Urne to go: Friedhofszwang vor dem Aus?

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Was in vielen Ländern Europas erlaubt ist, ist in Deutschland sowie zum Teil in Österreich und Italien streng verboten: die Aufbewahrung der Asche eines geliebten Verstorbenen zu Hause oder die Beisetzung auf dem eigenen Grundstück. Friedhofszwang nennt sich diese Regelung. Sie entstammt einem Gesetz aus den Dreißigerjahren.

Wer dennoch versucht – etwa durch Kremierung des Verstorbenen und das anschließende Aushändigen-Lassen der Urne im Ausland – die Asche mit nach Hause zu nehmen, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wird das Vergehen entdeckt, drohen empfindliche Geldstrafen und die Zwangsbeerdigung. Auch eine Bestrafung der anderen Art könnte auf die Hinterbliebenen zukommen: Wer einmal eine Urne inklusive Asche mit nach Hause genommen hat, der kann diese später nicht mehr (legal) auf einem Friedhof bestatten lassen.

Lockerungen in Österreich – mit Grenzen

In Österreich hat sich in Sachen Friedhofszwang schon einiges bewegt. Hier kann man mit Bewilligung der Gemeinde und unter Einhaltung von Auflagen eine Urne auf eigenem Grund und Boden beisetzen. In einigen Bundesländern werden weitere Lockerungen diskutiert. In Vorarlberg etwa soll es bald möglich sein, die Asche von verstorbenen Angehörigen zu Hause aufzubewahren.

 

Allerdings muss dazu der Verstorbene dem vor seinem Ableben zugestimmt haben und ein Teil der Asche muss an einem öffentlichen Ort beigesetzt werden. Zudem wollen die Behörden Sondergenehmigungen zur Bestattung auf dem eigenen Grund und Boden nicht mehr allzu häufig zustimmen, da Probleme auftreten könnten, etwa wenn Haus und Grundstück verkauft würden. Nichtsdestotrotz ist ein Wandel in Sicht.

Auch in Deutschland könnte nun Bewegung in die Frage kommen, denn die Bremer SPD will das Bestattungswesen reformieren. Den Vorschlägen zufolge, die zuerst einmal debattiert werden sollen, könnte es den Hinterbliebenen künftig erlaubt sein, Urnen mit der Asche von Verstorbenen zu Hause aufzubewahren – allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum.

Voraussetzung für die Möglichkeit, die Urne mitzunehmen, wäre dann eine Zustimmung, die der Verstorbene vor seinem Ableben abgegeben haben muss. Zudem muss eine Grabstelle bezahlt werden, in die die Urne nach Ablauf der Frist gegeben wird. Auch die Möglichkeit, die Asche auf dem Friedhof zu verstreuen, soll nach den Vorstellungen der Bremer SPD gegeben sein.

Persönliche und finanzielle Gründe

Dass sich viele Menschen wünschen, selbst über den Verbleib von Urne und Asche ihrer geliebten Verstorbenen entscheiden zu dürfen, rührt einerseits aus dem Willen, diese auch nach dem Tod bei sich haben zu wollen oder sie an einem Ort begraben zu können, der ihnen persönlich etwas bedeutet hat. Auf der anderen Seite dürften auch finanzielle Gründe ausschlaggebend sein, wenn man bedenkt, dass ein Urnengrab mit einer 20-jährigen Liegezeit schnell mehrere Hundert Euro kosten kann.