Bestattung Wien: Friedhofsgärtner mit Teilerfolg gegen Quasi-Monopolisten

Ganz und gar nicht ruhig und pietätvoll geht es in der Bestattungsbranche der Bundeshauptstadt zu. Unter der Oberfläche des Wiener Bestattungsmarktes brodelt es seit Jahren. Stein des Anstoßes ist vor allem das Geschäftsgebaren der Bestattung Wien, einem Tochterunternehmen der im Eigentum der Stadt Wien befindlichen Wiener Stadtwerke Holding AG.

Dem Ex-Monopolisten ist es nach der Liberalisierung des Bestattungsmarktes im Jahr 2002 gelungen, die Mehrzahl der entstandenen Wettbewerber entweder zu schlucken oder auf andere Art vom Markt zu drängen. Die verbliebenen Konkurrenten wehren sich, so gut es geht.

Nun ist der Vereinigung der Friedhofsgärtner zumindest ein kleiner Etappensieg gelungen. Das Handelsgericht Wien hat die Bestattung Wien bzw. deren Schwestergesellschaft Friedhöfe Wien zur Zahlung von 31.500 Euro Strafe verdonnert.

Unter anderem erkannte das Gericht es als „gesetzwidrig“ an, dass für die Zusatzleistung des Entfernens von Blumengebinden und Trauerkränzen keine Umsatzsteuer fakturiert wurde. Damit konnten die Friedhöfe Wien de facto bei den Preisen um 20 Prozent unter denen der Konkurrenz liegen, die ganz im Sinne geltenden Rechts die Umsatzsteuer auf ihre Preise aufschlug.

Urteil gegen Bestattung Wien

Ein weiterer Teil des Urteilsspruches ist derzeit für alle Internetnutzer ersichtlich: Das Urteil muss die Bestattung Wien nämlich über einen Zeitraum von drei Monaten gut sichtbar auf ihrer Website darstellen. Zudem muss der Richterspruch in einer Samstagsausgabe der Kronen Zeitung im Textteil der Ausgabe Wien veröffentlicht werden.

Was die Vereinigung der Friedhofsgärtner allerdings ärgern dürfte: Die Bestattung Wien hat auf ihrer Website einen Zusatztext veröffentlicht, in dem es klingt, als trügen die Friedhofsgärtner Schuld daran, dass die Bestattung Wien nun „die Umsatzsteuer in der Höhe von 20 Prozent auf das Entfernen von Blumengebinden und Kränzen“ verrechnen muss und nicht der Fakt, dass zuvor „gesetzwidrig“ darauf verzichtet worden war.

Mit diesen und anderen Methoden sorgt dieser Bestattungskonzern, in dessen Dunstkreis auch die Krematorien, die Gärtnereien und die Friedhöfe Wien wirken, für einen recht monotonen Markt in Wien und gleichzeitig für die teuersten Beisetzungen.

Kaum Konkurrenz am Wiener Bestattungsmarkt

Grund für die hohen Bestattungspreise in Wien – die laut der damaligen ÖVP-Gemeinderätin Christine Marek im Juni 2011 durchschnittlich um 800 bzw. 1.300 Euro über jenen von Linz und Graz liegen – dürfte vor allem das Fehlen von Wettbewerbern sein.

Schließlich hat die Bestattung Wien nach der Übernahme von PAX und Perikles im Jahr 2010 die letzten namhaften Konkurrenten ausgeschaltet und dominiert den Markt in Wien mit einem Umsatzanteil von geschätzt mehr als 90 Prozent. Private haben kaum eine Chance, zumal die Bestattung Wien sich dem Ziel verschrieben hat, alle entsprechenden Dienstleistungen aus einer Hand anbieten zu wollen. Was sich toll für Verbraucher anhört, ist jedoch von toll weit entfernt.

Darunter leiden vor allem die letzten verbliebenen privaten Unternehmen wie Steinmetze, Friedhofsgärtner und Floristen, die dem übergreifenden Angebot und den daraus resultierenden Möglichkeiten der Kundengewinnung nicht viel entgegenzusetzen haben.

Im Jahr 2010 etwa klagte ein engagierter Steinmetz gegen die Geschäftspraktiken der Bestattung Wien – und bekam Recht: Er erwirkte zumindest eine einstweilige Verfügung, in der laut Wirtschaftsblatt von „unlauteren Geschäftspraktiken“ und „Behinderung von Konkurrenten“ die Rede ist.

Trauernde als Leidtragende

Nicht zuletzt sind es aber die Trauernden, die Kunden, die Konsumenten, die die Leidtragenden des mangelnden Wettbewerbs sind. Ihnen ist es quasi unmöglich, ohne größeren Aufwand eine Auswahl zu treffen, Angebote und Preise zu vergleichen – und das in einer solchen Ausnahmesituation.

Zum Glück gibt es mittlerweile etwas Licht am Horizont. Denn nach einigen Jahren der Flaute formiert sich wieder der Wettbewerb.

Quellen:

Protokoll Gemeinderatssitzung: http://www.wien.gv.at/mdb/gr/2011/gr-010-w-2011-06-27-013.htm

Wirtschaftsblatt – Steinmetze gegen Wiener Friedhofskartell: http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/oesterreich/1144440/index

Startseite der Bestattung Wien: http://www.bestattungwien.at