Evangelische Tradition in Trauer und Begräbnisritualen

von Dr. Michael Wolf CC

Evangelische Tradition in Trauer- und Begräbnisritualen

Evangelische und katholische Traditionen unterscheiden sich nicht wesentlich. Es sind beides Konfessionen des  Christentums

Jeder Abschied bedeutet auch Trauer. Verlässt ein Mensch dieses irdische Leben, hinterlässt er bei den Hinterbliebenen eine Lücke, die sich erst mit der Zeit wieder füllt.

Für die Sterbenden heißt es Abschied nehmen von dieser Welt. Von allem was ihnen in dieser Welt wichtig und wertvoll war. Vor allem sind dies die persönlichen Beziehungen zu den Menschen, denen sie im Leben verbunden waren. Sich mit allen zu versöhnen, bei denen es möglich ist, ist wichtig, um in Frieden zum Schöpfer zurück zu kehren.

Die evangelische Krankensalbung

Auf diesem letzten Weg ist es gut, wenn die Sterbenden von einem/einer evangelischen Pfarrer/In begleitet werden. Eine Krankensalbung bei einem Menschen in seiner Abschiedsphase, kann für die Betroffenen, wie für die Angehörigen eine tröstende Erfahrung der Heilsgewissheit sein. Diese wird uns durch die Taufe geschenkt.

Solch eine Krankensegnung mit Salbung ist in folgende Schritte aufgebaut – eine Einführung unter Erwähnung von Jakobus 5, 14-16 und der Eröffnung: Im Namen Jesu Christ wollen wir über N:N. beten und sie/ihn salben. Wir vertrauen sie/ihm der Gnade und der Kraft Christi an. Nach dem Psalm 23, kann eine Beichte abgelegt werden. Es folgen eine Lesung, z.B. Matthäus 11, 28-30, Gebet und Segnung mit Salbung.

Die Salbung besteht aus einem Kreuzzeichen auf der Stirn. Falls noch möglich, eine kurze Abendmahlsfeier, bestehend aus Dankgebet, Einsetzungsworten, Austeilung, Vaterunser und Segen. Der Segen bei einem Sterbenden, wobei der Pfarrer/In dem Betreffenden beide Hände auflegt und das Zeichen des Kreuzes auf die Stirn und Hände macht, kann lauten:

N.N. wird gesegnet (und gesalbt mit Öl) im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Er erbarme sich deiner. Er sei dir gnädig und nehme dich auf in sein ewiges Reich. Amen.

Danach besteht noch die Möglichkeit den Angehörigen auch unter Handauflegung ein tröstendes und stärkendes Segenswort zu zusprechen.

Nach dem Tod

Nach Eintritt des Todes, muss ein Arzt den Tod amtlich feststellen und die entsprechenden Papiere dafür ausfüllen. Dann holt ein Bestatter den Verstorbenen ab und überführt ihn, nachdem er gewaschen, angekleidet und eingesargt ist, in eine Aufbahrungshalle mit Kühlkammer.

Zwischen dem Sterbedatum und dem Tag der Beerdigung vergehen in der Regel 1-2 Wochen. So ist es im (groß)städtischen Bereich. In ländlichen Gemeinden gibt es noch viele lokale unterschiedliche Traditionen – die von der Hausaufbahrung, über das Verabschieden durch die Dorfgemeinschaft, bis hin zum gemeinsamen Zug durch den Ort bis zur Kirche reichen.

Der Bestatter informiert den/die zuständige evangelische Pfarrer/In von dem eingetretenen Todesfall und dem Termin der Beisetzung. Dieser/diese bittet dann die Hinterbliebenen zu einem Trauergespräch im Trauerhaus oder Pfarrhaus.

In diesem seelsorgerlichen Gespräch geht es darum das Leben des Verstorbenen noch einmal gemeinsam Revue passieren zu lassen. Besonderes Augenmerk liegt darauf, wo Gottes Wirken gerade auch in diesem Leben spürbar und vielleicht erst aufgrund des rückschauenden Blickes sichtbar wird.

