Trauerhilfe für Kinder und Jugendliche

Kinder trauern ihrem Entwicklungsstand entsprechend. Sie haben einen natürlichen Umgang mit der Trauer. Trotzdem brauchen sie Unterstützung und Hilfe. Sie lernen das Trauern so, wie alles andere. Durch das Nachleben von dem, was sie erleben. Was ist Trauerhilfe für Kinder und Jugendliche?

Wann braucht es Trauerhilfe für Kinder und Jugendliche ?

Kinder trauern dann, wenn sie etwas traurig finden. Das kann der tote Vogel auf dem Schulweg oder die zerbrochene Lieblingstasse sein. Hier ist es wichtig, die Kinder in ihrer Traurigkeit ernst zu nehmen. Erwachsene sind bemüht, ihre Kinder zu schützen. Deshalb kommen leicht Sätze über die Lippen wie: „Du musst nicht traurig sein.“ „Das ist doch nicht so schlimm.“ „Darum musst du
doch jetzt nicht weinen.“ Warum dürfen Kinder nicht traurig sein? Dadurch lernen sie den Umgang mit schweren Momenten und mit Trauer. Kinder dürfen fröhlich sein. Kaum jemand sagt: „Sei nicht so fröhlich.“ „Das ist doch nicht so lustig.“ „Darum musst du doch nicht lachen.“ Freude und Trauer gehört zusammen wie Tag und Nacht.

Wie sieht Trauerhilfe für Kinder und Jugendliche aus?

Wenn Erwachsene trauern, gibt es den Vergleich mit dem uferlosen Ozean. Bei Kindern kann die Trauer mit Wasserlachen verglichen werden. Sie hüpfen hinein und stecken manchmal knietief im Trauerschlamm, weinen, schreien, toben, schweigen, sind ganz in sich und die Traurigkeit versunken. Dann springen sie wieder heraus und so schnell, wie die Traurigkeit da war, ist sie wieder verschwunden. Sie möchten einen Kakao, etwas malen oder Freunde treffen oder spielen. Das ist kein Zeichen, dass alles überwunden ist. Es ist der Schutz des Kindes. Kinder müssen sich trotz der Trauer weiter entwickeln, weiter lernen und weiter wachsen. Wenn sie im Trauerozean versinken würden, hätten sie dafür keine Kraft mehr. Erwachsene haben diesen Schutz nicht mehr.

Wie trauern Kinder in den verschiedenen Altersstufen?

Kinder sehen ihrem Alter entsprechend die Welt unterschiedlich und haben auch unterschiedliche Bilder von Tod und Sterben, sie trauern dadurch anders. Trotzdem kann keine allgemein gültige Richtlinie aufgestellt werden. Trauerausdrücke haben immer mit Charakter, Geschlecht, Familiengeschichten
usw. zu tun. Ein Versuch soll hier gewagt werden:

0-3 Jahre: Tod wird nicht verstanden.

Nicht-da-sein löst Trauer aus. Wenn die Mama aus dem Zimmer geht beginnt das Kind zu weinen oder nach der Mama zu suchen. Würde sie nie wieder kommen, würde das Kind nach etwa einer Woche resignieren und aufgeben.

3-6 Jahre: tot = fort.

Wer fort ist, kommt wieder: „Im Spiel bist du jetzt tot“ Die Zeitvorstellung fehlt. Erwachsene werden mit Fragen: „Wie kommt die Oma aus der Kiste, wenn sie nicht mehr tot sein will? Todeswünsche in diesem Alter sind „Fort-Wünsche“: „Du nervst mich, lass mich mal alleine, sei doch tot.“ In diesem Alter ist auch das magische Denken sehr ausgeprägt und die Kinder sehen sich als Mittelpunkt der Welt. So sind sie auch für alles verantwortlich. Wenn ich beim Zebrastreifen nur auf das Weiße trete, dann wird der Opa wieder gesund. Wird der Opa nicht mehr gesund, fühlt sich das Kind schuldig. Vielleicht ist es ja doch daneben getreten. Verstorbene sind Beschützer und helfen in schwierigen Situationen. Eine Medizin gegen den Tod ist das „Gut-sein“. Nur ganz ganz alte und ganz ganz böse Menschen sterben.

6-9 Jahre: Tod = anders als das Leben,

sachliches nüchternes Interesse an Gräbern, Leichen, Verwesung, Friedhöfen, Beerdigungen und allem, was Erwachsene eher erschreckt. In diesem Alter können Fragen kommen, ob ein Verstorbener schon verwest ist. Mit etwa 8 Jahren kommt die Erkenntnis, dass auch das Kind nicht die große Ausnahme sein wird und eines Tages sterben wird. Ängste vor dem Verlassen werden können wieder größer werden. Die eigene Todesangst wird durch mitunter gewaltätig anmutenden Todesspielen wie Cowboy und Indianer kompensiert. Sie haben in dem Moment die Macht über den Tod.

9-12 Jahre Sachliche Einstellung:

Die Kinder lernen den Tod kognitiv zu verstehen. Sie stellen sehr sachliche Fragen: „Wachsen die Haare nach dem Tod weiter?“ Weil diese Fragen das Tabu der Erwachsenen ankratzen, sind sie so erschreckend. Die Faszination für Gruselgeschichten wird groß. Das kann wie ein Ventil wirken. Das eigene Sterben wird akzeptiert. Dabei werden die Folgen
für die Hinterbliebenen nicht gesehen.

Trauer bei Jugendlichen

Ab 12 Jahren wird der Tod wie von Erwachsenen gesehen. Es ist ein schreckliches Ereignis. Angst vor Schmerzen beim Sterben und ein ambivalentes Unwohlsein beim Gedanken an die Bestattungsart: „Verbrennen, um nicht von Würmern gefressen zu werden – oder doch lieber im Sarg, falls ich
noch nicht ganz tot bin, will ich nicht verbrennen.“

Sprach- und Hilflosigkeit sind unter anderem Thema, wenn ein naher Mensch stirbt. Trennung und Loslösung sind als Jugendliche ein wichtiger Schritt. Doch die Trennung durch den Tod ist kaum ertragbar. Cool sein steht der großen Verletzlichkeit gegenüber. Gefühle müssen weggeschoben werden, wenn Jugendliche ihrem Bild entsprechen möchten. Notwendige Entwicklungsprozesse können unterbrochen werden. Besonders wenn ein Elternteil stirbt sind die Schuldgefühle oft groß. Es fehlt ein Elternteil für die Auseinandersetzung und der andere Elternteil ist oft nicht mehr belastbar. Oftmals zeigen sich gerade Jugendliche stark und rücksichtsvoll in so einer Situation. Sie sorgen sich um ihre jüngeren Geschwister und wollen dem trauernden Elternteil beistehen.