Nachlass und Erbe: Die wichtigsten Fakten

Wenn ein Mensch stirbt, erhalten Angehörige gemäß einer gesetzlich festgelegten oder einer individuell im Testament bestimmten Erbfolge Anteile oder den gesamten Nachlass des/der Verstorbenen. Der Nachlass, im Volksmund meist kurz Erbe genannt, kann aus Vermögen, Grundstücken, Immobilien oder persönlichem Hausrat bestehen. Auch Haustiere zählen zum Nachlass. Allerdings können auch Schulden vererbt werden. 

Hinterbliebene erhalten in Deutschland vor einer Annahme oder Ausschlagung des Erbes keine Auskunft über die Höhe oder die Art des Nachlasses. Die Erbangelegenheiten sollten bereits zu Lebzeiten in Form eines Testaments oder eines Erbvertrages festgehalten werden. Dabei kann auch die gewünschte Verteilung des Erbes bestimmt werden. Erbfähig sind laut deutschem Recht natürliche Personen, die zum Zeitpunkt des Erbes am Leben sind oder juristische Personen (z. B. Firmen), die zum Zeitpunkt des Todes wirksam gegründet und nicht aufgelöst sind.

 

Wir helfen Ihnen!

kostenlos und unverbindlich

 

Rechte und Pflichten von Nachlassnehmern

Nimmt ein Angehöriger den Nachlass an, stellt das Nachlassgericht einen entsprechenden Erbschein aus. Dieser weist den Erben als neuen Eigentümer und Rechtsnachfolger der/des Verstorbenen aus. Diese Rechtsnachfolge geht mit bestimmten Rechten und Pflichten des Erbnehmers einher, wie beispielsweise die Kostentragungspflicht, die im deutschen Recht mit dem Erbrecht verknüpft ist. Die Erben eines Verstorbenen müssen demzufolge also für die Kosten der Bestattung aufkommen. Der Nachlass ist dabei für die Begleichung der Bestattungskosten vorgesehen, auch wenn das Erbe dabei womöglich vollständig aufgebraucht wird.

Der Nachlassnehmer hat neben dieser Pflicht aber auch das Recht, sämtliche Forderungen des Erblassers Dritten gegenüber geltend zu machen. Er kann auch die Herausgabe von Vermögensgegenständen fordern, die der/die Verstorbene nicht im Testament an Personen vermacht hat. Andersherum können durch die Rechtsnachfolge auch Dritte gegenüber dem Erbnehmer Forderungen stellen. Falls der/die Verstorbene zu Lebzeiten z.B. Schulden hatte, gehen diese auf den Nachlassnehmer über.

 

Nachlass ausschlagen

Schulden sind ein triftiger Grund dafür, warum Angehörige, die als Erben bedacht wurden, die Erbschaft möglicherweise ausschlagen. Dazu sind sie laut Gesetz berechtigt. In einem solchen Falle verzichten sie auf ihren Erbanspruch und treten auch nicht die Rechtsnachfolge des Verstorbenen an.

Die Ausschlagung des Erbes muss gegenüber einem Notariat oder dem Nachlassgericht innerhalb von 6 Wochen von offizieller Stelle beglaubigt werden. Wenn sich der Erbe im Ausland befindet oder der Erblasser im Ausland lebte, verlängert sich diese Frist auf 6 Monate. Ansonsten geht der Nachlass automatisch an den Erbnehmer über. Für die Ausschlagung des Erbes fallen Gebühren an, die anteilig basierend auf dem Gesamtwert des Nachlasses errechnet werden.

 

Erbschaftssteuer

Eine Erbschaftssteuer wird erhoben, um den Übergang von Vermögenswerten einer verstorbenen natürlichen Person an einen Erben zu besteuern. In Deutschland ist sie so ausgestaltet, dass nur der konkrete Erwerb des jeweiligen Erben, Pflichtteilsberechtigten oder Vermächtnisnehmers herangezogen wird und nicht das hinterlassene Vermögen als Ganzes. Die „kleine Schwester“ der Erbschaftssteuer ist die Schenkungsteuer, die auf unentgeltliche Zuwendungen unter Lebenden erhoben wird. Die Schenkungsteuer ergänzt gewissermaßen die Erbschaftsteuer, die ansonsten sehr leicht umgangen werden könnte.

