevertrag

Wer vorsorgen möchte, kann mit einem Bestattungsunternehmen einen Vorsorgever...
 
089 4132 73 780 Erste Hilfe im Trauerfall – 24h erreichbar