Hilfreich sind dabei Bibelsprüche, falls bekannt, die den Verstorbenen auf seinem Lebensweg begleitet haben, vom Taufgespräch über den evangelischen Konfirmationsspruch, bis zum Trauspruch.

Wichtig ist in diesem Gespräch auch den Trauernden Mut zuzusprechen. Die Verstorbenen sind nach unserer Überzeugung in Gottes Reich. Für die Hinterbliebenen geht das Leben ohne den vertrauten Menschen aber weiter. Dies ist eine Aufgabe, die vor ihnen liegt. Sie dürfen darauf vertrauen, dass die evangelische Gemeinde sie dabei begleitet, in Gedanken, Gebeten und wenn nötig auch mit Taten.

Die evangelische Beerdigung 

Die Beerdigung erfolgt nach einem Gottesdienst entweder nach der Aufbahrung in einer Kirche oder Aufbahrungshalle oder bei einer Kremation im Krematorium. Dieser Ablauf bleibt auch bestehen, sollte die Beerdigung in einer anderen Form erfolgen (Seebestattung, Beisetzung in einem Friedwald u.v.a.).

Im Mittelpunkt des evangelischen Gottesdienstes steht die Auferstehungshoffnung und der Trost für die Hinterbliebenen, dass die Verstorbenen bei Gott gut aufgehoben sind. Und ihr Leben, trotz des Verlustes weitergehen wird.

Der Aufbau solch eines Gottesdienstes ist: Eröffnung im Namen des dreieinigen Gottes – Worte aus Psalm 23 – Schriftlesung (1.Thessalonicher 4, 13-18) – Abschiedsworte in denen darauf hingewiesen wird, das wir Christen in Frieden Abschied nehmen sollen – und gerade auch dem Verstorbenen verzeihen, hat er/sie uns einmal wehgetan, so wollen wir ihm/ihr von Herzen verzeihen.

Die Predigt nimmt Bezug auf ein Bibelwort, das im Leben des Verstorbenen wichtig war.

Verwoben mit der biblischen Auferstehungshoffnung ist der Lebensweg des Verstorbenen. All die Momente in seinem Leben, in dem etwas von der göttlichen Führung spürbar wurde, soll noch einmal zum Leuchten gebracht werden und damit auch das Leben gewürdigt werden. Dann schließt sich das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis an. Das folgende Gebet thematisiert den Wunsch, dass über die Grenze des Todes hinweg Gott uns alle umfasst. Uns, die wir leben und die, die Gott schon vor uns zu sich gerufen hat. Am Grab werden Worte aus Psalm 90 gelesen, dann wird der Sarg/Urne versenkt – Erdaufwurf – mit den Worten: So spricht der Herr, der uns geschaffen hat: von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden. Wir aber hoffen auf unseren Herrn Jesus Christus, der da spricht: Ich lebe und auch ihr sollt leben.“

Die Wege trennen sich

Der Gang über den Friedhof ist ein wichtiges Ritual innerhalb der Trauerzeit. Ab jetzt trennen sich die Wege endgültig. Für den Verstorbenen beginnt ein Weg in Gottes Reich, für die Lebenden erfolgt die Rückkehr in den Alltag.

Im evangelischen Sonntagsgottesdienst nach der Beerdigung gedenken wir des Verstorbenen und beten für die Trauernden.

Der Toten- oder Ewigkeitssonntag

Zum Toten/Ewigkeitssonntag werden alle Hinterbliebenen der im vergangenen Jahr Verstorbenen eingeladen – im Rahmen dieses Gottesdienstes am Ende des Kirchenjahres (Ende November) werden die Namen aller Verstorbenen verlesen und als Erinnerung und als Zeichen der Hoffnung für jeden eine Kerze entzündet.

Aspetos dankt dem Verfasser Dr. Michael Wolf