Jedem unbeschränkt steuerpflichtigen Erben steht ein persönlicher Freibetrag zu, der sowohl für das Erbe als auch für Schenkungen unter Lebenden gilt. Dieser Freibetrag liegt bei:

- 500.000 Euro für den Ehegatten/Lebenspartner

- 400.000 Euro für jedes Kind/Stiefkind

- 400.000 Euro für jedes Kind eines verstorbenen Kindes/Stiefkindes

- 200.000 Euro für jedes Kind eines lebenden Kindes/Stiefkindes

- 100.000 Euro für jede sonstige Person aus Steuerklasse I

- 20.000 Euro für jede Person aus Steuerklasse II (z. B. Geschwister, Neffen) oder III (z. B. Lebensgefährten, Freunde)

Zusätzlich wird beim Erbfall dem überlebenden Ehegatten/Lebenspartner und den Kindern ein besonderer Versorgungsfreibetrag gewährt.

 

Finanzamt

Zur Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung ist man nur dann verpflichtet, wenn das Finanzamt dazu aufgefordert hat. Allerdings besteht im Grundsatz eine Pflicht zur Anzeige des Erbes durch eine sogenannte steuerliche Erwerbsanzeige. Diese sollte binnen einer Frist von drei Monaten nach dem Erhalt des Erbscheins dem zuständigen Finanzamt schriftlich angezeigt werden. Daneben müssen Gerichte, Behörden und Notare das zuständige Finanzamt über Beurkundungen, Zeugnisse und Anordnungen in Kenntnis setzen, die für die Festsetzung einer Erbschaftsteuer von Bedeutung sein können. Banken sind ebenfalls verpflichtet, dem Finanzamt Konto- und Depotbestände zum Todestag sowie die Existenz von Schließfächern anzuzeigen.

 

Gesetzliche Erbfolge

Die gesetzlich festgelegte Erbfolge wird in Deutschland dann herangezogen, wenn die oder der Verstorbene kein Testament mit einer individuellen Erbfolge hinterlegt hat. Das Nachlassgericht kümmert sich in diesem Fall darum, die in Frage kommenden Erben ausfindig zu machen. Folgende Personengruppen sind laut gesetzlicher Erbfolge in absteigender Reihenfolge erbberechtigt:

  • Ehegatte oder Lebenspartner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft
  • Volljährige Kinder
  • Eltern
  • Geschwister
  • Partner einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft
  • Sorgeberechtigte
  • Großeltern
  • Enkelkinder
  • Verwandte bis zum 3. Grad

Falls mehrere Personen in Folge der gesetzlichen Erbfolge als Erben in Frage kommen, bilden diese eine Erbengemeinschaft. Der Nachlass wird also unter ihnen aufgeteilt.

 

Wir helfen Ihnen!

kostenlos und unverbindlich

 

Individuelle Erbfolge

Hat ein Verstorbener zu Lebzeiten eine individuelle Erbfolge in einem Testament oder Erbvertrag festgelegt, wird der Nachlass entsprechend dieser Reihenfolge unter den Erben aufgeteilt. Der Nachlass kann dabei einer einzigen oder mehreren Personen zugutekommen. Bei mehreren Erben spricht man von einer Erbengemeinschaft. Die Höhe der Erbanteile wird dann hierarchisch auf die Erben aufgeteilt. Wenn keine Erben der ersten Ordnung vorhanden sind, geht das Erbe auf erbberechtigte Personen der nächsten Ordnung über. Das Procedere kann theoretisch bis zur letzten Ordnung laufen. Das Erbe wird auf jeder Ebene zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Angenommen, die Eltern des Erblassers würden laut Ordnungsreihenfolge zu gleichen Teilen erben, sind aber nicht mehr am Leben. Dann würde das Erbe zu gleichen Teilen auf die Geschwister (nächste Ordnung) übertragen. Wenn auch diese Geschwister schon gestorben sind, erben deren Abkömmlinge zu gleichen Teilen und so weiter.

