Bestattung und Friedhofszwang: Was ist rechtlich möglich in Deutschland?

In den harten Zeiten der Corona-Pandemie rückt der Tod für viele noch mehr ins Blickfeld, vor allem wenn sie enge Angehörige verloren haben. Ein würdiger und angemessener Abschied ist dann das A und O. Doch in Deutschland gab es noch nie so viele Bestattungsmöglichkeiten wie heute. Mit der Vielzahl an Optionen fühlen sich Hinterbliebene oft überfordert. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick verschaffen, was in Sachen Bestattung rechtlich erlaubt ist in Deutschland.

 

Im Todesfall ist bei der Auswahl der Bestattungsform zunächst einmal entscheidend, ob von der verstorbenen Person eine Bestattungsverfügung in Schriftform vorliegt, in der festgehalten ist, wie das Begräbnis aussehen soll. Dieser dokumentierte Wunsch ist dann nämlich bindend für die Beerdigung. So erübrigen sich auch eventuelle Streitigkeiten zwischen den Angehörigen.

 

Vor der eigentlichen Bestattung ist die Aufbahrung eine Option.

 

In vielen Familien kommt der Wunsch auf, sich vor der Beisetzung noch einmal von dem Verstorbenen verabschieden zu können. Dies kann in Form einer Aufbahrung geschehen, die in einem Bestattungsinstitut oder auf einem Friedhof sowohl in einem Sarg als auch mit einer Urne arrangiert werden kann. Auf besonderen Wunsch darf die Aufbahrung auch zu Hause vorgenommen werden. Hier gelten in den Bundesländern jedoch unterschiedliche Regelungen, die Sie bei Ihrem Bestatter erfragen können. Außerdem müssen Sie sich zwischen einer offenen und einer geschlossenen Aufbahrung entscheiden, je nachdem ob Sie dem geliebten Menschen noch einmal ins Gesicht blicken wollen oder ihn/sie lieber so wie zu Lebzeiten in Erinnerung behalten möchten. Nach der Aufbahrung werden Sarg oder Urne in die Trauerhalle zur Beisetzung überführt.

 

Friedhofszwang mit nur wenigen Ausnahmen

 

Die Erwähnung der Trauerhalle deutet es schon an: In den allermeisten Fällen werden die Überreste eines Verstorbenen auf einem öffentlichen Friedhof bestattet. Dies entspricht dem gesetzlichen Friedhofszwang, der bei Sargbestattungen grundsätzlich gilt. Ausnahmen gibt es im Grunde nur bei Urnen. Sie können unter Einhaltung gewisser Regeln auch unter Bäumen beigesetzt werden, wie beispielsweise auf Waldfriedhöfen oder auf eigens dafür vorgesehenen Waldgrundstücken (häufig als Bestattungswald, Friedwald oder Ruheforst bezeichnet). Ähnlich naturnahe Urnenbestattungen sind auch in sogenannten Memoriam-Gärten möglich. In einigen wenigen Gotteshäusern (“Urnenkirchen”) besteht zudem die Möglichkeit, die Urne eines Verstorbenen in kleinen Kammern, Säulen oder Vitrinen beizusetzen.

 

Beim Thema Friedhofspflicht bestehen zwischen den Bundesländern gewisse Unterschiede. So haben in den letzten Jahren gerade bei Urnenbeisetzungen einige Länder deutliche Lockerungen ermöglicht. Nicht erlaubt bleibt aber bislang die ständige Aufbewahrung der Urne daheim. Lediglich in Thüringen und Nordrhein-Westfalen ist dies für eine gewisse Zeit möglich. Auch in Bremen ist es unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, die Asche des Verstorbenen nach der Kremation mitzunehmen und anschließend auf einem Privatgrundstück zu verstreuen. Voraussetzung ist dabei, dass der Verstorbene den Wunsch zu Lebzeiten in einer Verfügung festgelegt hat und sein letzter Hauptwohnsitz in Bremen war. Friedhöfe mit sogenannten Aschewiesen gibt es auch in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Lassen Sie sich am besten eingehend von Ihrem Bestatter beraten, welche Optionen in Ihrem Bundesland konkret bestehen.