 

Ehegatten-Erbrecht

Ein Sonderfall ist das Ehegatten-Erbrecht. Der/die Ehepartner/in zählt laut Erbrecht nicht zu den Verwandten des Erblassers. Ehepartner haben allerdings durch das Ehegatten-Erbrecht Anspruch auf ein Erbe. In der Praxis bedeutet das, dass der Ehegatte an erster Stelle den ehelichen Hausrat sowie die Hochzeitsgeschenke erbt. Wenn Erben erster Ordnung vorhanden sind, erhält der Ehegatte zudem ein Viertel des Erbes. Falls Verwandte der zweiten Ordnung Anspruch auf das Erbe haben, bekommt der Ehegatte die Hälfte des Erbes. Sind keine Verwandten der ersten oder zweiten Ordnung vorhanden, erbt ein Ehepartner den gesamten Nachlass.

 

Keine vorhandenen Erben

Ein eher seltener Fall tritt ein, wenn keine Erben vorhanden sind. Dann geht der Nachlass des Verstorbenen an den Staat über. Der Staat kann ein Erbe nicht ausschlagen und tritt demzufolge auch die Rechtsnachfolge des Verstorbenen an. Bei offenen Schulden des Verstorbenen haftet der Staat in Höhe des Nachlasses gegenüber Gläubigern.

 

Kann jemand von der Erbfolge ausgeschlossen sein?

Das ist durchaus möglich. Ausgeschlossen von der gesetzlichen Erbfolge sind Personen, die erbunwürdig geworden sind. Gemeint sind damit beispielsweise Hinterbliebene, die den Erblasser vorsätzlich getötet oder einen Tötungsversuch begangen haben. Auch Drohungen oder Täuschungen gegenüber dem Verstorbenen im Zusammenhang mit dem Testament oder Erbvertrag können einen Ausschluss von der Erbfolge zur Folge haben. Das gilt auch für Personen, die den letzten Willen des Verstorbenen gefälscht oder verfälscht haben.

 

Pflichtteil des Erbes

Damit Ehe- oder Lebenspartner und die engsten Verwandten trotz eines evtl. anders lautenden Testaments nicht gänzlich vom Erbe ausgeschlossen sind, sieht das deutsche Erbrecht einen Erb-Pflichtteil vor. Die Berechtigten haben zusammen einen Anspruch auf Geldzahlung in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Dieser Anspruch kann trotz Testament geltend gemacht werden.

Pflichtteilsberechtigt sind folgende Personengruppen:

  • der hinterbliebene Ehe- oder Lebenspartner
  • Kinder
  • Enkel
  • Eltern

 

Nachlassgericht

Bei einem Todesfall ist das Nachlassgericht als Abteilung des Amtsgerichts für alle Nachlass-Angelegenheiten zuständig und kümmert sich um die formale Abwicklung eines Erbfalls.

Nachlassgericht

Zu den Aufgaben des Nachlassgerichts zählen u.a. die Eröffnung von Testamenten, die Verwahrung von Testamenten und Erbverträgen, die Ausstellung von Erbscheinen und die Abwicklung von Erbausschlagungen.

 

Testamentseröffnung

Sobald das Testament oder der Erbvertrag eines Verstorbenen im amtlichen Besitz ist, kann das Nachlassgericht einen Termin zur Testamentseröffnung bestimmen. Liegt dem Gericht kein Testament oder Erbvertrag des Verstorbenen vor, sind Angehörige, die im Besitz einer derartigen Verfügung sind oder diese als erstes auffinden, zum Einreichen beim zuständigen Nachlassgericht verpflichtet.

Im Zuge der Testamentseröffnung werden die gesetzlichen Erben und alle am Nachlass beteiligten Personen informiert. Das Nachlassgericht bestimmt dann einen förmlichen Eröffnungstermin und lädt alle Beteiligten zur Teilnahme ein oder sendet den Beteiligten eine Abschrift der letztwilligen Verfügung.

 

Was macht ein Nachlasspfleger?

Nachlasspfleger sind zuständig für die Sicherung und Verwaltung eines Nachlasses. Sie werden vom Nachlassgericht bestellt, wenn die Erben unbekannt sind oder der Nachlass ohne zeitnahe Maßnahmen gefährdet wäre. Nachlasspfleger vertreten also gewissermaßen unbekannte Erben und sorgen dafür, dass der Nachlass in deren Interesse korrekt verwaltet wird. Nachlasspfleger kümmern sich z.B um Wohnungsauflösungen oder auch um offene Rechnungen. Außerdem fertigen sie ein Verzeichnis über den Nachlass zur Vorlage vor Gericht an.

 

Testament

Ein Testament ermöglicht die Festlegung einer individuellen Erbfolge sowie die Benennung einzelner Vermächtnisnehmer im Rahmen des deutschen Erbrechts. Es weicht meist vom Standard der gesetzlichen Erbfolge ab, insbesondere wenn ein bestimmter Erbe vorrangig erben soll oder einzelne Erben von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollen. Erblasser können ihr Testament jederzeit und unabhängig von den Begünstigten ändern.

Das selbstständig aufgesetzte Testament muss komplett handschriftlich verfasst und unterschrieben sein. Dabei sollten bestimmte Angaben des Erblassers wie die folgenden nicht fehlen:

  • Eindeutige Überschrift zur Kennzeichnung des Dokuments als Testament
  • Datum und Ort der Erstellung
  • Name
  • Adresse
  • Geburtsdatum
  • Festlegung der Erbfolge
  • Bestimmung von Vermächtnisnehmern
  • Unterschrift des Verfügenden

Die gewünschten Regelungen und Vermächtnisse sollten in einem eigenhändigen Testament möglichst eindeutig und unmissverständlich formuliert werden. Nennen Sie Ihre Verfügungen also deutlich beim Namen, so hat das Nachlassgericht später eine klare Entscheidungsgrundlage. Wer hier lieber professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, sollte zum Notar gehen und dort den letzten Willen entweder mündlich erklären oder bereits schriftlich festgehalten übergeben. Der Notar unterstützt Sie bei der Testamentserstellung und hilft, Unklarheiten bei einzelnen Formulierungen zu beseitigen. Das so erstellte öffentliche Testament wird anschließend amtlich verwahrt.

Grundsätzlich kann man den Aufbewahrungsort des Testaments jedoch frei wählen. Es sollte auf jeden Fall an einem gut zugänglichen Ort aufbewahrt werden, der nahestehenden Angehörigen ebenfalls bekannt ist. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, gibt das Testament aber am besten beim Amtsgericht in amtliche Verwahrung.

 

Nachlass im Erbvertrag regeln

Eine Alternative zum Testament ist der Erbvertrag. Darin können ebenfalls Regelungen zum Erbe getroffen werden. Ein Erbvertrag steht über der gesetzlichen Erbfolge und regelt den Umgang mit dem verbleibenden Vermögen des Erblassers im Falle seines Todes. Erbverträge müssen in Anwesenheit beider Vertragsparteien von einem Notar beglaubigt werden. Änderungen im Erbvertrag können nur mit der Zustimmung aller Vertragsparteien vorgenommen werden.

Wir helfen Ihnen!

kostenlos und unverbindlich

Ähnliche Artikel

Baumbestattung in Deutschland

Baumbestattung in Deutschland

Was ist eine Baumbestattung? Baumbestattungen (auch Waldbestattungen genannt...
TabuFrei – Sehen Sie alle Folgen online

TabuFrei – Sehen Sie alle Folgen online

tabuFREI ist eine Serie die mit zweiteiligen Folgen, das Tabu um Leben und To...
Feuerbestattung in Deutschland - Infos, Ablauf, Kosten

Feuerbestattung in Deutschland - Infos, Ablauf, Kosten

Was ist eine Feuerbestattung? Bei Feuerbestattungen wird der Verstorbene in ...
 
089 4132 73 780 Erste Hilfe im Trauerfall – 24h erreichbar